Joe R. Lansdale
Joe R. Lansdale (Foto: Copyright © Baror International, Inc. / Mit freundlicher Erlaubnis der Verlagsgruppe Random House)
Als Krimiautor ist der Texaner Joe R. (Richard Harold) Lansdale, geboren 1951 in Gladewater (Texas), mit der Serie um Hap Collins und Leonard Pine berühmt geworden. Bei diesen rasanten "Buddy-Storys" konterkarieren Hap, ein weißer, heterosexueller Kriegsdienst- verweigerer, und Leonard, ein schwarzer, schwuler Vietnam-Veteran auf beinahe anarchistische Weise den American Way of Life und fügen ihm eine eigene texanische Lebensweise bei.
An dieser Serie begann Lansdale seit 1990 zu schreiben. Doch schriftstellerisch war er schon seit den frühen 70er Jahren unterwegs, als er seine ersten Kurzgeschichten veröffentlichte. Bereits 1981 hatte er seinen Erstlingsroman Act of Love / Akt der Liebe geschrieben, der heute vielen als das intelligente Urbild zu Thomas Harris' legendärem Schweigen der Lämmer und vieler anderer Serienkillerromane gilt.
Nun wird man Joe R. Lansdale mit mehr oder weniger oberflächlichen Vergleichen nicht gerecht. Denn er ist ein sehr vielseitiger, lustvoller
und dabei überaus produktiver Erzähler. So hat er bis heute weit über zwanzig Romane und zweihundert Stories in den Genres Krimi, Horror und Western verfasst und unzählige Anthologien herausgegeben. Dafür wurde er u.a. mit dem British Fantasy Award, dem American Mystery Award, dem Edgar Award und sechsmal mit dem Bram Stoker Award ausgezeichnet. Für Bottoms / Die Wälder am Fluss erhielt er 2000 den Edgar der American Crime Writers Association für den besten Kriminalroman des Jahres.
Sein eigenes Schreib- und Erzählprinzip nennt Lansdale "Mojo storytelling". Es ist geprägt von einer sehr direkten Erzählweise, die sich zum einen vorbehaltslos einen geradezu abenteuerlichen Genremix zunutze macht und sich zum anderen bemüht, die Dinge auf die Spitze zu treiben. Mit dem Kampfsportler Lansdale könnte man vielleicht sagen, dass seine Geschichten förmlich "mit der Faust aufs Auge treffen" sollen. Mit seinem sehr pointierten Stil wurde Lansdale so folgerichtig zu einem herausragenden Meister der kurzen und knappen Form. Und dieses "mitreißende" Prinzip handhabt der Autor so radikal, dass er
seine Leser nicht selten in ein Wechselbad der Gefühle zu versetzen mag. Da wechselt eine Geschichte durchaus schnell einmal von der Tragödie zur Groteske, von der Provinzposse zum Weltendrama, so dass man fast gleichzeitig lachen und heulen möchte. Dabei lässt es Lansdale keinesfalls an Witz und (oft rabenschwarzem) Humor fehlen, - genausowenig wie an erzählerischer Direktheit (z.B. in punkto Sex), die so manchen Leser auch durchaus einmal mit einem gezielten "Punch" vor den Kopf stoßen dürfte.
Wichtig zum Verständnis von Lansdales "Oeuvre" ist nicht zuletzt die Verwurzelung in seiner texanischen Heimat. Diesen erzählerischen Hintergrund umschreibt er selbst folgendermaßen:
"Texas is so wrapped up in myth and legend, it’s hard to know what the state and its people are really about (...) Real Texans, raised on these myths and legends, sometimes become legends themselves. The bottom line is, Texas and its people are pretty much what most people mean when they use the broader term ‘America.’ No state better represents the independent spirit, the can-do attitude of America, better than Texas."
(Zitiert nach "A Biography and Bibliographie of Champion Mojo Storyteller Joe R. Lansdale" auf der offiziellen Homepage des Autoren)
Lansdales "Mojo storytelling" führte übrigens zu einer ungeheuren Produktivität, die sich verschiedenste Ausdrucksformen zunutze machte (weshalb unsere "Bibliographie" hier auch nur einen Ausschnitt aus seinem gesamten Schaffen aufzeigen kann). So bewegt sich Lansdale genreübergreifend u.a. nicht nur in den Bereichen Krimi, Horror, Fantasy, Western und Abenteuerroman, sondern schrieb auch diverse Drehbücher, verfasste unzählige Graphic Novels mit und lässt seiner unbändigen Erzähllust nicht zuletzt in einer unübersichtlichen Zahl von Shortstorys und Anthologien freien Lauf.
