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Carlotto, Massimo Arrivederci amore, ciaoOriginaltitel: Arrivederci amore
Unsere Meinung:". . . Ich wusste nicht recht, was ich mit einer Frau anfangen sollte, die keine Lust hatte, mir den Schwanz zu lutschen oder ihn hinten rein zu bekommen. Dafür hatte sie andere Qualitäten, und weil ich sie heiraten wollte, machte ich keine große Sache daraus. Sie war liebevoll, zuvorkommend und ging einem nicht auf die Eier. Und sie war fleißig im Haushalt. Ich war gern mit ihr zusammen. Sie stopfte die Löcher in meinem Leben. Nachts. In der Freizeit. Als Paar machte alles mehr Spaß. Endlich begriff ich, warum die Leute eine Ehe eingehen, und ich verlor keine Zeit, sondern brachte die Sprache schnell aufs Heiraten. Um ihre kitschigsten Träume zu erfüllen, fuhr ich eines Mittwochabends mit ihr nach Venedig. Großes Restaurant und Gondelfahrt samt Serenade . . ."
(Massimo Carlotto "Arriverderci amore, ciao", S. 154) Die Hauptfigur dieses Romans, Giorgio Pellegrini, ist eine verkrachte kriminelle Existenz und hat in seinem Leben praktisch nur Mist gebaut. Dabei war er sich noch nie eines Verbrechens zu schade und ging mithin skrupellos über Leichen. Seine illustre kriminelle Karriere als ein in Italien gesuchter Linksterrorist und gescheiterter Söldner ("Freiheitskämpfer") in Mittelamerika endet für den Loser mit seiner Rückkehr nach Italien bald folgerichtig im Knast. Das alles kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Giorgio nach oben und endlich zu den Gewinnern gehören will. Deshalb dient er sich im Gefängnis auch sofort als Spitzel an und schafft damit tatsächlich früher als gedacht seine Freilassung. Sein Wunschtraum ist es, ein "normales" bürgerliches Leben zu führen: Mit Frauen, Geld, großen Autos und dem entsprechenden öffentlichen Ansehen. Dagegen sprechen aber u. a. seine Strafauflagen, laut denen er als Ex-Terrorist erst nach fünf Jahren Bewährung wieder die vollen Bürgerrechte erlangen kann. Als er schließlich aus dem Knast entlassen wird, ist er völlig abgebrannt und muß sich zunächst in einem Puff als Handlanger verdingen. Dort will er sich mit allen Mitteln das Kleingeld verdienen, um sich irgendwann aus dem Rotlichtmilieu abzusetzen und seine kriminelle Vergangenheit abzustreifen. Bald bietet sich ihm mit einem brutalen Coup die Chance dazu, die er auch kaltblütig mörderisch nutzt. Gleich darauf setzt er sich ab und landet er in einer nicht näher bezeichneten norditalienischen Stadt im Veneto, wo er an den genauso zwielichtigen wie nach außen hin ehrbaren Anwalt Brianese gerät. Der will ihm nach entsprechendem Geldtransfer mit Hilfe seiner mafiösen Seilschaft helfen, eine bürgerliche Existenz aufzubauen. Doch bis dahin will noch manches (recht lebendige) Hindernis überwunden werden . . . Wäre dieser Roman nicht so schnörkellos und in seiner Ich-Erzählung nicht so gnadenlos direkt erzählt, man hätte es hier wohl mit einer galligen Satire zu tun. Massimo Carlottos Innenansicht eines skrupellosen Kriminellen ist aber ganz offensichtlich nicht als Humoreske gedacht, selbst wenn hier z. B. die Gewalt im trockenen, ironisierenden Ton einer "pulp fiction" vorgetragen wird. Die Bemühungen Giorgios, ein redlicher Bürger zu werden, steigern sich gleichwohl auf makabre und sarkastische Weise ins Witzige, vor allem immer dann, wenn es um die rüde Sexualmoral des miesen und narzisstischen Kleinkriminellen geht, um „Sex“, der ihn nie wirklich in einen befriedigenden Zustand versetzt, sondern ihn immer nur vor neue Gefahren seiner prekären Existenz stellt. Massimo Carlottos Figur des Giorgio Pellegrini ist ein wahrer Mistkerl, - eine Einsicht, die der Protagonist im Roman allenthalben selbst mehrmals formuliert. Aber er ist gleichzeitig ironischerweise auch ein nur vordergründig absurder Vertreter eines bürgerlichen Idealismus, - das macht ihn in der Folge zum tragischen Anti-Helden, weil er letztlich nur mit einer Aneinanderreihung von Verbrechen zur "Rechtschaffenheit" gelangt und überdies weiß, dass er nur auf diesem Weg seinen gesellschaftlichen Status zukünftig wird halten können. Mit den `Häutungen des Giorgio Pellegrini´ liefert uns Massimo Carlotto nicht nur die Innenansicht eines typischen italienischen Kriminellen und ganz nebenbei einen kleinen Abgesang auf radikale Spielformen des sozialistischen Utopismus, sondern führt uns auch ein monströses Panoptikum einer italienischen Gesellschaft vor Augen, die nach 50 Jahren offenbar wieder an der Schwelle zum Faschismus angelangt ist. The Italian Way of Life? - All das macht dieses tendenziell beunruhigende Buch noch lesenswerter. [ hs/21.02.2007 ] Diese rezension bezieht sich auf die Ausgabe vom Februar 2007
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Krimi-Specials
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