Titel: Nightmare

Finder, Joseph Nightmare

Originaltitel: "Power Play" (St. Martin’s Press, New York 2007)
Aus dem Amerikanischen von Christina Roth-Drabusenigg

Ein Survival-Training für Top-Manager. Mit dabei Jake Landry, dem seine Ex-Geliebte, eine Einladung verschafft hat. Kaum hat Jake sich eingerichtet, wird das einsame Luxuscamp überfallen. Was erst wie ein simpler Überfall aussieht, entpuppt sich bald als ein genialer Coup. Als die Erpresser ihren ersten Mord begehen und seine Freundin bedrohen, beschließt Jake zu handeln.

Autor: Finder, Joseph
Titel: Nightmare
Jahr: 2008-08
Seiten: 410 |
Verlag: Aufbau
ISBN: 978-3-7466-2449-5
Preis: 12.95 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

Der smarte Ingenieur Jack Landry wird zu seiner eigenen Überraschung von seinem Unternehmen, dem exklusiven Flugzeugbauer Hammond, zu einem Survival-Training in die kanadische Wildnis geschickt. Dort kommen allerdings nicht die Manager seiner mittleren Führungsebene zusammen, sondern die gesamte Führungsspitze des internationalen Flugzeugunternehmens.
Nicht nur das allein bereitet Jack ungute Gefühle, sondern auch die Tatsache, dass die neue `rechte Hand´ des Oberbosses von Hammond ausgerechnet seine Ex-Geliebte Ali ist. Außerdem läuft bei dem Unternehmen, das in einem harten Wettbewerb mit der großen Konkurrenz wie Boeing bestehen muss, derzeit nicht unbedingt alles rund.
Kaum sind die Spitzenmanager in dem Luxuscamp in der einsamen Wildnis an der kanadischen Pazifikküste angekommen, geschieht völlig Unvorhergesehenes: Eine scheinbar marodierende Gruppe von Wildjägern fällt in das Luxuscamp ein und bringt die Manager in ihre Gewalt. Was zunächst nur wie ein Überfall aussieht, stellt sich bald als brutale Geiselnahme und Erpressung heraus, hinter denen ein ausgeklügelter Coup steht ...

Joseph Finder versteht sich auf Krimiunterhaltung, die auf Hochspannung getrimmt ist, und weiß mit seinen durchdachten Plots und seinen ganz gut recherchierten Geschichten immer wieder interessante Einblicke in die Welt der Wirtschaft zu geben. So scheint Finder sich auch zuletzt nach einigen Geheimdienstromanen auf Wirtschaftsthriller spezialisiert zu haben, ein Feld, dass früher von Autoren/innen wie John Grisham ("Die Firma"), Robert Ludlum ("Das Scarlatti-Erbe") oder Annette Myers ("Blut fließt in der Wall Street") besetzt wurde und derzeit vor allem von jüngeren Autoren wie Michael Ridpath ("Die Marktmacher" / "Feindliche Übernahme"), Stephen Frey ("Der stille Teilhaber") oder auch dem Holländer Charles den Tex ("Die Macht des Mr. Miller") beackert wird. In der deutschsprachigen Kriminalliteratur sind es vor allem Wolfgang Schorlau ("Die blaue Liste" / "Fremde Wasser") und auf seine Weise auch Martin Suter ("Der letzte Weynfeldt" / "Die dunkle Seite des Mondes"), die in dieser Hinsicht aus der breiten Massenproduktion herausragen.

Alles in allem wird man bei Finders Thrillern, so wie auch hier bei "Nightmare", das Gefühl nicht ganz los, hinsichtlich des Unterhaltungswerts es doch nur mit etwas gehobener Konfektionsware und schnell gestrickter Masche zu tun zu haben. Joseph Finder hat wie viele seiner amerikanischen Thrillerkollegen viele bemerkenswerte Plotideen, eine temporeiche, spannende Erzählweise und blickt allemal erkennbar über den Tellerrand der puren Spannungsmache hinaus. Dennoch leiden seine Romane an Klischees und Schematismen: Das automatisierte Cliffhanger-Prinzip hängt einem so irgendwann zum Halse heraus, zumindest genügt es für den anspruchsvolleren Leser nicht mehr allein zum Lesegenuss. Auch die Figurenzeichnungen mit der fast unvermeidlichen romantischen Love Story sind aus diesem seriellen Krimiproduktionsprinzip kaum wegzudenken.
Dergestalt baut Finders Plot mit dem fortschreitenden Roman fast unmerklich ab. Gute Ideen verpuffen oder werden dem Zwang zur drehbuchtechnischen Verwertbarkeit geopfert. Kaschiert wird dies nur durch Finders Spannungstechnik. Zu allem Überfluss entpuppt sich sein Held Jack Landry hier im Laufe der Handlung in platter und unglaubwürdiger Weise als kleiner „Super-Held“, der es bald ganz allein gegen eine Bande von fiesen Schurken aufnimmt. Zudem schwant einem auch bald, wohin der Hase in der Handlung läuft, was es also mit diesem Coup auf sich hat, ein ganzes Unternehmen zu "kidnappen". - Der unvermeidliche Verräter in diesem Psycho-Spiel sei hier natürlich nicht verraten, doch dieses Moment scheint mir schließlich nur noch das letzte Indiz, wie sehr Finder seine Erzählung nach den Gesetzen des medialen Marktes ausrichtet, statt eine wirklich intelligente und gute Story abzuliefern. - - -

Fazit: Ein Bekannter von mir nennt solche Bücher "Flughafenlektüre". Und auch auf einer längeren Zugfahrt mag man sich mit "Nightmare" durchaus gut die Zeit zu vertreiben ...

[ hs/05.03.2009 ]
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