Titel: Das Mörderische neben dem Leben

Wörtche, Thomas Das Mörderische neben dem Leben

Ein Wegbegleiter durch die aktuelle Krimiwelt
Das 20. Jahrhundert der Kriminalliteratur / Das Mörderische und das Komische.
Über das Lachen in Romanen von Dashiell Hammett, Jonathan Latimer, Eric Ambler, Chester Himes, Joseph Wambaugh, Ross Thomas, Robert Littell, Edmund Crispin, Pieke Biermann, Joe R. Lansdale, Reginald Hill, Jerome Charyn, Jean-Patrick Manchette, William Marshall, Paco Ignacio Taibo, Rubem Fonseca, Mongo Carl Hiaasen u. a..
Das Versagen der Kategorien. Über Georges Simenon / SPRENGFALLEN. Eric Ambler und die Poetik des Pragmatischen It Does Make Sense! Chester Himes und sein 20. Jahrhundert in den USA und Europa / Patrick OBrian: ein perfekter Zyklus von Spionageromanen / Die Verweigerung von Eindeutigkeit. Der argentinische Illustrator Alberto Breccia und sein graphic novel. / Die Mafia. Die Medien. Das alltägliche Verbrechen im Neoliberalismus. / Literatur in den Strudeln der Praxis: Wie eine neue Krimireihe entstand, bald schon der Zug des Global Crime in Fahrt kam und was es sonst noch im Rückblick zu erzählen gibt. / Die 13 besten Kriminalromane im Klartext

Autor: Wörtche, Thomas
Titel: Das Mörderische neben dem Leben
Jahr: 2008-10
Seiten: 208 | Hardcover
Verlag: Libelle
ISBN: 978-3-905707-21-2
Preis: 19.90 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

Gute Sekundärliteratur zum Thema Kriminalliteratur ist selten. Meist stößt man auf unlesbar langweilige Abhandlungen, Dissertationen oder Tagungsberichte, die dann auch noch oft am Kern der literarischen Bedeutung und der vitalen Wirkungskraft des Genres vorbeizielen. (Immerhin ist etwa ein Drittel aller in Deutschland veröffentlichten Belletristik Kriminalliteratur, die nicht nur auf den einschlägigen Bestsellerlisten ihre Allgegenwärtigkeit unter Beweis stellt.) Und selbst wenn es neben der allzu oft betriebsblinden Literaturwissenschaft noch verlagsseitig populärwissenschaftliche Projekte wie das Krimijahrbuch gibt, sie verschaffen eher einen allgemeinen Überblick, als dass man mit ihnen den ernsthaften Versuch unternehmen könnte, die "Materie" zu durchdringen.
Ganz anders Thomas Wörtches "Mörderisches Leben". Diese gut zusammengestellte Sammlung von Essays, Kolumnenbeiträgen und anderen Texten von 1993-2009 des kritischen Publizisten und beinahe schon legendären Krimiexperten liest sich überaus aufschlussreich. Gleichzeitig offenbart sie uns in aller Vielseitigkeit, was Kriminalliteratur war, was sie ist und was sie sein könnte. Welche Hintergründe und Bedeutung hat denn diese in der Entwicklung überraschende Präsenz im allgemeinen Literatur- und Medienbetrieb? Spiegelt sich darin womöglich gesellschaftliche Einstellungen und Entwicklungen wider?
Geschieht dies manchmal auch in einem recht schnoddrigen Ton des Tagesgeschäfts heraus, so erfährt man doch beinahe en passant sehr viel über die Entwicklungslinien der modernen internationalen Kriminalliteratur. Unterscheidungen zwischen E- und U-Literatur interessieren Wörtche nicht. Dennoch zeigt er einen sehr feinen Sinn für unterschiedliche Qualitäten und den Blick für das Entscheidende. Ein sinnvolles Gespräch oder ernsthafter "Diskurs" über Literatur muss zudem nicht zwangsläufig und ausschließlich "akademisch" sein. Der Untertitel dieses aufklärerischen Buches lautet deshalb richtig "Ein Wegbegleiter durch die Welt der Kriminalliteratur", denn dieses Versprechen hält es auch.
Da es an diesem "Wegbegleiter" für sich genommen nun aber allzu wenig zu kritisieren gibt, halte ich meine durchaus differenzierte Meinung zu diesem herausragenden Stück Sekundärliteratur hier einmal buchstäblich für ebenso sekundär und rate allen Interessierten primär nur noch dazu, sich dieses genauso scharfsinnige wie nicht zuletzt auf seine Weise "witzige" Buch selbst bald einmal vorzuknüpfen. (Wir können ja dann einmal darüber reden, wenn Sie zum Beispiel bei uns im Laden sind . . .)

[ hs/07.05.2009 ]
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