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Schorlau, Wolfgang Brennende Kälte"Einer der intelligentesten und authentischsten deutschen Politthriller", urteilte die"dpa"über Wolfgang Schorlaus Krimi"Fremde Wasser". Nun ist Privatermittler Georg Dengler zurück - und stößt auf ein Staatsgeheimnis ..."Suchen Sie meinen Mann", sagt Sarah Singer und zieht verzweifelt an ihrer Zigarette, als wäre diese Kippe die letzte auf der Welt."Mein Mann ist krank - und gefährlich."Viel mehr hat sie zunächst nicht zu bieten. Georg Dengler, privater Ermittler aus Stuttgart und ehemaliger Zielfahnder des Bundeskriminalamtes, nimmt ihren Auftrag an. Er ist fasziniert von der blonden Frau. Und er glaubt, ihren vermissten Mann zu kennen. Sein Bild erinnert ihn an das große Drama seiner Kindheit, das ihn selbst beinahe getötet und seine Familie für immer ruiniert hätte.
Unsere Meinung:"Das zweite Mal weckte ihn ein stechender Schmerz in der Brust. Mit einer heftigen Bewegung riss er die Bettdecke zur Seite und fuhr sich mit der Hand den Oberkörper entlang. Er konnte den genauen Ort des Schmerzes nicht lokalisieren. Der Brustkorb brannte. Er knipste die Nachttischlampe an und untersuchte seine Brust. Leichte Rötungen. Mehr nicht.
Aber das Brennen wurde unerträglich und trieb ihm Tränen in die Augen. Es fühlte sich an, als würde in seinem Innern ein Höllenfeuer wüten. Er sprang aus dem Bett und lief hinüber ins Bad. Er rieb seine Brust mit einem Waschlappen ab. Der Schmerz klang ab. Ich bin nicht mehr der Jüngste, dachte er. Ich muss zu einem Herzspezialisten gehen. Zu dumm, dass ich schon so lange keinen Gesundheitscheck gemacht habe. Olga würde jetzt sagen, dass der Körper mir ein Warnsignal schickt. Nimm es ernst, würde sie sagen. Ich bin ein Mann mittleren Alters . . . (Wolfgang Schorlau: Brennende Kälte, S. 98) Der Stuttgarter Privatdetektiv Georg Dengler hat an seinem vierten Fall buchstäblich körperlich zu leiden. Wobei er über lange Zeit hinweg nicht ahnt, welche Gefahr ihn da umgibt und buchstäblich körperlich angreift. Ist er doch im Auftrag einer besorgten Ehefrau "nur" auf der Suche nach ihrem verschwundenen Mann. Dengler geht aber bald ein Licht auf, als er herausfindet, welche Dimensionen sein Fall hat. Der Gesuchte, Florian Singer, ist nämlich Bundeswehrsoldat und hat als Mitglied einer geheimen Sondertruppe in Afghanistan gekämpft. Und wie vermutet verdichtet sich das dann zum Verdachtsmoment, dass Singer den schwierigen Kriegseinsatz am Hindukusch wohl nicht ganz verarbeiten konnte und womöglich an einem posttraumatischen Belastungssyndrom leidet. - Was ihn zu einer tickenden Zeitbombe macht . . . Es ist jedoch nicht nur das, was Dengler an dem Fall beunruhigt. Seltsamerweise führt ihn die Suche nach Singer nämlich unwillkürlich in die eigene Vergangenheit zurück, wobei er an traumatische Kindheitserlebnisse erinnert wird. Er schwankt hin und her, ob er den Fall aufgeben soll, denn gleichzeitig eröffnet sich ihm die Chance, bei einem großen Stuttgarter Sicherheitsunternehmen einen Job zu bekommen, mit dem er und seine Freundin Olga wohl für die Zukunft ausgesorgt hätten. Allerdings stellt sich auch diese Entscheidung als gar nicht so einfach dar, was Dengler bereits beim ersten Gespräch mit seinem potenziellen Arbeitgeber bitter aufstößt: "Alles an Nolte war perfekt. Sein Anzug war perfekt, sein Auto war perfekt, sein Büro war perfekt, seine Sekretärin, eine selten anzutreffende Kombination von Eleganz und Tüchtigkeit, war perfekt. Der Kaffee war perfekt, und sogar die Laugenbrötchen - frisch und perfekt. Die Art des Mannes zu sprechen, dieses überdeutliche Honoratioren-Schwäbisch, diese vollkommene Höflichkeit mit dem richtig dosierten