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Davys, Tim AmbervilleOriginaltitel: Amberville (Albert Bonniers Förlag: Stockholm 2007) Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch Vergessen Sie Schafe, vergessen Sie Katzen, und betreten Sie den verrücktesten Tatort der Kriminalliteratur: von Stofftieren bevölkert. Sonst aber ist in Amberville alles in bester Ordnung. Die Häuser gleichen einander aufs Haar, und zwischen den gepflegten Vorgärten stehen weiß getünchte Holzzäune. Für Eric Bär, den ausgestopften Teddy, hat dieses geordnete Leben an einem späten Vormittag im April ein vorläufiges Ende: Sein ehemaliger Boss, der zwielichtige Kasinochef Nicholas Taube, bittet ihn um einen Gefallen. Eric soll für ihn die berüchtigte Todesliste beschaffen, auf der jeder Bewohner von Amberville irgendwann einmal landet. Niemand weiß, wer die Liste führt und wer sie hat. Aber Eric Bär verabschiedet sich von seiner Frau Emma Kaninchen und macht sich mit drei Freunden aus alten Tagen auf, die Liste um jeden Preis zu finden.
Status: Vergriffen Preis: 19.90 EUR Unsere Meinung:Es gab bei diesem Buch eigentlich schon nach 50 Seiten keinen Grund weiterzulesen, und selbst nach 100 Seiten erschloß sich mir kein weiterer Grund, mit der Lektüre fortzufahren, und dennoch zwang mich schließlich der Ernst der Lage erst auf S. 122, den Roman des schwedischen Autoren Tim Davys zunächst einmal beiseite zu legen. (Um ehrlich zu sein: Das Buch wurde an die Wand gepfeffert.) "Amberville" ist ein Roman, der in einer Phantasiewelt von Stofftieren spielt. Und Amberville selbst ist eine Stadt, die von einer geheimnisvollen Mafia beherrscht wird. Das stellt sich in der Folge für den Teddy-Bären Eric Bär und seine Freunde als ernsthaftes Problem dar, denn er bekommt von dem zwielichtigen Casino-Besitzer Nicholas Taube einen verhängnisvollen Auftrag: Sollte er nicht bis dato die legendäre "Todesliste" aufgetrieben haben, die wie ein Schatten über der (Unter)Welt Ambervilles liegt, muss seine Frau Emma Kaninchen dran glauben. Gangster Taube vermutet, bereits auf dieser Todesliste zu stehen, und er sucht so verzweifelt nach Mitteln und Wegen, sich darüber zu versichern und sich mittels weiterer Informationen und Hintergründen die eigene Haut zu retten. Nun, auch Stofftiere sind sterblich, und in Amberville erscheint der Tod als Abholer im offenen Lieferwagen, nämlich in einem "roten Pick-up" zu kommen (weshalb ich u.a. nicht verstehe, dass die Titelabbildung einen geschlossenen roten Lieferwagen zeigt). Eric Bär setzt in der Folge mit alten Freunden, die er schnell zusammentrommelt, alles daran, seine geliebte Emma K. aus der Schusslinie zu bekommen. Doch dazu muss er eben wohl oder übel jene ominöse Todesliste beschaffen ... Tim Davys, der sich hier wohl nicht ganz zu unrecht hinter einem Pseudonym versteckt, ist zweifellos ein phantasiebegabter Autor. Doch es gibt eben auch gute und schlechte Phantasien. Und so verschließt sich die Sinnhaftigkeit seiner Stofftierfabel so sehr, dass sich beim Leser schon früh nicht nur Kopfschütteln breit macht, sondern auch Unverständnis und Langeweile. (Das spiegelt nicht nur meine eigene Erfahrung als Kritiker wider, sondern ich habe je nach Möglichkeit mehrmals bei Lesern und Kunden nachgefragt.) So gibt es während dem ganzen Buch für mich keinen plausiblen Grund, diese "Mafia-Geschichte" in