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Zivkovic, Zoran Das letzte BuchOriginaltitel: Poslednja Knjiga
Unsere Meinung:„Glaubst du, sie hören uns ab?“
„Das ist ein gängiges Verfahren.“ „Und dann behaupten sie, wir leben nicht in einem Polizeistaat!“ (Zoran Zivkovic: Das letzte Buch, S. 114) Es ist schon befremdlich, wie hier die Verlagswerbung von dtv hier auf die „Tube drückt“: „Ein postmoderner Thriller vom Meister des schwarzen Humors“ heißt es da reißerisch auf dem Buchcover dieser netten Klappenbroschur. - Um also drei Irrtümern gleich vorzubeugen: Irrtum eins: Der schwarze Humor hält sich in dem Buch doch deutlich in Grenzen. Irrtum zwei: Unter der Rubrik „Thriller“ kann dieser eher nüchtern und umständlich erzählte Kriminalroman ganz sicher nicht laufen. (Mein einziger Nervenkitzel bei diesem Buch bestand darin, für diese Rezension noch einmal die Eselsohren und Belegstellen für meine Behauptungen und Aussagen zu finden.) Und dann Irrtum drei: „postmodern“. Da muss ich als geneigter Leser schon noch einmal in Wörterbüchern und Lexika nachlesen, um für mich selbst dieses marketingtechnische Label einzuordnen. Die intellektuelle Strömung der Postmoderne wendet(e) sich gegen den Totalitätsanspruch der Welterklärung durch die „Moderne“ und war eine intellektuelle Bewegung, die u.a. mit Michel Foucault, Jacques Derrida und Roland Barthes vor allem von Frankreich aus eine starke Wirkung entfaltete. Der serbische Autor Zoran Zivkovic transportiert in seinem schmalen Roman zwar einen intellektuellen Anspruch, dies jedoch auf einem so relativ simplen und theoriefreien Niveau, das man sich nun als Leser/in darüber im Besonderen keinen Kopf machen muss. Auch keinen postmodernen Kopf. Postmodernisten kritisierten an der Vorstellung der permanenten gesellschaftlichen Modernisierung, die unseren zivilisatorischen Gesellschaften eingeschrieben ist, im Übrigen den systemimmanenten Zwang zur Veränderung und der deterministischen Geschichtswahrnehmung, woraus manche „postmodernen“ Kritiker gar einen totalitären Machtanspruch der sogenannten Moderne herleiteten, denn sie dementsprechend unterminieren und bekämpfen wollten. An diesem Punkt hätte es bei dem Roman spannend werden können (wurde es aber nicht), denn um die menschliche Verfasstheit in totalitären Systemen scheint es darin irgendwie tatsächlich zu gehen ... Doch bevor diese kleine Diskussion zu sehr ausufert, kehren wir lieber wieder zurück zu unserem guten Zoran Zivkovic (der übrigens nichts mit dem gleichnamigen ehemaligen serbischen Ministerpräsidenten zu tun hat): Sein kleines Büchlein eines „postmodernen Thrillers“ zu verdächtigen, was das auch immer sein mag, das scheint mir also insgesamt als ziemlich ausgemachter Blödsinn! Am ehesten könnte man ihn selbst vielleicht noch als post-totalitären Autoren bezeichnen, denn genau das, die Nachwirkungen der osteuropäischen Diktaturen spielen bei ihm eine deutlich erkennbare Rolle. So weit, so gut, so kurz. Dass Zoran Zivkovic als Serbe weiß, wovon er hier ironisch schreibt, liegt auf der Hand. Dazu waren Staaten und Gesellschaften wie Jugoslawien, Ex-Jugoslawien und sonstige jugo- oder slawischen Splitterstaaten dieses aufrührerischen und gewalttätigen Fleckens zwischen Donau und Mittelmeer ja in der Vergangenheit nicht umsonst eindeutig diktatorisch und in vielen Ansätzen zudem totalitär ausgerichtet. Nur Zivkovic bringt davon nur denkbar wenig zur Sprache. Damit endlich zum Buch selbst: Es ist eine düster umfangene Liebesgeschichte zwischen einem lakonischen und literarisch bewanderten Kommissar und einer Buchhändlerin. Der Buchhändlerin – sie heißt Vera - sterben aus mysteriösen Gründen plötzlich reihenweise die Ladenkunden hinweg. Kommissar Lukic ermittelt zu diesen Todesfällen und verliebt sich in Vera. Dass er nebenbei gerne Krimis liest und der anderen Literaturliebhabern niemals vorenthält, welch große Stücke er auf Umberto Ecos „Der Name der Rose“ hält, ist dabei nur kleines, nicht unwichtiges Detail dieser anspielungsreichen Geschichte. Der Kommissar kommt neben seiner aufblühenden Liebe zur Buchhändlerin bei der Aufklärung der mysteriösen Todesfälle auf einigen Umwegen schnell auf eine heiße Spur. (Der ganze Roman spielt sich etwa innerhalb einer Woche ab.) Diese führt ihn einerseits auf eine mysteriöse Sekte und Endzeitgesellschaft, andererseits gerät er ins Visier der serbischen Staatssicherheit, die hier in irgendeiner Form ihre Finger und Hände im Spiel hat. – Der Fall liegt ihm deshalb bald ziemlich schwer im Magen, und er beginnt angesichts der weiteren Vorfälle denkbar schlecht zu träumen, da in der Folge epedemieartig noch einige weitere Buchliebhaber inner- und außerhalb der Buchhandlung „Papyrus“ dahingerafft werden. Etwas gelangweilt durch viele Wiederholungsmomente fragt sich da allerdings auch der geneigte Leser bis zum – dann eigentlich doch recht wenig überraschenden - Ende: Was geht hier vor? Gibt es da tatsächlich ein geheimnisvolles Buch, das auf noch geheimnisvollere Weise seinen Leser/innen ums Leben bringt? Und wer steckt letztlich hinter dieser ganzen Geschichte? Dieser phantastische Kriminalroman von Zoran Zivkovic bewegt sich in etwa in der Tradition von Stanislaw Lem und des literarisch angehauchten Rätselkrimis. Er gelangt aber niemals auf deren Niveau. Dazu ist der Roman meiner Meinung nach viel zu naiv und klischeehaft erzählt. Darüber hinaus ergeht er sich nur in Andeutungen, so dass der Kommissar und seine Geliebte Vera unter der ständigen Beobachtung der Staatssicherheit stehen. Hier überkommt einen das kalte Gefühl und die graue, sterile Stimmung, wie sie in Osteuropa zu Zeiten des Eisernen Vorhangs herrschten. Der Autor tritt dann jedoch mit klischeehaften Traumsequenzen und nebulös gehaltenen Bedrohungsszenarien (durch die Sekte, durch den serbischen Geheimdienst) leider nur die Flucht ins rein Phantastische an ... Zivkovic bemüht sich um eine leichtfüßige und humoristische Erzählung seiner düsteren Weltsicht. Doch dass ist ihm trotz seiner satirischen Anklänge nur mit Abstrichen gelungen. Sein Roman erscheint handwerklich sauber, aber man wird seltsamerweise nie das Gefühl los, dass dieser sogar 2007 noch für, mit oder wegen einer noch herrschenden Zensur geschrieben wurde. Oder ist das nur ein weiterer ironischer Seitenhieb? Fazit: Das alles ist unserer Meinung nach nur bedingt genießbar. Ein Buch wie eine zu dünne und fade Soljanka. [ hs/28.06.2009 ]
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Krimi-Specials
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