Titel: Wiederholungstäter / Ein Leben zwischen Athen, Wien und Istanbul.

Markaris, Petros Wiederholungstäter / Ein Leben zwischen Athen, Wien und Istanbul.

Originaltitel: Kat'exakolouthisin
Aus dem Neugriechischen von Michaela Prinzinger

Petros Markaris über seine Liebe zu Istanbul, seine Hassliebe zu Athen und seine besondere Beziehung zur deutschen Kultur - Bekenntnisse eines Kosmopoliten.

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Autor: Markaris, Petros
Titel: Wiederholungstäter / Ein Leben zwischen Athen, Wien und Istanbul.
Jahr: 2008-05
Seiten: 190 | Hardcover
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06639-5
Preis: 16.90 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

Selten können wir dem durchschnittlichen Krimileser, der schlicht zum Kriminalroman greift, um sich unterhalten zu lassen, einen genauso interessanten wie aufschlußreichen Blick in die sogenannte Sekundärliteratur empfehlen. Petros Markaris’ autobiographische Essays in dem Buch "Wiederholungstäter" stellen eine solche Ausnahme dar:

Für Markaris-Fans scheint uns das genauso schmale wie profunde Büchlein ohnehin fast schon als Pflichtlektüre - das sie als "Kenner" schlicht genießen sollten. Der Autor breitet hier nämlich keinesfalls banale Einsichten aus seinem Privatleben aus, sondern gibt tatsächlich tiefschürfende Auskunft über die Hintergründe und Motivationen, die ihn zum Drehbuchautor, Übersetzer und Romanautor gemacht haben.
Demgegenüber mag der von Markaris bis dahin eher unbeeinflusste und dennoch eingefleischte Krimifan aus diesem "Wiederholungstäter" einige bemerkenswerte Betrachtungen zum zeitgenössischen Kriminalroman ziehen und vielleicht auch mit Befriedigung feststellen, dass mit Markaris längst viele "ernsthafte Intellektuelle" die sehr unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten des Kriminalromans für sich entdeckt haben.
Doch nicht zuletzt erfährt der anfangs erwähnte "Normalleser" von einem Erzähler alter Schule wie ein Autor zum Genre des Kriminalromans kommt, was ihn zum Schreiben und Erzählen getrieben hat und auf welche erzählerischen Mittel im modernen Kriminalroman er baut. Gleichzeitig und praktisch nebenbei wird auf fast anrührende Weise deutlich, wie bestechend einfach, humorvoll und hintergründig sich ein ernstzunehmender Autor genretypische Erzählweisen zueigen machen kann, um gesellschaftliche Gegenwart nicht nur angemessen, sondern auch buchstäblich spannend zu beschreiben. Markaris’ Betrachtungen zur griechischen Gesellschaft sind so durchaus vergleichbar mit dem, was Andrea Camilleri seinem Sizilien erzählerisch angedeihen lässt oder was auf andere Weise ganz andere "Erzähler" wie Giovanni Guareschi oder Jacques Tati aus dem seltsamen Verhalten ihrer Landsleute schlossen.
In den Romanen von Petros Markaris treten die ironische Distanz, Erzähllust und Ausdruckskraft, die einen guten Autor auszeichnen, deutlich zutage. Sein "Wiederholungstäter" ist so nicht nur ein beeindruckendes Selbstzeugnis über "ein Leben zwischen Istanbul, Wien und Athen", sondern entwirft auch dezent erzählerische Perspektiven, wie wir unsere Welt genauso aus großen wie aus kleinen Blickwinkeln begreifen können.
Nicht umsonst hat Petros Markaris in der kleinbürgerlichen Person des Athener Kommissars Kostas Charitos eine so menschliche Figur erschaffen, der mit den Tätern seiner Fälle buchstäblich immer wieder auf "menschliche Radikale" trifft. Darauf deutet nicht zuletzt seine sehr elementare Erzählweise hin. Nicht umsonst spielen bei Markaris das schlichte Alltagsleben, die Widersprüche zwischen dem gesellschaftlichen Theater und dem kleinmütigen Privatleben seiner Protagonisten eine so große Rolle, die dann jene gewalttätigen Ausbrüche und mörderischen Widersprüche provozieren, von denen Markaris Romane erzählen ...

Fazit: Gelungener autobiographischer Essay mit einer gehörigen Portion Lebensweisheit. Durch und durch aufschlussreich!
[ hs/08.05.2008 ]
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