Ingrid Noll

Noll Ingrid Noll (Foto: Copyright © Mosimann / Diogenes Verlag)

Ingrid Noll wurde 1935 unter dem Mädchennamen Ingrid Gullatz in Shanghai geboren und wuchs zusammen mit drei Geschwistern als Tochter eines deutschen Arztes in Nanking auf. Dort wurden sie und die Geschwister von den Eltern unterrichtet.

So beschreibt Ingrid Noll das Leben von ihrer Kindheit bis zu ihrem Schriftstellerinnendasein selbst:

In meiner Kinderzeit in Nanking, in einem Haus mit großem Garten und vielen Tieren, versponnenen Spielen und altmodischen Büchern, begann ich heimlich kleine Geschichten zu schreiben, die ich erfolgreich vor der Familie versteckte. Aus Angst vor Entdeckung meines Geheimnisses begrub ich bei einem Umzug meine Werke im Garten.
1949 verließ meine Familie Shanghai; in Bad Godesberg kam ich in eine Mädchenschule und begann 1954 nach dem Abitur ein Studium an der Universität Bonn (Germanistik und Kunstgeschichte), das ich jedoch nach einigen Semestern abbrach. Ich verdiente Geld durch verschiedene Jobs und heiratete 1959. Jahrelang war ich durch drei Kinder, einen großen Haushalt und Mithilfe in der Praxis meines Mannes so beschäftigt, daß ich darüber Lesen und Schreiben verlernte. Erst als alle Kinder aus dem Haus zogen, ein eigenes Arbeitszimmer, etwas mehr Zeit und ein Schreibtisch vorhanden waren, begann ich, Kindergeschichten zu schreiben.

(Zitiert nach: Diogenes Verlag, Bio-Bibliographie Ingrid Noll)

Bis heute lebt Ingrid Noll zusammen in der Ehe mit dem Arzt Peter Gullatz, mit dem sie drei Kinder hat. Der Film- und Theaterkomponist Biber Gullatz ist ihr Sohn. Sie ist dreifache Mutter und Großmutter. Dass sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch viele Jahre Romane und Geschichten veröffentlichen wird, ist nicht unwahrscheinlich: Im September 2010 erschien ihr bisher letzter Roman Ehrensache. Und schließlich wurde ihre eigene Mutter 106 Jahre alt – ohne je ein Altersheim zu betreten.

Ingrid Noll gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Krimiautoren der Gegenwart. Ihre Bücher wurden bislang in weit über 20 Sprachen übersetzt. Die Häupter meiner Lieben wurde mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet und, wie andere ihrer Romane, auch erfolgreich verfilmt.

Die Autorin, die man mitunter schon als "deutsche Patricia Highsmith" bezeichnete, hat sich mit ihren Geschichten auf die bösartigen Hintergründigkeiten der deutschen Provinz und ihrer mörderischen Antriebe spezialisiert. Nicht selten sind es Frauen, die sich bei Noll durch Mord von ihren Männern "emanzipieren". Ingrid Noll, eine Meisterin des schwarzen Humors, möchte sich aber trotz allem nicht als Männerfeindin verstanden wissen. Dazu meinte sie einmal hintersinnig: "Ich mag Männer, schließlich habe ich selber einen."

Name: Noll, Ingrid
Lebt in: Weinheim
Nation: Deutschland
Lebensdaten: * 29. September 1935 in Shanghai
Links: Autorenseiten des Diogenes Verlags

"Wenn sich andere Hausfrauen um vier Uhr nachmittags eine Tasse Kaffee kochen, bereitet unsere dicke, kleine Mutter eine wahre Fleischorgie für sich, mich und meinen Bruder. Es war der einzige Fall von Kumpanei, den man ihr nachsagen konnte, und er bereitete uns abscheuliche Lust.
Wie beim Verschwindenlassen einer Leiche mußten alle fleischlichen Überreste beseitigt werden, bevor Vater heimkam. Weder Knochen, Schwarten und Fettklumpen noch Düfte oder schmierige Teller durften von unserem heimlichen Verbrechen Zeugnis ablegen. Zähne wurden geputzt, der Mülleimer entleert und die Küche mit Zitronen-Spray in den Stand der Unschuld zurückversetzt."
(Ingrid Noll, Die Apothekerin, S. 7)

