Walter Wolter

Wolter Walter Wolter (Foto: Copyright © mit freundlicher Erlaubnis des Autoren und seines Verlages Gollenstein)

Walter Wolter wurde 1950 in Nunkirchen im Saarland geboren. Nach abgebrochenem Gymnasium war er in vielen verschiedenen Jobs als Wanderarbeiter, Holzfäller, Soldat tätig, bis er schließlich zum Journalismus fand.

Als Journalist war er in den 70er Jahren vor allem als Reporter und Reiseschriftsteller unterwegs. Letzteres auch, weil er 1974 den Tierforscher Werner Freund kennen lernte und kurz entschlossen mit ihm ins Abenteuer zog. Ihre Begegnungen mit Kriegern, Kopfjägern und Steinzeitmenschen beschrieb Wolter in mehreren Büchern und Reportagen. Wolter erlebte so auf seinen Reportagereisen viele abenteuerliche Aufenthalte bei Indianern in Südamerika, unerforschten Stämmen in Afrika und Kopfjägern auf den Molukken und Papua-Neuginea.

Mit seinen umfassenden Reportagen wandte er sich langsam, aber immer deutlicher der Schriftstellerei zu. Seinen Abenteuerbüchern über Steinzeitmenschen und Kopfjäger folgten zunächst Kurzgeschichten. Doch erst nach weiteren zwischenzeitlichen journalistischen Wanderjahren in Süddeutschland und der Schweiz kehrte Wolter Ende der neunziger Jahre wieder in seine saarländische Heimat zurück und begann Kriminalromane zu schreiben.

Und auch hier lässt Walter Wolter deutlich erkennen, dass ihm die "Milieus", über die er schreibt, mehr als nur vertraut sind. So hat zum Beispiel die Handlung des Romans Zur Hölle mit den Wanderfalken einen durchaus realen Hintergrund. In den Jahren, als Wolter noch als Zeitungsreporter arbeitete, ließ er sich in eine Söldner-Organisation einschleusen, durchlief dabei verschiedene Trainings-Camps, in denen das Töten in jeder nur denkbaren Form gelehrt wurde - und ließ den illegalen Kriegerverein schließlich hochgehen. In Folge seiner gründlichen Undercover-Recherchen wurden danach sogar die Staatsschutz-Organe aktiv. Walter Wolter scheint also genau zu wissen, wovon er in seinen Geschichten schreibt.

Der Autor verfasste dann seit Ende der 90er Jahre insgesamt sieben Kriminalromane. Sein schriftstellerischer Hintergrund, die beschriebenen Milieus und seine Protagonisten erinnern so in vielem an Dashiell Hammett, aber auch stilistisch bewegt er sich in deutlicher Nähe zu Autoren wie Raymond Chandler und anderen Vertretern der amerikanischen Hardboiled-Schule.

Walter Wolters Held, der
Ex-Boxer und Privatdetektiv Bruno Schmidt, ist ein Underdog. Aus ständiger Geldnot sieht er gezwungen, auch dubiose Aufträge anzunehmen. So wird Schmidt in Hundstage, Wolfsnächte u.a. zum verlängerten Arm eines Racheengels, verdingt sich mitunter als Bodyguard einer recht zweifelhaften Industriellentochter (Ein Lied vom Tod) oder soll für besorgte Väter mit Geld unliebsame "Schwiegersöhne" ans Messer liefern (Der Fremde aus dem Wald).
Nun ist Bruno Schmidt kein saarländischer Sam Spade oder Philip Marlowe, aber in der Weise wie Walter Wolter seinen Helden mit den bitteren Realitäten und den Schattenseiten der "Provinz" konfrontiert, trifft er doch jenen lakonischen bis sarkastischen Ton von Autoren wie den erwähnten Dashiell Hammett oder Raymond Chandler. In deutlicher Distanz zum vermeintlichen Subgenre "Regionalkrimi" beschreibt Wolter mit seinen Detektivromanen überdies eine realitätsnahe Welt, in der nach einem Verbrechen mit seiner darauffolgenden Aufklärung eben nicht alles im Lot ist und es nicht mit allem seine Richtigkeit hat.
 
2009 erschien von Walter Wolter mit seinem Roman Der Fremde aus dem Wald der sechste und mutmaßlich letzte Teil in der Serie um den Saarbrückener Privatdetektiv Bruno Schmidt. Zuletzt erregte Wolter leider nur noch durch Neuausgaben Aufsehen. So erschien 2011 bei Gollenstein die Biographie des Tierforschers Werner Freund (Zwischen Zähnen und Klauen) in einer Neuausgabe, während der Verlag Bastei Lübbe dafür sorgte, dass Wolters erster Teil der Bruno-Schmidt-Reihe Hundstage, Wolfsnächte wieder allgemein lieferbar und einem breiteren Publikum zugänglich wurde.

