Christa Bernuth

Bernuth Christa von Bernuth (Foto: © privat / mit freundlicher Erlaubnis des DTV Verlags)

Christa von Bernuth entstammt einer preußischen Adelsfamilie und ist ist 1961 in München geboren. In ihrer Jugend hat sie vier Jahre auf einem oberbayerischen Eliteinternat an einem idyllischen See verbracht, woran sich die einst sehr sensible Schülerin noch bis heute wie an "ein Sodom und Gomorrha" erinnert fühlt.

So zog es sie auch gleich nach dem Abitur in die weite Welt hinaus: Sie reiste monatelang durch Südamerika. Nach eigenen Worten gammelte sie zunächst einmal "vier, fünf Jahre" herum. In diesen abenteuerlichen Lebensabschnitt Bernuths fallen dann auch die unterschiedlichsten Jobs, bei denen sie u.a. als Paketzustellerin, Zigarettenverkäuferin und Betreuerin einer angeblichen russischen Großfürstin arbeitete. Immerhin konnte sie da offenbar schon selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen, bis sie später nach einem Studium der Germanistik und Romanistik gezielt einen Abschluss an einer Journalistenschule machte und ihre weiteren beruflichen Werdegang dementsprechend ausrichtete.

Eine weitere tiefgreifende Erfahrung ihres noch jungen Lebens war eine mehrwöchige Reise durch die DDR, die sie mit ihrem damaligen Freund unternahm. Bei der Rückreise wurde ihr Begleiter an der Grenze festgenommen und zu 12 Jahren Haft wegen Spionage verurteilt. Monate später kaufte ihn die Bundesregierung frei. Dieses Ereignis, besonders aber der Aufenthalt in einem fremden, faszinierenden und auf faszinierende Weise vertrautem Land inspirierte sie viele Jahre später zu ihrem Roman Innere Sicherheit. (So war auch schon Jahre zuvor ihr Roman Die Stimmen in vielem von Bernuths eigenen Erfahrungen während ihrer als sehr bitter empfundenen Internatszeit inspiriert.)

Christa Bernuth begann dann mit etwa Mitte zwanzig mit dem berufsmäßigen Schreiben. Seit 1990 arbeitete sie als freie Journalistin für Elle, Spiegel und die Süddeutsche Zeitung und schrieb auch für verschiedene Frauenmagazine. Ihre Themen: Liebe, Psychologie, Karriere, Stars, Reisen.
Übrigens sollte die Autorin gerade die ersten beiden Themen in den meisten ihrer Kriminalromane immer wieder aufgreifen und ihre beiden Grundthemen, nämlich die Wirkung von obsessiver Leidenschaft und der Destruktivität der Liebe, in Variationen beschreiben.

"Ich habe schon früh über das doppelgesichtige Phänomen der Liebe nachgedacht. Sie kann schön, aber trügerisch sein und kann Leben zerstören. Die meisten Verbrechen geschehen aus Liebe."

Christa Bernuth schreibt gleichwohl nicht nur für ein weibliches Publikum, obwohl sie sich der Unterschiede zwischen weiblicher und männlicher Krimileserschaft sehr wohl bewusst ist:

"Frauen waren qua natura lange auf Innerlichkeitsstoffe beschränkt, Männer besetzten den Politthriller. Frauen schreiben jedoch nicht anders, sie haben nur andere Themen, sind privater, persönlicher, psychologischer - und manchmal auch perfider."*

Wie ernst es Bernuth nicht zuletzt mit ihren Themen ist, zeigt u.a. ein Beitrag im Magazin der Süddeutschen Zeitung von 1995, wo sie die Sinnhaftigkeit der Kindererziehung im traditionellen Familienmodell stark in Frage stellt; und auch sieben Jahre später hat sie dieses Thema noch längst nicht losgelassen (vgl. u.a. "Familiengeheimnisse" - Ein Gespräch zwischen der Soziologin und Sachbuchautorin Dr. Marianne Krüll und Christa von Bernuth. In: ELLE, Mai 2002, S. 118).
Mag man die hintergründige Vehemenz ihreres sozialen Engagements ihren Romanen auf den ersten Blick gar nicht so sehr anmerken, so war jedoch schon Bernuths erster Roman, Die Frau, die ihr Gewissen verlor (erschienen 1999 beim Goldmann Verlag in München), mithin ein "intelligenter Beziehungsthriller" (Brigitte). Seither hält die Autorin ihre Linie des intelligenten psychologischen Kriminalromans offensichtlich bis heute konsequent durch.
Seit 1999 hat Christa Bernuth insgesamt Kriminalromane verfasst, die übrigens vor allem ins Schwedische (sic!), aber u.a. auch ins Holländische und Russische übersetzt wurden.
Ihre dreiteilige Krimiserie um die Münchner Kommissarin Mona Seiler brachte es überdies zur gleichteiliigen Verfilmung und wurde mit Mariele Millowitsch in der Hauptrolle als Mona von 2003-2005 im Fernsehen ausgestrahlt.
Wer schuld war
ist ihr bislang letzter Roman, der 2010 erschien. In in ihm kann man übrigens wie zu Beginn von Bernuths Romanschaffen erneut leicht einen "Beziehungsthriller" erkennen ...