Die Rosemarie-Hirte-Romane:

  1. Der Hahn ist tot
    1991
    (Diogenes Verlag: Zürich 1991)
  2. Die Apothekerin
    1994
    (Diogenes 1994)

Andere Kriminalromane:

  1. Die Häupter meiner Lieben
    1993
    (Diogenes 1993)
  2. Kalt ist der Abendhauch
    1996
    (Diogenes 1996)
  3. Röslein rot
    1998
    (Diogenes 1998)
  4. Selige Witwen
    2001
    (Diogenes 2001)
  5. Rabenbrüder
    2003
    (Diogenes 2003)
  6. Kuckuckskind
    2008
    (Diogenes 2008)
  7. Ehrenwort
    2010

    (Diogenes 2010)

Kriminalerzählungen:

  1. Stich für Stich. 5 schlimme Geschichten
    1997

    (Reihe kleine detebe, Diogenes 1997)
  2. Die Sekretärin. 3 Rachegeschichten
    2000

    (Reihe kleine detebe, Diogenes 2000)
  3. Falsche Zungen
    2004
    (Diogenes 2004)
  4. Das Wunschkind
    2011
    (In: Mechthild Zimmermann / Regina Schleheck (Hrsg.): mordsmütter. ViaTerra Verlag: Aarbergen 2011. S. 213-219)

Andere Romane und Bücher:

  • Ladylike
    2006
    (Diogenes 2006)
  • Der Schweinepascha (Bildband mit zahlreichen farbigen Illustrationen von der Autorin)
    1996
    (Diogenes 1996)

Sekundärliteratur:

  • Steckbrief Ingrid Noll
    1995
    (In: Rudi Kost / Thomas Klingenmaier: Steckbriefe. Die Krimi-Kartei von A-Z. Rowohlt Verlag: Reinbek bei Hamburg 1995, S. 173-174.)
  • Helga Arend: "Nette alte Dame mit Leiche im Keller: Ingrid Nolls Kriminalromane als Unterrichtsthema"
    2001
    (In: Carmen Birkle, Sabina Matter-Seibel u.a. (Hrsg.): Frauen auf der Spur. Kriminalautorinnen aus Deutschland, Großbritannien und den USA. Stauffenberg Verlag: Tübingen 2001. S. 273-286.)
  • "Mir ist es gar nicht unrecht, daß ich in keine Schublade passe". Ingrid Noll im Gespräch mit Dieter P. Meier-Lenz
    2001
    (In: die horen 204, 46. Jahrgang, Band 4/2001, S. 115-119.)
  • Moja Anin (das sind: Inga Auer, Anja Gaisa, Monika Heilmayer und Jana Kubsch): Morden leicht gemacht. Die Ingrid-Noll-Bibliographie
    2005
    (Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern - Fachbereich Archiv- und Bibliothekswesen: München 2005. PDF mit 94 Seiten.)
  • Cesare Giacobazzi: "Mit Kind, Hund, warmen Decken und Leiche". Die Normalität des Mordes in Ingrid Nolls Kriminalromanen
    2005
    (In: Sandro M. Moraldo (Hrsg.): Mord als kreativer Prozess. Winter, Heidelberg 2005, S. 41-49.)

Anmerkungen:

  • Wem Ingrid Noll gefällt, dem empfehlen wir u.a. auch folgende Krimiautoren zur weiteren Lektüre: Hans Werner Kettenbach, Amélie Nothomb oder z.B. tatsächlich auch Patricia Highsmith.

Auszeichnungen:

  • 1994
    Bester Roman – Glauser Autorenpreis für Die Apothekerin
  • 2002
    Verleihung der "Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg" durch
    Ministerpräsident Erwin Teufel
  • 2005
    Friedrich Glauser Preis "Ehrenpreis der Autoren" für das Gesamtwerk

 

Quellenangaben:

Deutsche NationalbibliothekDiogenes Verlag, Lexikon der deutschen Krimiautoren, Wikipedia.

 

 

Diese Seite gibt es seit dem 14. Juni 2010. Die letzte Prüfung und Aktualisierung zu Ingrid Nolls Wirken und Schaffen nahmen wir am 12. Mai 2011 vor.

 

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