Joe R. Lansdale lebt mit seiner Frau Karen, einer Schriftstellerin und Publizistin, und seinen Kindern in Nacogdoches, Texas. Privat betreibt er neben dem Schreiben übrigens noch einige Kampfsportschulen zur Kunst der Selbstverteidigung, nachdem er es in mehr als dreißig Jahren in verschiedenen Kampfsportarten zu wahrem Können und zur Meisterschaft brachte.
| Name: | Lansdale, Joe R. |
| Pseudonym: | Jack Buchanan, Brad Simmons und Ray Slater |
| Lebt in: | Nacogdoches, Texas |
| Nation: | USA |
| Lebensdaten: | * 28. Oktober 1951 |
| Links: | Joe R. Lansdales Homepage |
| Deutsche Verlagsseiten Golkonda Verlag |
"Jener Nachmittag war heißer als zwei rammelnde Ratten in einer Wollsocke. John McBride, eins neunundachtzig groß, neunundneunzig Kilo schwer, tollpatschig, mit dem Körperbau und Temperament eines wilden Ebers, setzte mit der Fähre vom texanischen Festland nach Galveston Island über, einen Revolver unter der Jacke und ein Rasiermesser im Schuh."
(Beginn von Joe R. Lansdales Novelle "Sturmwarnung", S. 9)
Serie um Hap Collins und Leonard Pine
- Savage Season
1990
Wilder Winter (Shayol Verlag: Berlin 2006) - Mucho Mojo
1994
Texas Blues (Rowohlt Verlag: Reinbek b. Hamburg 1996) - The Two-Bear Mambo
1995
Mambo mit zwei Bären (Rowohlt 1997) - Bad Chili
1997
Schlechtes Chili (DuMont Verlag: Köln 2000) - Rumble Tumble
1998
Rumble Tumble (Shayol 2007) - Captains Outrageous
2001
Noch nicht auf Deutsch erschienen. - Vanilla Ride
2009
Noch nicht auf Deutsch erschienen. - A Hap and Leonard Novella
2011
Veröffentlichung im englischsprachigen Original angekündigt vom Verlag Subterranean Press für 2011. - Devil Red
2011 - Veröffentlichung im englischsprachigen Original angekündigt vom Verlag Alfred A. Knopf für 2011.
- Devil Red
- Blue to the Bone
???? - Von Lansdale geplantes und bereits angekündigtes Romanprojekt, allerdings terminiert mit den Worten: "not due out until some time into the next decade".
- Blue to the Bone
Stone M.I.A. Hunter-Serie
Unter dem Pseudonym Jack Buchanan:
- Hanoi Deathgrip
1985
Nicht auf Deutsch erschienen. - Mountain Massacre
1985
Nicht auf Deutsch erschienen. - Saigon Slaughter
1987
Nicht auf Deutsch erschienen.
Drive-In-Trilogie
- The Drive-In. A B-Movie with Blood and Popcorn, Made in Texas
1988
Drive-in (Maas Verlag: Berlin 1997. - Die deutsche Ausgabe enthält die ersten beiden Teile der Trilogie.) - The Drive-In 2. Not Just One of Them Sequels
1989
Drive-in (Maas 1997. - Die deutsche Ausgabe enthält die ersten beiden Teile der Trilogie.) - The Drive-In 3. The Bus Tour
2005
Nicht auf Deutsch erschienen.
Andere Kriminalromane
- Act of Love
1981
Akt der Liebe (Maas Verlag: Berlin 1999)
Überarbeitete Neuausgabe: Heyne Verlag, München 2010 - The Nightrunners
1987
Nightrunners (Rowohlt 1998) - Cold in July
1989
Kalt brennt die Sonne über Texas (Rowohlt 1997) - Freezer Burn
1999
Noch nicht auf Deutsch erschienen. - Lost Echoes
2007
Noch nicht auf Deutsch erschienen. - Leather Maiden
2008 - Gauklersommer (Golkonda 2011)
Texas 1900-1958 (historische Kriminalromane)
- The Boar
1998
Der Teufelskeiler (Shayol 2008) - The Bottoms
2000
Die Wälder am Fluss (DuMont 2004) - The Big Blow
2000
Sturmwarnung (Shayol 2008) - Sunset and Sawdust
2004
Kahlschlag (Golkonda Verlag: Berlin 2010)
Siehe auch unsere TV-Kritik zu "Kahlschlag". - A Fine Dark Line
2003 - Ein feiner dunkler Riss (Golkonda: Berlin 2012)
Anthologien / Erzählbände (Auswahl seit 2000)
- High Cotton. Selected Stories of Joe R. Lansdale
2000 - For a Few Stories More
2002 - Bumper Crop
2004 - The Mad Dog Summer and Other Stories
2004 - The King and Other Stories
2005 - The God of the Razor
2007
Der Gott der Klinge (Heyne 2008) - Sanctified and Chicken-Fried
2009 - The Best of Joe R. Lansdale
2010 - Crucified Dreams
2011
Angekündigt vom Verlag Tachyon Publications für März 2011.
Western & Abenteuerromane
- Unter dem Pseudonym Ray Slater: Texas Night Riders (Western)
1983
- The Magic Wagon
1986
Reverend Jedidiah Mercer:
- Dead in the West
1986 - Deadman's Road
2010
(Sammelband mit dem Roman Dead in the West und vier bis dahin unveröffentlichten Stories um Reverend Jedidiah Mercer.)