Walter Wolter lebt inzwischen nicht mehr im Saarland, sondern als freier Schriftsteller in Bad Säckingen, also unweit des Länderdreiecks Deutschland/Frankreich/Schweiz.

Name: Wolter, Walter
Lebt in: Bad Säckingen
Nation: Deutschland
Lebensdaten: * 3. Mai 1950 in Nunkirchen/Saar
Links: Walter Wolter beim Gollenstein Verlag

"Die Freiheit, die er sich in mehr als viertausend Knastnächten erträumt hatte, war nun elende Realität. Für mehr als das Lebensnotwendige hatte Gänsle kein Geld. Die paar Penunzen, die ihm zu Verfügung standen, spendierte der Staat.
Fast alles, wovon er in seiner Zelle phantasiert hatte, war unerreichbar geblieben. Frauen zum Beispiel. Auf einen wie Gänsle, der mit geschmacklosen Tattoos und schlechten Zähnen die Stigmata eines verworfenen Lebens trug, flogen sie nicht. Da nutzte es nichts, dass er ein Gardemaß von 187 Zentimetern hatte, ein wuchtiges Kinn und einen schwellfähigen Bizeps. Allen männlichen Attributen zum Trotz sah er nicht aus wie einer, der eine Sünde wert gewesen wäre."
(Aus: Walter Wolter, Ein Lied vom Tod, S. 26)

Serie um den Ex-Boxer und Saarbrückener Privatdetektiv Bruno Schmidt:

  1. Hundstage - Wolfsnächte
    2001
    (Haffmans Verlag: Zürich 2001).
    Neuausgabe unter dem Titel: Hundstage, Wolfsnächte (Bastei Lübbe: Köln 2011)
  2. Verdammter Räuber
    2004
    (Gollenstein Verlag: Blieskastel 2004)
  3. Zur Hölle mit den Wanderfalken
    2005
    (Gollenstein 2005)
  4. Eisblumen
    2006
    (Gollenstein 2006)
  5. Ein Lied vom Tod
    2007
    (Gollenstein Verlag: Merzig 2007)
  6. Der Fremde aus dem Wald
    2009
    (Gollenstein 2009)

Andere Kriminalromane:

  1. Sau tot oder die verlorene Ehe des Herrn Köttelgruber: eine Kriminalgroteske
    1999
    (Haffmans 1999)

Kriminalerzählungen in Anthologien (Auswahl):

  1. Keine Verjährung
    2007
    (In: Barbara Grieshaber / Siegmund Kopitzki (Hrsg.), Tod am Bodensee. Gmeiner-Verlag: Meßkirch 2007.)
  2. Mimikri
    2007

    (In: Markus Walther (Hrsg.), Letzte Grüße von der Saar. Saar-Krimi-Anthologie. Conte Verlag: Saarbrücken 2007)

Erzählbände:

  1. Gefallene Männer: 13 Stories*
    1997
    (Haffmans 2000)
  2. Flirt mit zwei Nonnen: 13 Stories
    2000
    (Haffmans 2000)
  3. 13 Storys über Männer
    2008
    (Gollenstein 2008)

Andere Bücher:

  1. Jäger, Krieger, Kannibalen. Die Expeditionen des Werner Freund
    1977
    (M. G. Schmitz Selbstverlag: Gießen 1977)
    Neuausgabe in zwei Bänden u.d.T. Unternehmen Kopfjäger und Kopfjäger beim Schmitz Verlag: Kelkheim 2001.
  2. Unternehmen Kopfjäger: Expeditionsabenteuer in Urwald und Steppe
    1980
    (Orac/Pietsch Verlag: Wien/Stuttgart 1980)
  3. Zwischen Zähnen und Klauen. Das Leben des Werner Freund
    2003
    (Gollenstein 2003)

Anmerkungen:

  • * Der Erzählband enthält mit den Erzählungen Der Detektiv, Der Werber, Der Killer, Der Lügner, Der Wiedergänger, Der Aufreißer und Der Wettkönig insgesamt sieben Kriminalstories.
  • Wem die Bücher von Walter Wolter gefallen, dem empfehlen wir u.a. auch folgende Krimiautoren zur weiteren Lektüre: Jakob Arjouni, Raymond Chandler, Dashiell Hammett, Jörg Juretzka oder auch Walter Mosley (vor allem Leonid-McGill-Reihe).

Quellenangaben:

Deutsche Nationalbibliothek; Gollenstein Verlag; Krimi-Forum.net; Saarkrimi.de.

 

Diese Seite wurde am 30. Juni 2011 erstellt. Letzte Prüfung und Aktualisierung dieser Seite am 2. Juli 2011.

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