Christa Bernuth lebt mit ihrem Mann in München.

Name: Bernuth, Christa
Lebt in: München
Nation: Deutschland
Lebensdaten: * 05.03.1961 in München
Links: Homepage von Christa Bernuth
  Christa Bernuth auf den Verlagsseiten von DTV

"Wenn es kalt wurde, setzte sie sich gern auf den geheizten Kachelofen. Sie hatte sich ein Kissen besorgt, das dick genug war, die Hitze abzuhalten aber die Wärme durchließ. Manchmal meditierte sie stundenlang im Schneidersitz auf diesem Platz, spürte, wie die Wärme ihre dauernd frierenden Beine umfing, dann Po und Rücken hochstieg, und schließlich in ihrem Bauch ankam. Manchmal las sie auf dem Ofen so lange bis sie einnickte. Es waren immer die gleichen Bücher, aber das erschien ihr ganz natürlich. Effie Briest, Die Verwandlung, Ansichten eines Clowns, Der geteilte Himmel, Die Rote, Die Blechtrommel. Sie kannte sie fast auswendig. Sie waren wie Freunde, die sie jederzeit besuchen konnte oder wie vertraute Landschaften, in denen sie sich wohlfühlte."
(Aus: Christa von Bernuth, Die Stimmen)

Serie um die Münchner Kommissarin Mona Seiler:

  1. Die Stimmen
    2001
    (Goldmann Verlag: München 2001)
  2. Untreu
    2003

    (Goldmann 2003)
  3. Damals warst du still
    2004
    (Goldmann 2004)

Andere Kriminalromane:

  1. Die Frau, die ihr Gewissen verlor
    1999
    (Goldmann 1999)
  2. Innere Sicherheit
    2006

    (Piper Verlag: München 2006)
  3. Wer schuld war
    2010
    (DTV: München 2010)

Kriminalerzählungen:

  1. Leise rieselt der Schnee
    2003
    (In: Gisa Klönne (Hrsg.), Leise rieselt der Schnee ... - Der Krimi-Adventskalender. Ullstein Verlag: München 2003, S. 17-29)
  2. Letzte Worte
    2003
    (In: Nadine Barth / Stephanie Kriesel (Hrsg.), Letzte Worte.  Scherz Verlag: Frankfurt a.M. 2003)
  3. Mandelkern
    2009
    (In: Gisa Klönne (Hrsg.), Fürchtet euch nicht! - Der neue Krimi-Adventskalender. Ullstein Verlag: Berlin 2009, S. 56-65)

Andere Bücher:

  1. So komme ich im Beruf voran
    1993
    (Falken Verlag: Niedernhausen/Taunus 1993)

Anmerkungen:

  • * Alle direkten Zitate des Porträts entnommen aus dem aufschlussreichen Artikel von Barbara Reitter-Welter: "Mord ist ihr Geschäft". In: Die Welt vom 02.03.2003.
  • Wem die Bücher von Christa Bernuth gefallen, dem empfehlen wir u.a. auch folgende Krimiautoren zur weiteren Lektüre: Anne Chaplet, Christine Grän, Christine Lehmann und Astrid Paprotta.

Sekundärliteratur/-werke (Auswahl):

  • Christa von Bernuth: "Nehmt den Eltern die Kinder weg. Um ein Kind optimal aufs Leben vorzubereiten, muß man besser qualifiziert sein, als es die meisten Eltern sind".
    1995
    (In: Süddeutsche Zeitung Magazin Nr. 41 vom 13.10.1995, S. 14 u.15)
  • Barbara Reitter-Welter: "Mord ist ihr Geschäft"
    2003
    (In: Die Welt vom 02.03.2003.)

Quellenangaben:

Deutsche Nationalbibliothek; Christa Bernuths offizielle Homepage; DTV Verlag; Lexikon der deutschen Krimiautoren; Krimi-Forum.net; Christa Bernuth auf den Verlagsseiten von Random House; Mörderische Schwestern - Vereinigung deutschsprachiger KrimiAutorInnen.

Diese Seite wurde erstellt am 11. Mai 2011. Die letzte Prüfung und Aktualisierung ihrer Inhalte fand am 12. Mai 2011 statt.

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