Malcolm Pryce

Pryce Malcolm Pryce (Foto: Copyright © David Mitchell; mit freundlicher Erlaubnis des Golkonda Verlags)

Malcolm Pryce, der im englischen Shrewsbury geboren und aufgewachsen ist, zog mit seiner Familie im Alter von neun Jahren nach Aberystwyth. Dort in der walisischen Provinz verbrachte er auch seine Schul- und Studienzeit, bevor es ihn dann "in die große, weite Welt" hinauszog.

Seine darauffolgenden Reisen finanzierte er sich mit vielen unterschiedlichen Gelegenheitsjobs, so war er u.a. Fließbandarbeiter bei dem deutschen Automobilhersteller BMW, arbeitete mitunter auch als Tellerwäscher, schlug in den 80er Jahren eine kurze Karriere als "der Welt schlechtester" Aluminiumverkäufer ein, verdingte sich sogar am anderen Ende der Welt als Matrose auf einer Yacht in Polynesien und fand dann schließlich zu auskömmlicheren Jobs als Werbetexter bei angesehenen Agenturen in London und Singapur.

Pryces Stil erinnert ein wenig an Raymond Chandler, allerdings mit dem einen entscheidenden Unterschied, dass er seine Geschichten aus den schlimmsten Vierteln von Los Angeles in die verregneten Straßen eines irren Paralleluniversums in der walisischen Universitätsstadt und dem Seebad Aberystwyth verlegt.

Der Held von Pryces aberwitziger Aberystwyth-Serie ist Louie Knight, sowohl der beste als auch der einzige Privatdetektiv in Aberystwyth. Aber Aberystwyth ist nicht das Aberystwyth der Gegenwart, sondern das einer fiktiven Zeit in einer unmittelbaren Zukunft - und vor allem nach "der großen Flut". Hier kämpft er gegen die organisierte Kriminalität der örtlichen Druiden und verwickelt sich in eine ganze Reihe von weiteren seltsamen Kriminalfällen.

Im Hier und Jetzt lebt Malcolm Pryce derzeit in Oxford/England, wo er an der Oxford University und am Exeter College, Oxford, regelmäßig in literarischen Schreibkursen unterrichtet. Die konservative Londoner Sonntagszeitung "Sunday Telegraph" nannte Pryce übrigens einmal den "König des walisischen Noir", - was mindestens ebenso ironisch wirkt wie Pryces anspielungsreiches, vielschichtiges und über konservative Vorstellungen hinausreichendes Werk. Pressestimmen lügen nicht? - Der linke "Guardian" befand demgegenüber etwas sachlicher: "[Malcolm Pryce] verbindet Monty Pythons Sinn fürs Absurde mit sicherem Gespür für die vertrackte Welt des Noir."

In Deutschand erscheint Malcolm Pryce übrigens beim Shayol und (in Nachfolge) beim Golkonda Verlag, der immer wieder ein erstaunliches Gespür für besondere und mithin auch besonders gute Kriminalliteratur an den Tag legt.

Name: Pryce, Malcolm
Lebt in: Oxford
Nation: Großbritannien
Lebensdaten: * 1960 in Shrewsbury, England
Links: Homepage von Malcolm Pryce
  Deutsche Verlagsseiten von Malcolm Pryce

Das Spinnrad, an dem Dornröschen sich in den Finger stach, kam etwa in der Mitte des 17. Jahrhunderts nach Aberystwyth. Sein richtiger Name lautet "Sächsisches Rad", aber niemand nennt es je so. Es besteht aus vier Teilen: dem Rad, der Spindel, dem Spinnrocken und dem Fußpedal bzw. der Tretkurbel. Diese Geschichte handelt von der Tretkurbel. Oder, genauer gesagt, von den Horden armseliger Mädchen, die sie in den Jahren nach der großen Flut traten. Die Mädchen kamen überwiegend von den Bauernhöfen jenseits von Talybont; Glückssuchende, die zwar einen Webstuhl nicht von einem Besen unterscheiden konnten, den Lichtern von Aberystwyth jedoch entgegenströmten in der Hoffnung, als Modell für die Deckel der Keramikkonfektschachteln, die man an die Touristen verkaufte, groß herauszukommen. Sie wurden Tretkurbel-Flittchen genann, aber in der Regel kamen sie nie auch nur in die Nähe einer Tretkurbel, sondern boten ihre jungen, festen Körper in den Speakeasys der Druiden auf der Harbour Row feil.
Sie werden wenig Zauberhaftes an dieser Geschichte finden. Und da sie im Schatten der Burg von Aberystwyth spielt - und nicht jener, die Christian Andersen beschrieben hat -, gibt es auch keine heldenhaften Retter. Nur mich, Louie Knight, Aberystwyth' einzigen Privatdetektiv und mehr Frosch als Prinz. Nur wenige, die in dieser Geschichte vorkommen, lebten hinterher glücklich weiter. Aber immerhin
überlebte die Hälfte von ihnen, und das war für die Stadt in jenen Tagen schon ein guter Durchschnitt ...

(Zitiert aus: Malcolm Pryce, Aberystwyth Mon Amour. Shayol Verlag 2006. "Vorwort" zum Roman und zur Aberystwyth-Serie, S. 6)

Serie um den walisischen Privatdetektiv Louie Knight (Aberystwyth-Reihe)

  1. Aberystwyth Mon Amour
    2001
    Aberystwyth Mon Amour (Shayol Verlag: Berlin 2006)
  2. Last Tango in Aberystwyth
    2003
    Der letzte Tango in Aberystwyth (Shayol 2009)
  3. The Unbearable Lightness of Being in Aberystwyth
    2005
    Noch nicht auf Deutsch erschienen.
  4. Don't Cry for Me Aberystwyth
    2007
    Noch nicht auf Deutsch erschienen.
  5. From Aberystwyth with Love
    2009
    Noch nicht auf Deutsch erschienen.
  6. The Day Aberystwyth Stood Still
    2011
    Noch nicht erschienen. Laut Autor und seinem Verlag Bloomsbury angekündigt für August 2011.

Anmerkungen:

  • Wem die Bücher von Malcolm Pryce gefallen, dem empfehlen wir u.a. auch folgende Krimiautoren zur weiteren Lektüre: Jasper Fforde, Charlie Huston und Paul Johnston.

Sekundärliteratur/-werke:

  • Ludger Menke: Rezension Malcolm Pryce, Aberystwyth Mon Amour
    2007
    (In: Christina Bacher, Ludger Menke u.a. (Hrsg.): Krimijahrbuch 2007. NordPark Verlag: Wuppertal 2007. S. 119-120.)

Quellenangaben:

Deutsche Nationalbibliothek; Malcolm Pryces offizielle Website; Louie Knight-Website; Englischsprachiges Wikipedia; Golkonda Verlag.

Diese Seite wurde am 21. Januar 2011 erstellt. Letzte Prüfung und Aktualisierung dieser Seite am 29. Januar 2011.

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