Heinrich Steinfest

Steinfest Heinrich Steinfest (Foto: Copyright © Bernhard Adam; mit freundlicher Erlaubnis des Piper Verlags)

Heinrich Steinfest wurde 1961 im australischen Albury geboren. Wien, Stuttgart – das sind die wenigen weiteren Lebensstationen des erklärten Nesthockers und preisgekrönten Kriminalautors Heinrich Steinfest, welcher nicht zuletzt den legendären einarmigen Detektiv Cheng erfand.
Heinrich Steinfest lebte und arbeitete in seinen jungen Jahren als freischaffender Künstler in Wien, bis er Ende der 90er Jahre nach Stuttgart zog. Als Literat trat er erst im Laufe der 90er Jahre an die Öffentlichkeit. Seine ersten Veröffentlichungen waren so zunächst eine Reihe von meist utopischen oder SF-Erzählungen. Dann folgte schließlich bald mit Das Ein-Mann-Komplott 1996 sein erster Kriminalroman.

Begonnen hat Heinrich Steinfest jedoch als bildnerischer und theaterschaffender Künstler. So stellte er zum Beispiel seine experimentelle Theaterarbeit schon seit 1982 mit dem Kunstverein "up-art" in Wien, Hamburg und Kiel aus.

Nun zeitigte sein Krimischaffen seit Mitte der 90er Jahre und mit der Zeit langsam Folgen: Der überaus produktive und einfallsreiche Autor wurde nach einigen Jahren des subversiven literarischen Schattendaseins für seine schrägen Krimis seit 2004 (begonnen mit seinem Roman Ein sturer Hund) gleich mehrfach mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet. 2010 erhielt er überdies den Stuttgarter Krimipreis und den überaus renommierten Heimito-von-Doderer-Preis.

Steinfest findet deshalb inzwischen auch schon längst außerhalb der Grenzen der Kriminalliteratur Anerkennung. So schaffte er es 2006 mit seinem Roman Ein dickes Fell auf die Nominierungsliste für den Deutschen Buchpreis.

Heute lebt Heinrich Steinfest als Maler und Schriftsteller hauptsächlich in Stuttgart, wo er sich auch aktiv in die aktuellen politischen Auseinandersetzungen um das Großprojekt "Stuttgart 21" eingeschaltet hat. Schon früher schrieb er u.a. die Glossen steinfests stuttgarturen für die Stuttgarter Zeitung und setzte sich intensiv mit seiner süddeutschen Heimatstadt auseinander.
In punkto "Stuttgart 21" sieht er sich sowohl als Interpret des Projekts als auch der Bürgerbewegung. Ganz besonders faszinieren ihn die soziologischen Dimensionen des Vorhabens. Das alles hat er in seinem zuletzt erschienenen Roman Wo die Löwen weinen literarisch verarbeitet, über den er selbst sagt:

"Dies ist ein Roman über das Vorhaben, eine Stadt zu ermorden. Nie erschien mir die Form des Kriminalromans passender, zwingender, befreiender."

Zuletzt erschienen in kurzen Abständen seine Gebrauchsanweisung für Österreich sowie die Romane Batmans Schönheit und Wo die Löwen weinen. Und Anfang September 2011 soll übrigens unter dem Titel Die Haischwimmerin ein neuer Fall der Wiener Meisterpolizistin Lilli Steinbeck herauskommen. Und dann wird es mal wieder ganz ordentlich "steinfesten" ...

 

Name: Steinfest, Heinrich
Lebt in: Stuttgart
Nation: Österreich
Lebensdaten: * 10.04.1961 in Albury
Links: Heinrich Steinfest beim Piper Verlag
  Homepage zu Heinrich Steinfests Roman "Wo die Löwen weinen"

"Die Kunst des Schwindelns war eine allgemeine, praktiziert von jedermann, so wie auch jedermann die Kunst des Schwindelns vom Verbrechen der Lüge strikt trennte. Gutes Schwindeln galt ja nicht mal als Halblüge, sondern als kluge Kommunikationsform, die Wahrheit hingegen als dumpf.
Die guten Schwindler verachteten die Lügner gleichermaßen wie die, die sich etwas aus der Wahrheit machten, denen, wie es hieß, auch noch der kreative Geist fehlte. Ein strenger Kritiker hätte jetzt den Projektbetreibern vorwerfen können, beim Fälschen der Zahlen, bei der Manipulation der Expertisen und gerichtlichen Entscheide sowie der Vertuschung der wirklichen Interessen ohne jene Virtuosität vorgegangen sein, die einen guten Schwindler auszeichnet. Ebenso übrigens wie die Gabe des guten Schwindlers, die Geschichte, die man anderen auftischt, präzise im Kopf zu behalten und nicht im Zuge ständig neuer Auftischungen in Widersprüche zu geraten, als hätte man gleichsam zwei Frauen die Ehe versprochen, zudem Frauen, die sich kennen. Dank derartiger Ungeschicklichkeit wird der Schwindler zum schlechten Schwindler, schlimmer noch, zum Lügner und verliert den Respekt."
(Heinrich Steinfest: Wo die Löwen weinen, S. 84)

 

Markus-Cheng-Reihe:

  1. Cheng - rabenschwarzer Roman um einen Wiener Chinesen
    1999
    (Bastei-Lübbe Verlag: Bergisch Gladbach 1999)
    Leicht überarbeitete Neuausgabe u.d.T. Cheng - Sein erster Fall (Piper Verlag: München 2007)
  2. Ein sturer Hund
    2003
    (Piper 2003)
  3. Ein dickes Fell
    2006
    (Piper 2006)
  4. Batmans Schönheit. Chengs letzter Fall
    2010
    (Piper 2010)