einem geheimnisvollen Stofftierland spielen zu lassen. Sinn und Form des Romans gehen unter im Gemisch einer überambitionierten Geschichte und zum Teil haarsträubend kindischen Erzählideen. Unerträglich wird dieses Gemisch durch den Gestus des Bedeutsamen: "Das Böse ist ein ernstes Thema. Viele haben sich damit beschäftigt, seine Definition ist eines der größten Probleme. Denn wenn man ein guter Bär sein will, muss man wissen, wie das Böse aussieht. Ich weiß, wie es aussieht." (Tim Davys: Amberville, S. 54) Hier spricht der Zwillingsbruder des Stofftiers Eric Bär (!) als Ich-Erzähler und will uns damit wohl von den bitteren Lebenserfahrungen eines ausgestopften Baumwoll-Polyester-Gemischs erzählen. Solcher Schwachsinn - wäre es übrigens wirklich blühender und völliger Schwachsinn, dann mochte es man noch leiden - wird uns auf den quälend langen dreihundertdreiundachtzig Seiten des Romans noch häufiger vorgetragen. Unvergesslich wird mir dabei leider sicher die Mottenszene auf S. 62 f. bleiben, wo die böse, böse Welt in das Puppenstuben-Idyll Ambervilles in Form einer Kleidermotte eindringt und die Bedrohung des Todes für Teddybär & Co. erst so richtig sinnlich wird. Was dann aber in späteren Passagen im Schutz des Lächerlichen und Infantilen erzählerisch "verbraten" wird, kann nur zur Kapitulation des Lesers führen. Der Roman suggeriert trotz der Ausgangskonstellation über weite Strecken noch Tiefsinn, heraus kommt aber nur einigermaßen eloquent formulierter verquirlter Quark und Blödsinn. Ein Buch hat einige Seiten. Dieses Buch hat zweifellos zu viele Seiten, die man bemängeln möchte. Dies reicht bis zum Klappentext und dem unvermeidlichen Verlagsmarketing, wo einem der Autor "Tim Davys" in der Art vorgestellt wird, dass hier ein Autor seinen ersten Roman und den unter Pseudonym geschrieben hat und dass er die Kriminalliteratur überdies gleich um eine neue Kunstform bereichert. Danach gelinge es "Amberville", "den klassischen Kriminalroman um die große Frage um Gut und Böse mit einer herrlich verrückten Geschichte um einen Haufen höchst menschlicher Stofftiere zu verbinden"; und es folgt dann noch, was ich nach Lektüre des Romans ernsthaft als Drohung auffassen muss: "Und es werden noch mehr Kriminalfälle aus Amberville folgen." (Alle Zitate aus den Klappen-/Einbandtexten). Zuletzt verrate mir noch jemand vom Piper Verlag, was dieses Buch in der bisher durchaus geschätzten Reihe "Piper Nordiska" zu suchen hat. Die reine Tatsache, dass ein mutmaßlich schwedischer Autor (wir kennen ihn ja nicht wirklich) unter dem angelsächsischen Pseudonym "Tim Davys" ein abstruses, sehr amerikanisch wirkendes Krimimärchen geschrieben hat? Fazit: Was haben wir mitunter nicht schon gelitten durch mehr oder weniger belanglosen Schaf-, Katzen- oder Trüffelschwein-Krimis. Tim Davys schlägt dem Fass nun den Boden aus. An diesem Buch stimmt wirklich auch gar nichts. Und es ist tatsächlich und buchstäblich das Schlechteste, was ich im bereits weit fortgeschrittenen Jahr 2008 gelesen habe. Zudem reicht mein Ärger über die verschwendete Zeit an diesem Buch so weit, dass ich allen Urhebern dieses Buches wünsche, ernsthaft einen Tag in der Vorstellungswelt dieses Romans verbringen zu müssen. [ hs/02.11.2008 ]
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Krimi-Specials
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