![]() |
Heim, Uta-Maria TotschweigenSie war schön, sie war jung, sie war unschuldig. Doch sie musste sterben. 22 Jahre nach dem Fund der »Kofferleiche« kann sie endlich identifiziert werden. Petra Clauss, ein 15-jähriges Mädchen aus Schramberg, wurde ermordet, zerstückelt und in drei Koffern verteilt im Stuttgarter Rosensteinpark abgestellt. Die LKA-Ermittler Anita Wolkenstein und Timo Fehrle müssen erfahren, dass der Identifizierungserfolg bei der Familie des Opfers auf wenig Gegenliebe stößt. Niemand hat mehr Interesse daran, an den alten Wunden zu rühren.
Unsere Meinung:"Alles hat seine Zeit. Alles, nur die Angst nicht. Die Angst ist immer da, sie hockt lauernd im Gebüsch. Es gibt Menschen, die begreifen das nicht. Ich frage mich, wen ich mehr hasse, die Mitwisser oder die Ahnungslosen. Vielleicht sind die Ahnungslosen die Allerschlimmsten. Das sind Leute, die lachend in den Abgrund fahren."
(Uta-Maria Heim: Totschweigen, S. 70) Für die Polizei ist Petra Clauss seit mehr als 20 Jahren ein ungeklärter Fall. Das junge Mädchen aus dem baden-württembergischen Schramberg war 1984 unter mysteriösen Umständen spurlos verschwunden. Eines Tages stößt der Stuttgarter Ermittler Timo Fehrle wiederholt auf die alten Akten. Denn in dem von ihm betreuten Polizeiarchiv findet er eines Tages auf die entscheidende Verbindung: Petra Clauss war offenbar jene Tote, deren Leiche Mitte der 80er Jahre zerstückelt und in drei roten Koffern verteilt im Stuttgarter Rosensteinpark gefunden worden war und die man bisher für eine polnische Prostituierte gehalten hatte, welche von einem ihrer Zuhälter oder Freier bestialisch ermordet worden war. Fehrle ist schockiert über die schlampigen Ermittlungen von damals, spürt aber, dass er sich in Schramberg direkt und vor Ort ein Bild machen muß, zumal er selbst aus der Schwarzwaldgegend stammt, wo die Tragödie um die damals fünfzehnjährige Petra Clauss einst ihren Anfang nahm. So führt die Spur nun, wo der Fall quasi neu aufgerollt wird, direkt zurück in den Schwarzwald, zurück zu der Familie Petras, wo die inzwischen sehr betagte Mutter des Opfers, Heiderose Clauss, sterbenskrank vor sich hindämmert. Dem ortskundigen Timo Fehrle sind die Umstände des Falls durch eigene Erinnerungen natürlich besonders vertraut. Doch als er und seine Kollegin Anita Wolkenstein beginnen, ernsthafte Nachforschungen in der Provinz anzustellen und dabei natürlich auch die Familie Clauss aufsuchen und die einzelnen Familienmitglieder nach den Hintergründen des Verschwindens von Petra befragen, bahnt sich bald ein unerwartetes Drama an, das seine Gründe in einer düsteren Familiengeschichte birgt . . . Uta-Maria Heim gehört zweifellos zu den hochkarätigen und intelligenteren deutschen Krimiautoren/innen, zumal zeichnet sie ein hoher Wiedererkennungswert aus. Auch in ihrem jüngsten Roman "Totschweigen" arbeitet sie mit den vertrauten Versatzstücken ihrer Krimischriftstellerei. Heim erzählt nämlich überwiegend psychologisch abgründige Familien- und "Heimat"-Geschichten, die tief in der deutschen Zeit- und Gesellschaftsgeschichte verankert sind. Ihre verschiedenen Romane ähneln sich darin übrigens sehr, ebenso die Art und Weise, wie sie diese erzählt. Schon in "Ruth sucht Ruth" und "Schwesterkuss" (beide 2002) waren ihre Hauptthemen exemplarisch angelegt: Die Nachwirkungen der Nazi-Diktatur in den Biographien der Opfer, Täter und ihren Nachgeborenen; die Beschreibung von Kindheits- und Jugenderinnerungen, die sich aus einer morbiden Sozialisation mit Lebenslügen, üblen Verdrängungsmechanismen und brutaler Triebabfuhr speis(t)en; Fälle von zumeist tragischen Frauenbiographien, die von der Bitternis und den zwiespältigen Kämpfen in der später so stolzen bundesrepublikanischen Gesellschaft zeugen. - Man möchte meinen, die Autorin Heim habe nicht umsonst Literaturwissenschaften, Linguistik und