![]() |
Cook, Thomas H. Das Gift des ZweifelsOriginaltitel: Red Leaves (Harcourt: New York 2005)
Status: Vergriffen Preis: 7.95 EUR Unsere Meinung:„Und das ist doch etwas Gutes, oder?“
„Was ist etwas Gutes?“, fragte Meredith. „So zu sein, wie ich scheine“, war meine Antwort. „Sonst hättest du vielleicht Angst vor mir.“ „Angst?“ „Dass ich plötzlich jemand anderes werde. Ein Mörder. So ein Mann, der eines Tages von der Arbeit heimkommt und seine ganze Familie in Stücke hackt.“ Meredith schien beunruhigt. „Sag so etwas nicht, Eric.“ (Thomas H. Cook, Das Gift des Zweifels, S. 37) Eric Moore besitzt in einer amerikanischen Kleinstadt einen Fotoladen mit einem Angestellten. Eric hat auch eine Familie: Mit seiner Frau Meredith und seinem 15jährigen Sohn Keith führt er nach außen hin betrachtet ein glückliches Leben – und wenn man so will: ein Bilderbuchleben. Doch dann bricht das völlig Unerwartete in das Leben der Familie Moore ein: Keith war von der Nachbarsfamilie Giordano wie schon oft zuvor gebeten worden, auf deren Tochter Amy aufzupassen. Doch dieses Mal ist Amy am nächsten Morgen spurlos verschwunden. Sowohl die Moores als auch die Giordanos sind zunächst einmal ratlos und verzweifelt. Doch je länger Amy verschwunden bleibt, umso mehr gerät Keith in Verdacht, Amy etwas angetan zu haben. Selbst Eric als Vater weiß ab einem bestimmten Punkt nicht mehr, ob er seinem Sohn trauen soll oder kann. „Im Laufe des Vormittags hatte sich in mir die irrationale Hoffnung breitgemacht, dass sich alles in Wohlgefallen auflösen würde. Zu dieser Hoffnung berechtigte eigentlich nichts, und das brachte mich zu der Auffassung, dass wir Menschen nicht viel mehr sind als Maschinen, die dazu gemacht sind, im Angesicht des drohenden Endes Hoffnung zu erzeugen. Wir hoffen auf Frieden, während ringsum Bomben explodieren. Wir hoffen, dass der Tumor nicht weiterwächst und dass unsere Gebete nicht ungehört im leeren Raum verhallen. Wir hoffen, dass die Liebe niemals endet und dass aus unseren Kindern einmal etwas Rechtes wird. Und wenn unser Auto über die Klippe schießt, hoffen wir noch im freien Fall, dass wir auf weichen Kissen landen. Und kommt dann wirklich das Ende, hoffen wir auf einen schmerzfreien Tod und eine glorreiche Auferstehung.“ (Thomas H. Cook, Das Gift des Zweifels, S. 137) Wiederholt wurden wir im „Hammett“ von Kunden auf den amerikanischen Autoren Thomas H. Cook hingewiesen (nicht zu verwechseln u.a. mit Robin Cook). Die deutsche Erstausgabe von „Das Gift des Zweifels“ nahmen wir dann schließlich zum Anlaß, uns diesen Autoren einmal vorzuknüpfen, der 1997 mit „The Chatham School Affair“ bereits immerhin den renommierten Edgar Allan Poe Award gewonnen hatte. Und der Blick auf „Red Leaves“, wie der Roman im amerikanischen Original betitelt ist, hat sich durchaus gelohnt. Selten habe ich in so einfacher wie bedrückender Folgerichtigkeit die Zerstörung und den Zerfall von menschlichen Beziehungen beschrieben gesehen. - Die Moores sind einem ungeheuren Verdacht ausgesetzt: Ihr halbwüchsiger Sohn soll einem kleinen Mädchen etwas angetan haben, es entführt, womöglich vergewaltigt oder sogar ermordet haben. Zuerst ist die Familie nur verunsichert, doch je länger das Mädchen verschwunden bleibt, um so mehr Bedenken kommen auf, um so mehr Zweifel sind gestreut und um so verletzendere Fragen werden gestellt. Aus Ratlosigkeit wird Mißtrauen, aus Misstrauen und Ungewissheiten erwachsen schockierende Verdachtsmomente - und die verheerenden Wirkungen dieses sich langsam vergiftenden