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Verasani, Grazia Briefe einer TotenEin Fall für Giorgia Cantini
Unsere Meinung:"Wäre ich eine Frau, die glaubt, dass ein Brief etwas bewirken könnte, hätte ich ihm geschrieben. Aber in Fällen wie diesen sind Briefe dummes Zeug von Leuten, die etwas bereuen; man reagiert sich ab, wenn man sie schreibt, und es bringt nichts, wenn man sie verschickt. Kein Liebhaber, der einen verlässt, hat Lust, darauf zu antworten. Das Gleiche gilt fürs Telefon. Was für einen Sinn hat es, jemanden anzurufen, der beschlossen hat, sich zu verdünnisieren? Trotzdem habe ich ein paar Wochen damit verbracht, darauf zu warten, dass das Telefon klingelt, natürlich. Meine Wohnung war zu einem Wartezimmer geworden. Ich glaube den Leuten nicht, die sagen, dass sie nie etwas erwarten. Wir erwarten alle etwas. Wir warten immer auf etwas. Egal worauf."
(Grazia Verasani: Briefe einer Tochter, S. 128) Als die Privatdetektivin Giorgia Cantini, die mit ihrem Vater in Bologna eine Detektei betreibt, eines Morgens in ihrem Büro einen Schuhkarton findet, wird sie unvermittelt mit der traurigen Vergangenheit ihrer Familie konfrontiert. Vor fast sechzehn Jahren hatte Ihre Schwester Ada Selbstmord begangen. Die Briefe, die Giorgia jetzt von ihrer Schwester in der Hand hält und von denen sie bisher nichts wusste, werfen für sie auf schockierende Weise ein ganz anderes Licht auf die Ereignisse von damals. Je mehr sie sich in der Folge mit den Briefen beschäftigt, die ihre Schwester Ada an ihren damals besten Freund Aldo adressiert hatte, um so mehr glaubt sie, dass der Selbstmord Adas "arrangiert" und ihre Schwester ermordet wurde. "Briefe einer Toten" ist laut Verlag der erste einer Reihe von Kriminalromanen um die Bologneser Privatdetektivin Giorgia Cantini. Allerdings konnte mich diese Private-Eye-Story aus weiblicher Sicht, die ziemlich routiniert heruntergeschrieben und recht "stylish" verpackt ist, nicht überzeugen. Zu viele Versatzstücke der Geschichte wirken allzu vertraut und können dann auch im Verlauf der Handlung keinerlei Originalität für sich in Anspruch nehmen. Kaum ein Satz, kaum einer der Einblicke in die Psychologie der Protagonisten blieb mir so z.B. in der Erinnerung haften. Und dass die Detektivin schon in ihrem ersten Fall im Grunde auf Selbstfindung aus ist, macht die ganze Sache noch schwerfälliger. Wie beinahe "naiv" dieser Detektivroman angelegt ist, zeigt sich wohl am besten in der Passage, in der die Heldin Giorgia von ihrem Job als Detektivin (S. 44-49) erzählt. Der geneigte Leser möge daran selbst erkennen und urteilen, ob ihn die "Briefe einer Toten" ansprechen oder nicht. Ich für meinen Teil werde den Eindruck nicht los, dass Grazia Verasani - eine Autorin mit fraglosem handwerklichen Können - hier eine für sie verführerische (und gleichwohl klischeehafte) Romanidee hatte und meinte, mit einem "coolen" Detektivinnenroman die passende Form dafür gefunden zu haben. Aber das genau schaffte Grazia Verasani meiner Einschätzung nach nicht. [ hs/07.07.2008 ]
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Krimi-Specials
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