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Tex, Charles den Die Macht des Mr. MillerOriginaltitel: De macht van meneer Miller
Unsere Meinung:"Mir drehte sich alles. In kleinen Schlucken nippte ich von dem glühend heißen Kaffee und nach und nach fing ich an, über die Geschehnisse nachzudenken, was nicht gerade aufmunternd wirkte. Auf dem kleinen Tischchen klappte ich meinen Laptop auf, stöpselte mein Handy ein und ging ins Internet. Ich musste Verbindung aufnehmen. Zu irgendjemandem."
(Charles den Tex, Die Macht des Mr. Miller, S. 227) Michael Bellinger ist ein junger und erfolgreicher Unternehmensberater bei der international operierenden Amsterdamer Consultingfirma HC&P. Doch dann gerät sein Leben nach einigen überraschenden Ereignissen völlig aus dem Gleis. Alles beginnt mit der Rückkehr seines innig geliebten Bruder Kees nach jahrelangem USA-Aufenthalt, denn dieser ist zu Michaels Entsetzen buchstäblich völlig verändert ... Das Unaussprechliche zieht bei dem ehrgeizigen Erfolgsmenschen nicht nur einen Nervenzusammenbruch nach sich, sondern reißt ihn urplötzlich in eine umfassende Lebenskrise. So vernachlässigt er während tagelanger Sauftouren seine Arbeit und seine hochrangigen Geschäftskunden aus Politik und Wirtschaft. Nun ist das Unternehmungsberatungsgeschäft bei HC&P noch gnadenloser als anderswo, und als wäre die drohende Kündigung nicht genug, wird Michael eines Nachts in den Räumen seiner Firma zu allem Überfluß noch unfreiwilliger Zeuge eines Mordes. Schneller als ihm lieb ist wird Michael klar, dass dieser Mord an einer Firmenmitarbeiterin von Verantwortlichen des Unternehmens eingefädelt wurde. So ist er schon bald auf der Flucht, weil er von der Polizei der Täterschaft verdächtigt wird und weil er weiß, dass er die dunklen Machenschaften seiner Vorgesetzten und seine Unschuld nur in Freiheit wird beweisen können . . . Mein Eindruck zu dem Computerthriller "Die Macht des Mr. Miller" ist sehr zwiespältig. Einerseits liest er sich sehr temporeich und spannend, andererseits kapriziert er sich schon etwa nach einem Drittel der Handlung redselig auf eine globale Verschwörungstheorie, die man über lange Strecken des Romans zwar gerne gruselnd nachvollziehen möchte, die dann aber letztlich doch fast auf das Niveau Normalnull der einschlägigen Trivialliteratur zurückfällt. Schade, denn die kritischen Versatzstücke des Thrillers sind durchaus bemerkenswert: Mit genauso einfachen wie spannenden Mitteln gibt den Tex nicht nur eine bedrückende Innenansicht von international tätigen Unternehmungsberatungen und ihren Managern, sondern weist damit auch auf die potenzielle Macht von multinationalen Unternehmen wie McKinsey & Co. hin. Daß solche einflussreichen politischen (!) Akteure ihre Machtinteressen auch systematisch auf globale Netzwerke wie das Internet ausdehnen, nimmt man dem Autoren gerne ab - auch ohne seinem Verschwörungsszenario glauben zu wollen. So macht er die Gefahr einer zunehmend unkontrollierbaren Machtkonzentration auf der Basis neuer Technologien sehr gut deutlich. Ebenso liegt die von ihm gezogene Verbindung zu "klassischen" politischen Heilsbewegungen und ihren radikalen Weltbildern nicht allzu fern. Nur über die Psychologie und den innersten Antrieb seiner "bösen" Protagonisten verrät uns den Tex dann leider doch zu wenig. Charles den Tex schrieb seinen Thriller übrigens und nicht ohne Grund zeitnah zu dem Mordattentat an dem Filmemacher Theo van Gogh (ermordet am 2.11.2004 in Amsterdam), die das öffentliche Leben in den Niederlanden von Grund auf veränderte. Daß es den Tex nun letztlich doch nicht überzeugend gelingt, seinen politisch brisanten Stoff in eine genauso spannende wie intelligente Thrillerhandlung zu packen, liegt meiner Meinung nach an ein paar einfachen plottechnischen Fehlern, Schwächen in der Figurenzeichnung und nicht zuletzt an dem zu schnellen Rückgriff auf die üblichen Manierismen von Verschwörungsthrillern. So erfährt man beispielsweise den Grund des Schocks und des darauffolgenden Totalzusammenbruchs Michael Bellingers angesichts des zurückgekehrten Bruders (nämlich eine Geschlechtsumwandlung) erst sehr spät. Dieser erzählerische Trick, die Leser im Ungewissen zu lassen, wirkt hier aber ziemlich aufgesetzt und schadet dem Fortlauf der Handlung eher als dass es ihr nützt. Und weshalb die sehr berechnenden Vorgesetzten Bellingers nun ausgerechnet eine einfache Verwaltungsangestellte und zumal so stümperhaft aus dem Weg räumen mußten, das bleibt eines von mehreren Geheimnissen des niederländischen Autoren den Tex. Dieser hat zwar einen durchaus spannenden und unterhaltsamen Roman geschrieben, hier aber die Chance zu einem wirklich hochklassigen Thriller fast fahrlässig verspielt. [ hs/12.04.2007 ] Diese Rezension bezieht sich auf die Ausgabe vom Februar 2007
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Krimi-Specials
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