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Parker, Robert B. Der gute TerroristOriginaltitel: "Now & Then" (G. P. Putnams Sons: New York 2007)
Unsere Meinung:Es gibt - und da werden mir selbst eingefleischte Fans von Robert B. Parker zustimmen - einige sehr gute, viele recht gute und schließlich auch ein paar deutlich weniger gute Spenser-Romane. "Der gute Terrorist" gehört zu Parkers deutlich weniger guten Romanen.
Parkers Spenser-Serie ist dennoch ein gut geöltes Maschinchen, das seit über drei Jahrzehnten fast Jahr für Jahr einen neuen Roman hervorbringt - Romane mithin, die vom Publikum jedoch nach wie vor geschätzt werden. Das Problem mit "Der gute Terrorist" liegt nun weniger in den hinlänglich bekannten Erzählmustern von Robert B. Parker. Parker ist nach wie vor ein Meister des Dialogs und bringt dabei immer noch genügend Sprachwitz auf, um routiniert für gute Unterhaltung zu sorgen. Doch Parkers erzählerisches Feuerwerk zündet offenbar nur, wenn er von seiner Story und seinen Figuren auch wirklich überzeugt ist. "Der gute Terrorist" wirkt dagegen wenig überzeugend, weil dem Roman zum einen die psychologische Tiefe fehlt, und er zum anderen sein ernstes Thema viel zu oberflächlich behandelt. Und hatte Parker noch in "Der stille Schüler" ein Thema auf den Punkt gebracht, so glaubte er hier wohl selbst nicht daran, dies zu schaffen. Der Ausgangspunkt der Geschichte ist der Auftrag eines FBI-Agenten Doherty an Spenser: Er soll dessen Frau hinterher spionieren, um ihrem äußerst seltsamen Verhalten der letzten Zeit auf den Grund zu gehen. Doch was folgt, ist beileibe kein Routinejob. Schon bald geschehen gleich drei Morde, mit denen sowohl der Auftraggeber, die Zielperson als auch ein anonymer Killer das Zeitliche segnen. Das schmeckt Parker selbstverständlich gar nicht und er beginnt ohne weiteren Auftrag zu ermitteln. Dabei stößt der toughe Detektiv schnell auf die seltsamen Machenschaften des Hochschulprofessoren Alderson, die sich verdächtig um die bis dahin erkennbaren Hintergründe der Morde ranken. Alderson ist ein radikaler politischer Aktivist mit Charisma und wird seit längerem verdächtigt, eine im Untergrund tätige terroristische "revolutionäre Zelle" finanziell zu unterstützen. Doch so sehr Alderson in die Morde verstrickt zu sein scheint, so wenig ist ihm offenbar beizukommen. Erst als Spenser beginnt, in der Vergangenheit Aldersons zu wühlen, sieht es so aus, als habe er den Hebel gefunden, um den geheimnisvollen Professor dranzukriegen und einen kaltblütigen Mörder zu stellen . . . Da Robert B. Parker schon zu Beginn zwei seiner Hauptdarsteller mühelos in den literarischen Orkus schickt, während sich manche Leser vielleicht noch fragen mögen: wer mit wem und weshalb und warum, triftet seine Handlung danach leicht ins Unglaubwürdige ab. Mehr oder weniger durch Zufall stößt Spenser auf einen terroristischen Hintergrund. Die Mühlen der polizeilichen Ermittlungen mahlen hier wie immer langsam, obwohl selbst der FBI ein starkes Interesse an der Aufklärung des Falles hat. Spenser in seiner gekränkten Berufsehre (sein Auftrag hat immerhin und wahrscheinlich zwei unschuldige Opfer gefordert!) bahnt sich deshalb seinen Weg auf den leuchtenden Pfaden der Selbstjustiz. Dabei stößt er auf jenen charismatischen Politaktivisten, der vor allem Frauen in seinen Bann zu ziehen vermag und dies offenbar weidlich für seine Zwecke ausnutzt. Der trickreiche Detektiv begibt sich und seine Lebensgefährtin, die Psychologin Susan, danach bewusst in Gefahr, obwohl er sich offensichtlich mit gewaltbereiten Terroristen und ihrem überaus klugen Kopf anlegen muss. Macht ja alles nichts, - der Detektiv hat ja nicht umsonst seine eigene Privatarmee. Und wer steht ihm gegenüber? Eine Gruppe von politischen Sektierern, die blind einem Führer folgen, der die 68er-Bewegung offenbar nicht ganz verkraftet hat. Spannend bleibt allein, ob wirklich jener verdächtige Hochschulprofessor Alderson der Drahtzieher hinter dem Ganzen ist. Doch mangels alternativen Personals muss der Leser zwangsläufig daran glauben. (Alderson ist übrigens ebenfalls Psychologe und macht sich - in einer Gegenoffensive? - an die hübsche Lebensgefährtin Spensers heran.) Und zumindest der eingefleischte Spenser-Fan wird sich darauf freuen, wie der hartgesottene Detektiv aus dieser kritischen Lage konsequent auf den Showdown zusteuert, um diese Nuss zu knacken. Fazit: "Der gute Terrorist" spielt mit ziemlich oberflächlichen Motiven. Über die "Terroristen" des Romans, seien es nun die "guten" oder die "bösen", über ihre Antriebe und Motivationen, erfährt man sehr wenig. Kein Wunder, denn Robert B. Parker schreibt dezidiert unpolitisch. Doch auch die beiden Psychologen des Romans bringen einem die Psychologie des Romans und die Handlungsweisen seiner Figuren nicht wirklich näher. Wären da nicht die endlosen Dialogstrecken, die permanent mit Witz, Zynismus und Schlagfertigkeit aufzutrumpfen versuchen, würde nicht hin und wieder doch die Meisterschaft und das Können des Autoren aufblitzen, man hätte den nackten Roman vor sich: ein dünnes, klappriges Gestell, dessen Geist vor so viel kaschierter Oberflächlichkeit vielleicht schon die Flucht angetreten hat. [ hs/11.09.2008 ]
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Krimi-Specials
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