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Tracy, P.J. MementoOriginaltitel: Snow Blind Aus dem Amerikanischen von Tanja Handels Eigentlich ist der Schneemannwettbewerb in Minneapolis ein fröhlicher Anlass. Die beiden Detectives Leo Magozzi und Gino Rolseth vollenden gerade ihr Werk, als plötzlich ein Kind wie am Spieß schreit. Die Mittagssonne hat einen Schneemann zum Schmelzen gebracht und sein makabres Innenleben enthüllt einen toten Polizisten. Und der ist nicht das letzte Opfer. Bei ihren Ermittlungen stoßen Leo und Gino auf ein uraltes Geheimnis. Offenbar sind die Schneemann-Morde nur die Spitze des Eisberges. Monkeewrench Bd.4.
Status: Vergriffen Preis: 8.95 EUR Unsere Meinung:Patricia und Traci Lambrecht, das Mutter-Tochter-Autorinnengespann, das seine Kriminalromane unter dem Pseudonym P.J. Tracy veröffentlicht, halten ihr Krimi-Maschinchen gut geölt und schreiben munter Jahr für Jahr einen durchwegs intelligenten, handlungsstarken und meist ziemlich spannenden Thriller herunter, ohne bisher größere Abnutzungserscheinungen zu zeigen. Ihre Plots sind wie Scharaden ziemlich vertrackt konstruiert, wirken dabei aber nicht übermäßig verklausuliert. Ihr Stil kennzeichnet sich durch einen trockenen, schnörkellosen und direkten Ton, der mit viel Sarkasmus gewürzt ist. In "Memento" ist das sehr gut und beispielhaft zu erkennen an dem kurzen Auftritt des Bewährungshelfers Steve Doyle. Er hadert mit seinem Privat- und Berufsleben, muß einen Wochenenddienst schieben und sinnt (mit Mordgedanken!) über sein Leben nach, das er irgendwie satt hat und dem dann prompt kurze Zeit später ein Ende bereitet wird: "Er war erst Ende dreißig und laut der Statistik noch ein paar Jahre vom völligen Burn-out entfernt, war aber selbst überzeugt davon, diese Schwelle schon längst überschritten zu haben. Seine Frau fleht ihn schon seit zwei Jahren an, sich eine neue Arbeit zu suchen, und inzwischen war er fast so weit, einfach auf sie zu hören. Vielleicht war Kurt Weinbeck sogar der letzte Fall, den er betreuen würde. Dieser Gedanke heiterte ihn ein wenig auf. Als er mit der Arbeit angefangen hatte, war er ein junger, hoffnungsvoller und gläubiger Christ gewesen, überzeugt davon, dass alle Verbrecher nur fehlgeleitete Opfer seien und dass es ihm und Gott zufalle, mit vereinten Kräften alle Sünder zu bekehren. Nach fünf Jahren war er zum zynischen Agnostiker geworden, der die Todesstrafe für keine ganz schlechte Idee hielt. Und nach zehn Jahren war er ein unverbesserlicher Atheist mit einer .357er in der Schreibtischschublade, weil mindestens die Hälfte der Kerle ihm Angst einjagte. Wenn man so viele Akten über irgendwelche Perversen las, die ihre eigenen Kinder sexuell missbrauchten, fremde Frauen vergewaltigten und jedem die Kehle durchschnitten, der sich zwischen sie und ihre nächste Dosis Crack stellte, war man irgendwann machtlos gegen den Gedanken, dass man mit einem Gott, der eine solche Welt zu verantworten hatte, eigentlich nichts mehr zu tun haben wollte. Jahrein, jahraus sah er zu, wie das System, das ihm sein Gehalt zahlte, die Typen schluckte und sie anschließend wieder ausspuckte, damit alles von vorn anfangen konnte. In letzter Zeit gab er sich immer häufiger der Phantasie hin, seine schwere Waffe zu zücken und jeden Probanden, der zu Tür hereinkam, einfach zu erschießen. Damit würde er dem Staat eine Menge Geld und der Welt eine Menge Kummer ersparen . . ." (P.J. Tracy, Memento, S. 57 f.) ". . . Er sah die Klinge, als sie nach oben schnellte, doch da war es bereits zu spät." (P.J. Tracy, Memento, S. 61) Existenzielle Situationskomik? In tiefschwarzer Färbung? - Zumindest schaffen es die beiden Autorinnen mit kurzen und prägnanten Passagen, ein ganzes Leben mit seinen Sehnsüchten und Konflikten zu entfalten, um uns dann auf makabre Weise vor Augen zu führen, wie schnell und (zunächst) unerklärlich es zerstört werden kann. Viele Figuren in P.J. Tracys Romanen unterliegen derart düsteren Bedrohungen, die in ihrer Vergangenheit lauern und von einer schwerwiegenden Schuld geprägt sind. Und wie schon in "Der Köder" entfaltet sich hier in "Memento" auch ein großer Rachefeldzug, der hinter einer langen Reihe von Morden steht. (In P.J. Tracys Romanen wird mitunter munter weggestorben, ein bisschen so, wie eben das Zeug hält.) Makabrer Zug an der Geschichte ist, dass die Täter ihre Opfer im harten und schneereichen Winter in der Provinz von Minneapolis in aller Öffentlichkeit als Schneemänner drapieren. Worum es dabei aber letztlich geht, welche Vorgeschichte diese "Schneemannmorde" haben, wird hier natürlich nicht verraten, dennoch ist es wiederum ein Kennzeichen des Autorinnengespanns, dass man immer mit einer genauso hintergründigen wie tiefsinnigen Auflösung rechnen darf. Ohne eine solche im Sinne der Tragödie gesetzte Katharsis wäre "Memento" eine nur wenig beachtenswerte Krimiunterhaltung, zwar recht gut geschrieben, ein wenig mit schwarzem Humor angereichert, so wie es die neuere amerikanischen Thriller-Tradition mühelos und in Massenproduktion hervorbringt. Doch bisher schaffen es die Autorinnen von Mal zu Mal, sich darüber zu erheben und ihren Thrillern einen tieferen Sinngehalt zu verleihen. Dennoch bleiben leichte Zweifel bestehen, wie ernst es den Autorinnen mit ihren unter der Hand geradezu gesellschaftskritischen Thrillern ist. Nicht nur einmal kam mir - auch im Vergleich mit anderen Kriminalromanen - der Gedanke, ob sie damit nicht nur eine geschickte Masche entwickelt haben, ihre Romane mit mehr Atmosphäre und Bedeutung aufzuladen. So kann mich "Memento" letzten Endes nicht völlig überzeugen, weil ihm aus der Erzählweise des Romans heraus für mein Gefühl insgesamt eine gewisse Dimension der Glaubwürdigkeit und Würde fehlt. Hinweis: Die Rezension bezieht sich ursprünglich auf die Hardcover-Ausgabe vom März 2007. [ hs/21.06.2007 ]
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Krimi-Specials
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