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Pattison, Eliot Das RitualOriginaltitel: Bone Rattler
Unsere Meinung:Eliot Pattisons historischer Roman "Das Ritual" erinnert uns an die genauso brutalen wie blutigen Anfänge der Kolonisation Amerikas in den Teilen, die sich heute die "Vereinigten Staaten" nennen. Er geht mit seiner Handlung zurück in die Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756-1763), der zwischen England und Frankreich erbittert ausgetragen wurde und der sich über die Kolonien der beiden Großmächte in diversen Stellvertreterkriegen zu einem wahrhaftigen ersten "Weltkrieg" auswuchs.
Zentrale Figur in dem Roman ist der Schotte Duncan McCallum. Er ist nach der vernichtenden Niederlage der schottischen Jakobiten gegen die britischen Streitkräfte 1746 bei der Schlacht von Culloden einer der Letzten seines Clans. In der Folge hatten die Briten die Schotten unterjocht und dabei die Macht und Tradition der Hochlandclans weitgehend gebrochen. In dieser Situation des schwelenden Bürgerkriegs wird der junge Medizinstudent Duncan wegen Hochverrats zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt und als Sklave in eine Strafkolonie der "neuen Welt" geschickt. Dort soll er dem mächtigen Provinzfürsten Lord Ramsey dienen, der mit seiner Ramsey Company ehrgeizige Projekte der Landerschließung verfolgt. Doch schon bei der langen und mühseligen Überfahrt vollziehen sich für Duncan genauso geheimnisvolle wie schicksalhafte Ereignisse: Nur knapp entrinnt er dem mörderischen Haß des Kapitäns, rettet dann Lord Ramseys Tochter Sarah vor dem Ertrinken und sieht sich dennoch nach zwei mysteriösen Morden während der Überfahrt üblen Verdächtigungen ausgesetzt. Nicht zuletzt lernt er den gleichgesinnten Schotten und Leidensgenossen Lister kennen und schwört mit ihm darauf, die Ehre und den Bestand ihrer alten schottischen Clans in die neue Welt hinüberzuretten. Doch schon vor der Ankunft im Zielhafen New York schwant Duncan, dass er sich im Auge des Orkans von tödlichen Macht- und Ränkespielen befindet. Allein die Aufklärung der zwei Morde kann ihm und seinem Freund Lister das Leben retten. Kaum in New York angekommen verfrachtet man ihn und die anderen Schotten der "Ramsey Company" weiter ins Landesinnere, wo der Konflikt zwischen den englischen und französischen Kolonialherren und ihren verbündeten Indianerstämmen schwelt. Sind die Engländer dabei weitgehend mit den Irokesen verbündet, so setzt das französische Machtspiel vor allem auf die Huronen, Ottawa und Abenaki als verbündete Stämme. Duncan wird immer deutlicher, dass die Vorfälle auf dem Schiff mit dem erbitterten Machtkampf in den Kolonien in Verbindung stehen und dass die seltsamen Symbole und Fundstücke an den Tatorten auf dem Schiff auf einen indianischen Hintergrund hindeuten. Seine Situation bessert sich dadurch aber keineswegs . . . Das ist Geschichte satt, was uns Eliot Pattison in seinem neuen Roman "Das Ritual" zu bieten hat. Doch ob sich die treue deutsche Leserschaft des hochgeschätzten Autoren mit diesem historischen Roman wirklich wird anfreunden können, das möchte ich ernsthaft in Frage stellen. Denn allgemein wurde dort gespannt die Fortsetzung der Geschichte um den "fremden Tibeter" Shan erwartet, jenem ehemaligen hochrangigen chinesischen Strafermittler, der aus Peking nach Tibet verbannt wurde, um ihn als kritischen Geist kaltzustellen, was trotz mehrerer Versuche bisher nicht gelang. Die völlige Kehrtwende des Autoren zum historischen Roman und sein Themenwechsel bleiben natürlich trotzdem legitim. Auch dass er Motive aus seinen früheren Büchern in seinen neuen Roman hinüberrettet, erscheint für sich genommen erst einmal nicht schlecht. Bemerkenswert ist jedoch, dass ihm das alles nicht so richtig gelingt. "Das Ritual" wirkt sehr halbherzig ausgeführt. (Genauso halbherzig, ratlos wie erschreckend belanglos kommt da übrigens die Cover-Gestaltung der deutschsprachigen Ausgabe daher.) Vielleicht haben Pattison und sein deutsches verlegerisches Umfeld ja auch nicht mit den fast unbezwingbaren "Zwängen der Serie" gerechnet. "Das Ritual" wirkt in vielen Momenten buchstäblich als Versatzstück aus den alten Shan-Romanen und passt sich nur mühsam ein in eine moderne Form von James Fenimore Coopers "Lederstrumpf". Abenteuer, Spannung, ein Schuß Exotik und vor allem ein hoher Anteil an Esoterik mit Pattisons Grundthema - dem Schamanismus - alles findet sich hier fast 1:1 wieder. Dennoch gelingt Pattison auf diesem relativ simpel wirkenden Übertragungswege nicht der Sprung von Tibet und seinem Konflikt mit moderner Zivilisation hin zum vormodernen Amerika, wo indianische Kultur auf brachiale Kolonisatoren traf. (Wobei die Analogie tatsächlich gar nicht so fern liegt.) Erschwerend kommt dazu, dass auch die explizite Krimi-Handlung hier nicht besonders präzise herausgearbeitet wird. Dennoch tritt das Buch zweifellos als historischer Kriminalroman an. - Nun: Gemordet, gemeuchelt und niedergemetzelt wurde in der Frühphase der amerikanischen Demokratie fraglos viel, - man möchte die Opfer gar nicht auflisten. Gleichwohl gelingt es Pattison nicht, die feinen Unterschiede zwischen Rechtlosigkeit, Recht und Unrecht in einer neu entstehenden Gesellschaft gegenüber Krieg, brutaler Landnahme und Versklavung in einem "Clash of Cultures" herauszuarbeiten. Genauso wenig gelingt es ihm übrigens, sich deutlich vom schnöden Abenteuer- und Kriegsroman abzugrenzen. Was soll man noch weiter zu diesem Roman sagen: Es ist einfach schwierig, ihm gerecht zu werden. Zu seiner Entlastung sei noch bemerkt, dass unbefangene Leser von historischen Abenteuerromanen sich wahrscheinlich mühelos und mit Gewinn mit dem Buch werden anfreunden können. Doch das wiederum fällt so nicht in den Kompetenzbereich, den die Hammett-Rezensenten für sich beanspruchen würden. [ hs/05.03.2008 ]
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Krimi-Specials
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