"Reihe" um den Wiener Chefinspektor Richard Lukastik:

  1. Nervöse Fische
    2004
    (Piper 2004)
  2. Mariaschwarz
    2008
    (Piper 2003)

"Reihe" um die Wiener Polizeiexpertin Lilli Steinbeck:

  1. To(r)tengräber
    2000
    (Bastei-Lübbe 2000)
    Neuausgabe u.d.T. Tortengräber (Piper 2007)
  2. Die feine Nase der Lilli Steinbeck
    2007
    (Piper 2007)
  3. Die Haischwimmerin
    2011
    (Piper 2011)

"Reihe" um den Stuttgarter/Münchener Kommissar Rosenblüt:

  1. Ein sturer Hund
    2003
    (Piper 2003)
  2. Wo die Löwen weinen
    2011
    (Theiss Verlag: Stuttgart 2011)

    Siehe auch unsere TV-Kritik zu "Wo die Löwen weinen".

Andere Kriminalromane:

  1. Das Ein-Mann-Komplott
    1996
    (Aarachne Verlag: Wien 1996)
  2. Der Nachmittag des Pornographen
    1997
    (Aarachne 1997)
  3. Der Mann, der den Flug der Kugel kreuzte
    2001
    (Bastei-Lübbe 2001)
  4. Der Umfang der Hölle
    2005
    (Piper 2005)
  5. Gewitter über Pluto
    2009
    (Piper 2009)

 

Kriminalerzählungen (Beiträge zu Anthologien):

  1. Kein Verbrechen in Hamm
    2006
    (In: H.P. Karr / Herbert Knorr (Hrsg.), Mord am Hellweg III. Grafit Verlag: Dortmund 2006, S. 314-328.)
  2. Mona
    2010
    (In: Andrea Maria Schenkel (Hrsg.), Weißer Schnee, rotes Blut. Ullstein Verlag: Berlin 2010, S. 198-221.)

Andere Bücher:

  1. Brunswiks Lösung: von Engeln, Nachtwächtern und anderen Sterblichen (Erzählung)
    1995
    (edition sisyphos: Köln 1995)
  2. Gebrauchsanweisung für Österreich (Sachbuch)
    2009
    (Piper 2008)

Andere Beiträge zur Literatur:

  1. Randzeichnungen. Nebenwege des Schreibens
    2010
    (In: Marburger Magazine MM 129. Mit einem Vorwort von Ulrich Raulff. 104 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen. Deutsche Schillergesellschaft: Marbach am Neckar 2010.)

Sekundärliteratur/-werke (Auswahl):

  • Jörg von Bilavsky: der Charme des Morbiden. Der österreichische Krimi folgt ganz eigenen, oft undurchschaubaren Gesetzen
    2008
    (In: Christina Bacher, Ulrich Noller und Dieter Paul Rudolph (Hrsg.): Krimijahrbuch 2008. NordPark Verlag: Wuppertal 2008, S. 30-34.)
  • Jochen Schmidt: Der Umfang der Hölle. Ernst Hinterberger, Wolf Haas, Kurt Lanthaler, Alfred Komarek, Heinrich Steinfest und der Krimi in Österreich
    2009
    (In: Jochen Schmidt: Gangster, Opfer, Detektive. KBV: Hillesheim 2009, S. 1056-1072, insb. S. 1065-1072.)
  • Dennis Scheck im Interview mit Heinrich Steinfest: Heinrich Steinfest: Batmans Schönheit - Der Schriftsteller Heinrich Steinfest, "Stuttgart 21" und sein neuer Roman "Batmans Schönheit"
    2010
    In: Druckfrisch vom 28.11.2010 auf ARD. Länge des Beitrags: 6:50 Minuten.

Anmerkungen:

  • Die Bücher Steinfests wurden bisher ins Französische und Polnische übersetzt. In Frankreich erschien er bei den Editions Phébus und dem Verlag Carnets Nord in Paris. In Polen erschien bei dem Verlag Wydawn. W.A.B. im März 2010 unter dem Titel "Subtelny nos Lilli Steinbeck" eines schöne Ausgabe zu Die feine Nase der Lilli Steinbeck.
  • Wem die Bücher von Heinrich Steinfest gefallen, dem empfehlen wir u.a. auch folgende Krimiautoren zur weiteren Lektüre: Wolf Haas, Linus Reichlin, Stefan Slupetzky und Fred Vargas.
  • In eigener Sache: Heinrich Steinfests Roman Wo die Löwen weinen gefiel uns so sehr, dass wir ihn zum ersten "Hammett"-Krimi des Monats März 2011 wählten.
  • Heinrich Steinfest ist bei der Hammett Krimibuchhandlung in Berlin ein immer gerne gesehener Gast: Am 17. März 2011 stellte er so mit uns seinen Roman Wo die Löwen weinen vor. Die Lesung fand im Festsaal des Kreuzberger Restaurant-Cafés "Max & Moritz" statt.

Auszeichnungen:

  • 1999
    6. Würth-Literatur-Preis (gemeinsam mit Marcus Hammerschmitt und Irmgard Hierdeis)
  • 2000
    Literaturstipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg
  • 2010
    Stuttgarter Krimipreis für Gewitter über Pluto
  • 2010
    Heimito von Doderer-Literaturpreis (gemeinsam mit Anna Katharina Hahn)

Quellenangaben:

Deutsche Nationalbibliothek; Piper Verlag, Lexikon der deutschen Krimiautoren, Wikipedia.

 

Diese Seite wurde am 10. Juni 2011 erstellt. Die letzte Prüfung und Aktualisierung dieser Seite fand am 27. September 2011.

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