Titel: Blutsbräute

Orford, Margie

Blutsbräute

Deutsche Erstausgabe
Originaltitel: "Like Clockwork"
Aus dem Englischen von Dietlind Kaiser

Als ein schönes junges Mädchen brutal ermordet an der Strandpromenade in Kapstadt aufgefunden wird, setzt sich die Profilerin Dr. Clare auf die Spur eines psychopathischen Serienkillers. Zusammen mit dem Polizei-Captain Riedwaan Faizal versucht sie das Persönlichkeitsprofil des Täters zu ermitteln: Ein Wettlauf mit der Zeit, denn offensichtlich stehen weitere Mädchen auf seiner Todesliste. Immer wieder drängen sich für Clare Parallelen zu der Gewalttat auf, die ihrer Zwillingsschwester im Alter von sechzehn Jahren widerfuhr, und die sie bis heute traumatisiert hat. Stehen die Morde in Verbindung mit dem Menschenhändlerring, über den Clare gerade ermittelt? Oder treibt der Mörder nur ein perfides Spiel mit ihr und dem Leid ihrer Schwester?

Autor: Orford, Margie
Titel: Blutsbräute
Jahr: 2008-02
Seiten: 398 | Taschenbuch
Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-442-36831-0
Preis: 8.95 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

"Constance streichelte den glatten, nackten Körper ihrer Schwester. Ihre Finger fuhren über Clares Brüste, ihren Bauch, ihre Schenkel, dann über den Rücken. Clare wandte sich von ihr ab und stieg in das heiße Wasser. Es war wunderbar. Die Wärme hüllte sie ein, befreite sie von der Kälte und der Anspannung der letzten Tage. Sie legte sich zurück. Constance griff nach einem Schwamm und seifte ihn ein. Sie nahm Clares linken Arm und wusch ihn gründlich, dann den rechten. Anschließend die Füße, die Waden, die Schenkel, innen und außen. Clare fügte sich."
(Margie Orford: Blutsbräute, S. 215)

Dieser unsägliche und stark klischeebehaftete "Thriller" tritt mit dem frechen Anspruch auf, uns etwas über die grassierende Kriminalität in Südafrika und insbesondere dem brutalen Frauen- und Menschenhandel im südlichen Afrika zu erzählen. Doch was dabei herauskommt, das ist der bittere und bald hundertfache Aufguss von Thomas Harris’ "Schweigen der Lämmer". (Ich wünsche mir inzwischen manchmal, Mr. Harris hätte seinen Thriller niemals geschrieben.)
Daß die Handlung des Buches dabei im südafrikanischen Kapstadt angesiedelt wird, erscheint am Ende nur noch als vermeintlicher Zufall. Daß die darin erzählte Geschichte sich dadurch zwangsläufig in einem Umfeld des gesellschaftlichen Umbruchs abspielt, das tut die Autorin mehr oder weniger als Nebenwiderspruch ab. Daß es auch dort nach der Aufhebung der Apartheid einen latenten und tiefgreifenden Konflikt zwischen Schwarz und Weiß gibt, blendet die Autorin schließlich ebenfalls weitgehend aus.
In einer eher seltsamen Anwandlung von "political correctness" lässt sie die Leser/innen dann fast folgerichtig oft nicht einmal wissen, welche Hautfarbe ihre Figuren zu (literarischem) Markte tragen. Deutlich wird eigentlich nur, dass Orfords Heldin Dr. Clare Hart eine weiße Südafrikanerin ist und dass auch die vielen jungen Mädchen, die einem Serienkiller zum Opfer fallen, der weißen südafrikanischen Mittelschicht angehören. Alles Weitere darf man weitgehend aus Namensgebungen und beiläufigen Anspielungen erraten.
`Blut, Ekel und Sperma´, so lassen sich Orfords Roman "Blutsbräute" und die darin dargebotenen lüsternen Obszönitäten wohl treffend umschreiben. Der ganze oberflächliche Problemhintergrund erstarrt bis hin zur Zwillingsschwestern-Biographie der Heldin in reiner, dabei aber zweifellos geschickt arrangierter Dekoration.
Orford hält sich aber nicht lange mit Problemen oder Andeutungen auf, sondern kommt schnell zur Sache, steuert zielgruppengenau auf den Voyeurismus und lüsternen Grusel ihrer potenziellen Leser/innen zu. Da genügt es zum Beispiel nicht einfach, dass ein Zeuge am Tatort ein totes, grausam zugerichtetes Vergewaltigungsopfer findet, nein, da wechselt Orford doch gleich mal die Erzählperspektive:

"Sie lag da, als wollte sie die langen Beine sonnen. Er rief. Nichts. Er ging hinüber, glaubte, sie sei eine Disco-Besucherin unter Drogen. Ihr Körper war schön. Es war lange her, dass er eine Frau angefasst hatte, ohne dafür zu bezahlen. Er bückte sich und nahm die weichen, schön geformten Brüste in die Hände. Sie waren voll wie der Mond . . ."
(Margie Orford: Blutsbräute, S. 231)

Der Thriller, der durchaus auch intelligentere Leserschichten ansprechen will, scheint mit solchen erbarmungslos klischeehaften Versatzstücken jedoch wie am Reißbrett geplant. So würde ohne die exotische Umgebung - hier ist es Kapstadt in Südafrika - wohl auch der dümmste Leser bemerken, dass ihm nur Wiedergekäutes vorgesetzt wird. Dazu die erotische Umgebung von blutjungen Mädchen, die in die Fänge von skrupellosen Zuhältern und mörderischen Porno-Produzenten geraten . . . - Alle Fragen und Widersprüche, die da eventuell aufkommen mögen, versucht man mit "kritischen" Begleittexten wie Interviews und Rezensionen zu verflüchtigen (vgl. ab S. 391 das "Gespräch mit der Autorin"). Hätte sich die Autorin doch nur an ihre dort formulierten Absichten gehalten!

Nun hat man manchmal beinahe schon den Eindruck, die Programmverantwortlichen in den Krimisektionen der deutschen Verlage grasen die Landkarte nach unberührten Flecken und spektakulären Themen ab, nur um sie dann mit ihren Geschmacksverstärkern Sex & Crime boulevardesk aufzupeppen. Widerwärtig.
Auch das Cover des Thriller, auf dem wie auch auf vielen anderen solcher Bücher das hinlänglich vertraute Insekt abgebildet ist, zeigt, welch Geistes Kind die Sache ist. Da mag mir mal die Werbe- und Herstellungsabteilung eines Verlages erklären: Weshalb eigentlich stehen Insekten (ob Schmetterlinge, Libellen, Ameisen oder Spinnen) für Serienkillerromane, in denen vor allem Frauen abgeschlachtet werden?
Dieses Machwerk hat dennoch ein ernstes und ernstzunehmendes Thema (Frauen- und Menschenhandel, harte Sexindustrie) aufgegriffen, es aber so gnadenlos und weitgehend überraschungsfrei im Mahlstrom des schlechten Geschmacks verwurstet, dass einem schlecht wird. Manchmal fühlte ich mich bei diesem Thriller so, als ob ich beim Zappen auf einen der erbärmlichen Sex- und Tittensender geraten bin, die mit ihrer hirnlosen Pornographie und schlecht geschminkten Zuhälterei in aller Fernsehöffentlichkeit hausieren gehen.

Diesen "Thriller" dennoch über knapp 400 Seiten sorgfältig zu prüfen und auf seine vermeintlichen Qualitäten abklopfen zu müssen, das hat mich letztlich so aufgebracht, dass ich das Buch zwar mit einem heftigen Wurf in die Ecke pfefferte, dann den Schund aber schließlich wieder aufhob, um Ihnen hier von dieser Stelle aus begründet und eindeutig von seiner Lektüre abzuraten!
[ hs/21.02.2008 ]
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