Schuss Vertraulichkeit - perfekt. Georg Dengler hasste alles, was so vollkommen war. Viel zu oft hatte er erfahren müssen, dass alles Makellose nur Fassade war, und mehr noch: Seine Lebenserfahrung sagte ihm, dass die Abgründe, das Giftige, das Verbrechen umso gefährlicher waren, je fehlerfreier die Fassaden davor gemauert waren. Dengler hatte Perfektion noch nie gemocht. Und er mochte diesen Mann nicht." (Wolfgang Schorlau: Brennende Kälte, S. 24) Wolfgang Schorlaus Roman "Brennende Kälte" ist deshalb wohl konsequenterweise selbst alles andere als perfekt, dennoch bringt er die bemerkenswerte Fortsetzung von der derzeit spannendsten Serie in der deutschen Krimilandschaft mit sich. Schorlau bleibt seinen Erzählmustern treu: Seine Romane, die zunächst immer als einfache Detektivstorys daherkommen, entwickeln sich im Laufe ihrer Handlung - vom obligatorischen Prolog bis zum sinnfälligen Epilog - regelmäßig zu ausgewachsenen Politthrillern. Schorlau zeigt darin wiederholt sein einzigartiges Gespür für gesellschaftskritische Themen und sein herausragendes Talent, diese kritischen Stoffe in spannende und mitreißende Handlungen zu verpacken. Bemerkenswert ist in dieser Hinsicht übrigens, wie ihm bei all seinen Themen keinesfalls der Humor verloren geht. Fraglich mag da sicher sein, wie ernst man zum Beispiel hier im Roman seine Scherze, den "Überwachungsstaat" auszutricksen, nehmen soll, - wenn Denglers Sohn aus getrennter Beziehung dem fälschungssicheren Ausweis mittels einer Mikrowelle ein Schnippchen schlägt oder wenn Denglers Freundin Olga mittels Wassermelone und Wodka gestandene BKA-Beamte mattsetzt. Doch erzählerisch ist das dann doch so gut eingebettet, dass es letztlich allemal mehr als nur einen gewissen anarchischen Charme bietet. Diese "Rache des kleinen Mannes" mag nur ein einfacher ironischer Aspekt von Schorlaus "linksdrehender" Erzählweise sein. Die wachsende Arroganz und der "heilige Ernst" der Mächtigen wird hier aber eben nicht nur parodiert, sondern beides wird gezielt und aufklärerisch konterkariert. So knüpft sich Schorlau in "Brennende Kälte" auf bewährte Weise die aktuelle deutsche Außenpolitik vor und nimmt insbesondere die unbedachten Folgen der militärischen Auslandseinsätze der Bundeswehr in den Blick. Seine Kritik an dem stark militarisierten und selbstherrlichen Denken der politischen Verantwortlichen schildert er an dem persönlichen Schicksal eines Soldaten im Afghanistan-Einsatz. Das wirkt sogar beinahe dezent und unaufdringlich, selbst wenn Schorlau damit den Verantwortlichen ein krass unverantwortliches, wenn nicht gar verbrecherisches Handeln unterstellt. Wie sehr Schorlau mit seiner Kritik und seinem Aufhänger, der Entwicklung und Erprobung einer perfiden Geheimwaffe, über das Ziel hinausschießen mag, dazu wird die Leserschaft wohl wie schon bei seinen vorangegangenen Romanen etwas geteilter Meinung sein. Mit diesem relativen Zwiespalt hat nicht zuletzt der Rezensent zu kämpfen, denn Schorlaus "Botschaften" bewegen sich auch hier wieder in recht klischeebehafteten Schwarz-Weiß-Mustern und überdehnten Handlungsmomenten, die daran zweifeln lassen, wie ernst man seine berechtigte Anliegen denn nehmen kann oder soll. Ohne Schorlau nun zu einem "investigativen" Kriminalschriftsteller hochstilisieren zu wollen, wird allemal klar, dass diesen Autoren mehr antreibt als nur die Erzählung eines Verbrechens. Mit welcher bewundernswerten Leichtigkeit und Unbekümmertheit er seine kritischen Kriminalromane von Mal zu Mal vorantreibt, das sucht in Deutschland doch seinesgleichen. [ hs/31.05.2008 ]
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Krimi-Specials
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