Titel: RickeRacke - Ein

Rauch, Josef RickeRacke - Ein "Max und Moritz"-Krimi

Ungewöhnlich, aber dennoch ziemlich banal erscheint das Abschlachten von vier Hühnern, die seltsam arrangiert auf dem Einödhof gefunden werden. Ein blöder Kinderscherz? Den Beteiligten vergeht aber ziemlich schnell das Lachen, als sie merken, dass der ›Hühnermörder‹ mit wachsender Brutalität das ganze Repertoire der Max-und-Moritz-Streiche nachspielt. Der Bauernhof wird zum Schauplatz bizarrer Ereignisse.
Das Buch enthält die Abbildungen einer kompletten „Max und Moritz“-Ausgabe.

Autor: Rauch, Josef
Titel: RickeRacke - Ein "Max und Moritz"-Krimi
Jahr: 2008-10
Seiten: 144 |
Verlag: M. Naumann
ISBN: 978-3-940168-27-6
Preis: 14.00 EUR

Status: Lieferbar

Preis: 14.00 EUR

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Unsere Meinung:

„Gott sei Dank! Nun ist's vorbei mit der Übeltäterei.“
(Wilhelm Busch)

Ein Großstadtdetektiv wird aufs Land gerufen und von einer Bäuerin beauftragt, mysteriöse Hühnermorde auf ihrem Hof aufzuklären. Doch als er dort ankommt und eine ziemlich konsternierte und verzweifelte Landfamilie mit Bauer, Bäuerin und blutjunger Bauerstochter vorfindet, geschehen darauf gleich in kurzer Folge weitere Anschläge auf Hof und Gut. Der Verdacht liegt nahe, dass der Familie auf dem Aussiedlerhof von bösen Zeitgenossen aus dem naheliegenden Dorf böse Streiche gespielt werden.
Gleichzeitig stößt der Detektiv, der sich in der für ihn sehr befremdlichen Situation und Umgebung sehr unwohl fühlt, bald eher durch Zufall auf ein bemerkenswertes Tatmuster der „Attentäter“: Hier werden offenbar mit einer ordentlichen Portion Bosheit und schwarzem Humor die Streiche aus dem Kinderbuchklassiker „Max und Moritz“ nachgeahmt. Als der Bauernhof dann schließlich frei nach Motiven des 3. Max und Moritz’schen Streiches (Brückeneinsturz) buchstäblich von der Außenwelt abgeschnitten ist, spitzt sich die Situation bedrohlich zu ...

Bemerkenswertes aus der fränkischen Provinz: Der Regionalverlag M. Naumann, der sich neben mundartlicher Literatur auf Sach- und Kochbücher mit regionalem Bezug spezialisiert hat und kurioserweise auch Klassiker der Weltliteratur in verschiedenen Mundarten herausbringt (z.B. Alan Alexander Milnes Winnie Puh auf Fränkisch, Plattdüütsch, Hessisch, Pfälzisch oder zuletzt auch George Orwells „Farm der Tiere“ auf jiddisch); dieses umtriebige Verlagshaus hat es sich offenbar wie viele andere nicht nehmen lassen, eine kleine Regionalkrimireihe zu etablieren. Kraut und Rüben – möchte man da vielleicht auf den ersten Blick denken. Doch der zweite Blick darauf lohnt sich durchaus:

Denn dem angehenden Krimiautoren Josef Rauch ist mit seiner bösen Posse „Rickeracke“ ein durchaus bemerkenswertes Stück schwarzhumoriger Kriminalliteratur gelungen. Es ist ein Stück mit sieben Streichen bzw. Akten und lehnt sich stilistisch mindestens so sehr an die Detektivromane von Raymond Chandler wie motivisch an Wilhelm Busch. Und im Verlauf der Handlung tun sich dann bis zuletzt wahre Abgründe auf, so dass selbst der namenlose Detektiv des Stücks sich am Schluss buchstäblich „am Ende der Welt“ wähnt.

„Rickeracke“ glänzt in dieser schwarzhumorigen Erzählung streckenweise durchaus mit pointiertem Wortwitz ...

„Sie hatte sich also tatsächlich dazu durchgerungen, verbal mit mir zu kommunizieren. Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Schritt für meine Ermittlungstätigkeit.“
(Josef Rauch, Rickeracke, S. 35)

... der aber sprachlich oft etwas gespreizt daherkommt und mit seinen Gags nicht immer wirklich zündet:

„Er glotzte mich an wie ein Eskimo, den man gefragt hatte, wo denn die Kokosnüsse waren. Okay, er wusste also nicht, was ein Feuerlöscher war, und wenn er es wusste, hatte er noch keinen gesehen, und selbst wenn er schon einen gesehen hatte, hatte er keinen im Haus (...)
Komisch nur, dass ich mich fühlte wie ein Abführzäpfchen, nämlich voll im Arsch (...)“
(Josef Rauch, Rickeracke, S. 72)

Das wirkt in der teilweisen Aneinanderreihung von eher mäßigen Kalauern auf Dauer und über die volle Länge reichlich überstrapaziert. Rauchs erzählerische Linie ist zwar genauso gut (wie motivisch vorgegeben), doch leider wimmelt seine ironische Sprache eben nur so von schrägen Vergleichen und seltsamen Metaphern.
An dieser beinahe epidemischen Krankheit so vieler deutscher Krimiautoren hat sich demnach auch Rauch infiziert. Weniger davon wäre mehr und besser gewesen und hätte sein in Wahrheit recht düsteres und ernstes Schelmenstück dann vielleicht sogar aus dem kriminalliterarischen Einheitsbrei und den unergründlichen Weiten der Kleinverlegerei herausgehoben. Überdies folgt die etwas leutselige Dramaturgie seines Krimis letztlich leider zu sehr und zu schematisch Wilhelm Buschs Bilderzählung „Max und Moritz“. Damit hat es sich der Autor (oder vielleicht auch sein sonst recht ordentliches Lektorat) zu einfach gemacht. Gezieltere Arbeit an den Dialogen und eine glaubwürdigeren Figurenzeichnung (vgl. u.a. den plötzlichen Sprachausfluss des Bauern auf S. 68) wären der Erzählung zuträglicher gewesen als das wiederholte Abzünden kleiner Sprachkracher.
Dennoch haben die Krimis von Josef Rauch offenbar durchaus mehr Potenzial. Und dass er mit „Rickeracke“ und nach seinem Erstling „Der Fall Urbas“ wohl unausgesprochen bereits einen zweiten Roman um seinen Fürther Privatdetektiv Philipp Marlein (!) geschrieben hat, soll deshalb an dieser Stelle auch nicht unerwähnt bleiben.

Fazit: Man möchte dem Autor so zuletzt noch einmal Wilhelm Busch mit auf den Weg geben: „Er setzt sich an eines Tisches Mitte, nimmt zwei Bücher - und schreibt das Dritte.“
[ hs/02.01.2009 ]
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