Ned the Seal-Abenteuer: - Zeppelins West
2001 - Flaming London
2005 - The Sky Done Ripped
????
Vom Autor angekündigt. Veröffentlichungsdatum noch unbekannt.
Fantasy & Science Fiction
- Batman: Captured by the Engines
1991
Batman - Tanz in den Tod (Goldmann Verlag: München 1992) - Batman: Terror on the High Skies
1992 - Bubba Ho-Tep (zusammen mit Don Coscarelli)
2004
Noch nicht auf Deutsch erschienen. - Under the Warrior Star
2010
Noch nicht auf Deutsch erschienen.
Kinder- und Jugendbücher
- My Dead Dog Bobby
1994
Anmerkungen:
- Die drei Romane aus der Stone M.I.A. Hunter-Heftreihe, die Lansdale unter dem Pseudonym Jack Buchanan und wahrscheinlich mit dem Ko-Autor Stephen Mertz zu Papier brachte, umfasste insgesamt knapp ein Dutzend Folgen. (Die Heftreihe handelt von einem Soldaten, der in Vietnam gefangene GI's befreit, was mithin an den Sylvester-Stallone-Film "Rambo" von 1982 erinnert.) Die anderen Teile der Serie wurden oft ebenfalls Lansdale oder seiner Gesamtverantwortung zugeschrieben, was aber in einer kurzen Gegendarstellung auf seiner offiziellen Homepage entschieden bestritten wird.
- Wem die Bücher von Joe R. Lansdale gefallen, dem empfehlen wir u.a. auch folgende Krimiautoren zur weiteren Lektüre: Rick De Marinis, Jim Nisbet, Andrew Vachss und Charles Willeford.
- In eigener Sache, zum Ersten: Joe R. Lansdale wäre bei uns in der Hammett Krimibuchhandlung jederzeit ein gerne gesehener Gast - wenn er denn nur einmal in Europa bzw. in Berlin weilen würde. Dennoch präsentierten wir zusammen mit der Otherland Buchhandlung (vormals UFO Phantastische Buchhandlung) eine Buchpremiere zu seiner Novelle Sturmwarnung. Die Lesung mit dem Stimmkünstler und Vorleser Simon Weinert fand am 18. November 2005 in unserer benachbarten Kreuzberger UFO Buchhandlung statt.
- In eigener Sache, zum Zweiten: Joe R. Lansdales Roman Kahlschlag gefiel uns so gut, dass wir ihn zum "Hammett"-Krimi des Monats November 2010 wählten.
Auszeichnungen:
- 1988
Bram Stoker Award/Best Short Fiction für Night They Missed the Horror Show - 1989
Bram Stoker Award/Best Long Fiction für On the Far Side of the Cadillac Desert With Dead Folks - 1990
British Fantasy Award/Beste Kurzgeschichte für On the Far Side of the Cadillac Desert With Dead Folks - 1991
Bram Stoker Award/Best Short Fiction für Love Doll: A Fable - 1992
Bram Stoker Award/Best Long Fiction für The Events Concerning a Nude Fold-Out Found in a Harlequin Romance - 1993
Bram Stoker Award/Best Alternative Forms für Jonah Hex: Two-Gun Mojo - 1997
Bram Stoker Award/Best Long Fiction für The Big Blow - 1997
Bram Stoker Award/Best Long Fiction für Mad Dog Summer - 2001
Edgar Allan Poe Award für The Bottoms
Sekundärliteratur/-werke:
- Andreas Gruber: Joe R. Lansdale – Synthese aus ironischer Gesellschaftskritik und Splatterpunk
1998
In: Quarber Merkur 87, Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift für Science Fiction und Phantastik, Passau 1998. - Andrew Vachss: Vorwort sowie Joe R. Lansdale: Persönliches Nachwort zu dem Roman "Akt der Liebe"
1999
(In: Joe R. Lansdale, Akt der Liebe. Maas Verlag (Pulp Master): Berlin 1999. S. 5-9 sowie S. 233-244.) - Martin Compart: Der Mann aus Texas
2000
(Nachwort in: Joe R. Lansdale, Schlechtes Chili. DuMont Verlag: Köln 200. S. 318-326.) - Jochen Schmidt: Die Klassiker und ihre Erben, Abschnitt k) Texas
2009
(In: Jochen Schmidt: Gangster, Opfer, Detektive. KBV: Hillesheim 2009. Kapitel II., S. 207-213.)
Quellenangaben:
Deutsche Nationalbibliothek; Library of Congress; Joe R. Lansdales offzielle Website; Kaliber .38; Wikipedia; Golkonda Verlag; Heyne Verlag.
Diese Seite wurde am 12. November 2010 erstellt. Letzte Prüfung und Aktualisierung dieser Seite am 14. März 2012.
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