Klimas lassen dann auch nicht lange auf sich warten. Ohne jeglichen Zynismus oder obszöne Anwandlungen spielt Cook hier mit den Erwartungen der Leser/innen und den bedrückenden Fragen: Wurde Amy Opfer eine Entführung? Eines sexuellen Missbrauchs mit Todesfolge? Oder ist sie vielleicht einfach nur von ihrer Familie ausgerissen? (Was mithin wenig wahrscheinlich erscheint, aber wer weiß das schon in einer solchen Situation?) „Zum ersten Mal seit Jahren fürchtete ich, unter einer drückenden Last zusammenzubrechen. Ich sehnte mich danach, die Bürde mit einem anderen Menschen zu teilen. In einer solchen Stunde, so schien mir, musste sich der volle Wert der Ehe zeigen. Ich hatte bei vielen Witzen über die Ehe mitgelacht. Und war das hohe Ziel, das sich mit der Ehe verband, nicht angreifbar? Die Idee, sein ganzes Leben mit einem anderen Menschen zu teilen, und die Erwartung, dieser andere, ob Mann oder Frau, würde die unterschiedlichsten Bedürfnisse, die leidenschaftlichen und die alltäglichen, rückhaltlos erfüllen. Das schien absurd. Wie sollte das funktionieren?“ (Thomas H. Cook, Das Gift des Zweifels, S. 263) Beinahe „virtuos“ zeichnet Thomas H. Cook hier auf, wie sich Menschen in kritischen Lebenssituationen verhalten: Einerseits befragt man unmittelbare Gegenwart nach Hintergründen, und nichts erscheint mehr so wie es sich zuvor darstellte. Zwangsläufig blickt man weiter zurück in die Vergangenheit und fragt nach möglichen Ursachen - und ist da u.a. erstaunt über sein eigenes Bild von früheren Ereignissen, bis hin zur eigenen Kindheit und Jugend. Andererseits und zunehmend ängstigt man sich in solchen Lebenskrisen schließlich vor dem, was die nähere Zukunft noch alles zutage fördern wird. Genauso konsequent zeigt Cook auf, wie solche „Gedankenspiele“ durch das gnadenlose Zusammenspiel von Missverständnissen, Misstrauen und dem schleichenden „Gift des Zweifels“ in Tragödien enden können. Streckenweise fühlte ich mich dabei an Sam Mendes’ Film „American Beauty“ (1999) erinnert, wobei dort allerdings stärker gesellschaftskritische Untertöne bezogen auf die amerikanische Mittelschicht anklingen. Cook konzentriert sich dagegen mit der eindringlichen Beschreibung menschlicher Schwächen und Unzulänglichkeiten auf Existenzielles und trifft damit unwillkürlich die „bedeutenden“ Momente unseres Alltagslebens – und mit diesem perfiden Angriff auf unser Selbstverständnis mit all seinen Befindlichkeiten, Unaufmerksamkeiten und seiner Ignoranz ist es ihm dann auch tatsächlich gelungen, einen packenden Psychothriller mit ernsthaften gedanklichen Nebenwirkungen zu gestalten. - - - Fazit: Wer Psychothriller mit Tiefgang schätzt, wird hier auf höchstem Niveau bedient. „Red Leaves“/„Das Gift des Zweifels“ sei Ihnen in diesem kalten Herbst damit wärmstens ans Herz gelegt! [ hs/19.11.2007 ]
|
Krimi-Specials
Warenkorb:
-
Lieferzeiten
-
Wochentags:
Bis 18:00 Uhr bestellte Bücher sind am folgenden Morgen versandfertig und verlassen dann die Buchhandlung.
Wochenende:
Bücher die zwischen Freitag (nach 18:00 Uhr) und Sonntag bestellt werden, sind erst Dienstagmorgen versandfertig und verlassen die Buchhandlung. Ausnahme: Die Bücher sind im Hammett vorhanden.
-
Wochentags:
-
Angekündigte Bücher
- Diese Titel können Sie jetzt schon normal über unsere Warenkorbfunktion bestellen. Sobald das Buch erhältlich ist, erhalten Sie von uns nochmal eine E-Mail, daß Ihre Ware versandfertig ist.
-
Versandkosten
-

Der Versand von neuen Büchern innerhalb Deutschlands ist für Sie bei uns versandkostenfrei.
-


