Titel: In der Mitte der Nacht. Ein Geständnis

Cox, Michael In der Mitte der Nacht. Ein Geständnis

Originaltitel: "The Meaning of the Night. A Confession" (John Murray: London 2006)
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann

London 1854. Was treibt einen gebildeten jungen Mann dazu, einen Mord zu begehen? Edward Glyver kann nicht erkennen, dass er mit dieser Tat Schuld auf sich lädt. Zu sehr ist er gefangen von dem glühenden Wunsch, grausame Rache zu üben an dem Mann, der sein bester Freund war und nun sein erbittertster Feind ist: Phoebus Daunt. Alles scheint ihm dieser Mann zu nehmen: den Glauben an Freundschaft, die Frau, die er liebt, und das Erbe. Es beginnt der mörderische Wettlauf zweier Männer, die sich in ihrer Brillanz und Gerissenheit, in ihrer Sensibilität und Hybris auf geradezu unheimliche Weise ähnlich sind. Und Edward will siegen, ganz gleich, was es ihn kostet.

Autor: Cox, Michael
Titel: In der Mitte der Nacht. Ein Geständnis
Jahr: 2007-12
Seiten: 751 | Taschenbuch
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-63728-9
Preis: 9.95 EUR

Status: Vergriffen

Preis: 9.95 EUR

Unsere Meinung:

Es geschieht selten, dass ich in ein Buch mehrere hundert Seiten hineinlese, um es dann "unerledigt" liegen zu lassen. Bei Michael Cox’ historischem Roman "In der Mitte der Nacht" ist mir aber genau das passiert. Und noch mehr: Ich schlummerte über der Lektüre doch tatsächlich zweimal `mitten in der Nacht´ hinweg.
Das ganze Buch kommt schon von Anfang an als "opus magnum" daher und erzählt im düster-(selbst)gefälligen Ton die Lebensgeschichte des Edward Glyver im frühen viktorianischen England um 1850. Doch bis man sich überhaupt zum tatsächlichen Beginn des Romans und der zynischen Lebensbeichte eines Mörders vorgekämpft hat, gibt es auf geschlagenen 21 Seiten (!) zunächst mehrere editorische Notizen des fiktiven Ich-Erzählers zu überwinden:
Es beginnt mit einer Widmung des Autoren, gefolgt von einem Vorwort eines fiktiven Herausgebers, einem Inhaltsverzeichnis, gleich mehreren Epitaphen bzw. Aphorismen, worauf sich dann noch eine weitere Widmung des Erzählers an "meinen unbekannten Leser" mit einem Motto und schließlich einem Kapitelvorsatz mit weiterem Motto anschließen.
Hat man diesen Bombast und fragwürdigen Budenzauber überwunden, begegnet man den Ausführungen eines zynischen und arroganten Ich-Erzählers, der sich vom Leben als zutiefst benachteiligt empfindet. Edward Glyver selbst erzählt uns in der Folge mit fragwürdiger Moral von den Bemühungen, die große Rache an seinem ehemals besten Freund und späteren Intimfeind zu planen. So wird Edward Glyver u. a. und aus Versuchsgründen zum Mörder an einem ihm völlig unbekannten Menschen. Doch welchem ungeheuerlichen Antrieb folgen sein Denken und Handeln? - In der Folge lässt er uns konsequenterweise an seiner Lebensgeschichte teilhaben, um von den genauen Hintergründen und den Ereignissen bis zum Tag der großen Abrechnung zu berichten . . .

(. . .) (. . .) (. . .)

Zeitweise war ich von der eigenwilligen Haltung des Erzählers und dem epischen Versprechen des Autors durchaus angetan, doch dann bekam ich - spätestens auf Seite 240 von insgesamt 752 Seiten - sein recht schwerfällige Gehabe doch satt. Und als ich über die dreihundertste Seite dieses düsteren "Bildungsromans" hinweggelesen hatte, erschien mir die weit- und umschweifige Geschichte des Edward Glyver nur noch in ihrer ganzen offensichtlichen Langeweile. In diesem gähnenden Zustand der Lektüre konnten mich dann selbst die zahlreichen feinen Anspielungen auf Motive der Weltliteratur (so z.B. auf Dickens' "David Copperfield") nicht mehr dazu bewegen, mit dem Lesen fortzufahren.
Dabei schafft es Michael Cox zweifellos, einigermaßen stilsicher klassische Kriminalromane und ihre klassischen Motive ("perfekter Mord", "Beichte eines Mörders") nachzuahmen. Nicht zuletzt die Hoffnung auf spannende Einblicke in die Täterperspektive hatten mich ja bis dahin wachgehalten. Doch "In der Mitte der Nacht" ersäuft in der Folge buchstäblich in solcherlei Manierismen und kann die notwendige Spannung einfach nicht halten.

Fazit: Da hat ein Autor offensichtlich den großen Wurf versucht und sich verhoben. Herausgekommen ist dabei einerseits ein anspielungsreicher historischer Kriminalroman mit interessanter Täterperspektive, anderseits aber auch ein überlanger, schwerfälliger Historienschinken mit gediegener Langeweile. - Perfektes Einschlafbuch.
[ hs/26.03.2008 ]
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