Soziologie studiert. Nun soll dies hier nicht unbedingt negativ ausgelegt werden, etwa in dem Sinne, Ihre Kriminalromane seien zu intellektuell oder intellektualisiert. (Auch andere Autoren wie Christian von Ditfurth verfolgen solche Ansätze, wenngleich mit anderen Mitteln.) Dennoch bemüht sich Heim wiederholt so auffällig um komplexere und ineinander verschränkte Erzählstrukturen, dass die Frage erlaubt ist, ob ihr das von Fall zu Fall tatsächlich immer glückt. In ihrem Roman "Totschweigen" versagen meiner Meinung nach ihre eingeübten Erzählmuster. Sicher mag man in ihrer Figurenzeichnung wieder eine genaue Beobachtungsgabe und einiges psychologisches Einfühlungsvermögen erkennen. Stilistisch sicher nicht brillant, aber realitätsnah. Allerdings konnte sich Heim in diesem Roman offenbar nicht entscheiden, ob sie nun ihrer Krimihandlung auf der einen Seite, oder dem zeitgeschichtlichen Hintergrund und dem bitteren Sozialrealismus einer Provinztragödie auf der anderen Seite mehr Gewicht geben sollte. So wirkt "Totschweigen" schlecht ausbalanciert und gerät bis zum Ende und bis zur vermeintlichen Auflösung sogar an den Rand der Unglaubwürdigkeit. Die Autorin spielt zu sehr mit ihren sehr unterschiedlichen Erzählperspektiven. Dabei greift sie wie schon in ihren früheren Romanen gerne auf Brief- und Tagebuchpassagen zurück und bemüht sich um eine subtile Verschränkung von Zeit- und Personenebenen. Dadurch entsteht ein dichtes und verwirrendes Beziehungsnetz, in dem sich die Fäden zwischen den Ermittlern und Verdächtigen immer enger zusammenziehen. Die altbekannte Schwäche dieses etwas anspruchsvolleren Who-dunnit-Motivs ist es natürlich, dass die Autorin im Gegensatz zu der offenen Täterperspektive zwangsläufig Verwirrung stiften muß, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Demgegenüber kann sich die Täterpsychologie während der Romanhandlung kaum entfalten, was nicht selten zu einem quasi belehrenden Ende etwa in Form eines Geständnisses führt. Dies ist in Heims aktuellen Roman mit seinem schwierigen Beziehungsgeflecht dann auch der eindeutige Webfehler, den es zu bemängeln gibt. In "Totschweigen" wusste ich am Ende nämlich nicht einmal, ob ich den schlichten Nachtrag des Geständnisses des Mörders im Epilog für bare Münze nehmen sollte, oder ob nicht doch die drei, vier anderen verdächtigen Figuren als Mörder von Petra in Frage kommen. Zu viele Lebensbeichten wurden zuvor schon abgelegt, zu viele Fragen bleiben am Ende dennoch offen. Zugegeben: Schön gruselig anmutend war während der Lektüre des Romans tatsächlich stellenweise das Gefühl, `hier irgendwo spricht der Mörder zu mir´ - ohne dass einem der/die Täter/in wirklich verraten wird. Letztlich hat die Autorin ihr Spiel mit falschen Fährten dann aber zu weit getrieben. Fazit: "Totschweigen" ist ein Roman, der auf gutem Niveau nicht gerade scheitert, aber doch mehr oder weniger in den gewohnten Schreibgewohnheiten und mustern der Autorin "versumpft" - und selbst den Rezensenten letztlich etwas ratlos hinterlässt, da er nicht recht weiß, ob ihm all diese "Heim(at)-Geschichten" nun gefallen oder nicht . . . [ hs/11.02.2008 ]
|
Krimi-Specials
Warenkorb:
-
Lieferzeiten
-
Wochentags:
Bis 18:00 Uhr bestellte Bücher sind am folgenden Morgen versandfertig und verlassen dann die Buchhandlung.
Wochenende:
Bücher die zwischen Freitag (nach 18:00 Uhr) und Sonntag bestellt werden, sind erst Dienstagmorgen versandfertig und verlassen die Buchhandlung. Ausnahme: Die Bücher sind im Hammett vorhanden.
-
Wochentags:
-
Angekündigte Bücher
- Diese Titel können Sie jetzt schon normal über unsere Warenkorbfunktion bestellen. Sobald das Buch erhältlich ist, erhalten Sie von uns nochmal eine E-Mail, daß Ihre Ware versandfertig ist.
-
Versandkosten
-

Der Versand von neuen Büchern innerhalb Deutschlands ist für Sie bei uns versandkostenfrei.
-


