Titel: Keiner rennt für immer

Stark, Richard Keiner rennt für immer

Originaltitel: Nobody Runs Forever
Aus dem Amerikanischen von Nikolaus Stingl

Bankenfusion in der Kleinstadt. Parker erfährt davon von einem Vertrauensmann, dem allerdings nicht wirklich zu trauen ist. Komplizierter wird die Sache noch dadurch, dass die Frau des Bankdirektors ein Techtelmechtel mit dem Tippgeber hat. Außerdem sucht ein Kopfgeldjäger nach dem Spitzel, den Parker verschwinden lassen musste, noch bevor das Unternehmen überhaupt startete. Jeder will an das Geld, aber keiner hält sich an die Abmachungen, sodass der Aktionsplan für den Überfall ständig korrigiert werden muss - ein schwieriger Job für Parker, der für Präzision berüchtigt ist, aber auch dafür, dass er keine Kumpel kennt und kein Erbarmen mit Pfuschern.

Parker Bd.22.

Autor: Stark, Richard
Titel: Keiner rennt für immer
Jahr: 2009-02
Seiten: 288 | Taschenbuch
Verlag: Zsolnay
ISBN: 978-3-552-05463-9
Preis: 16.90 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

Kaum hatte sich Richard Stark alias Donald E. Westlake, ein wirklich großer Autor der amerikanischen Kriminalliteratur, im Herbst 2008 wieder mit einer Lesereise und zwei neu veröffentlichten Kriminalromanen beim deutschen Krimipublikum in Erinnerung gebracht, da hat bei dem 75jährigen am 31.12.2008 noch vor der Jahreswende der Tod an die Tür geklopft. Mr. Westlake ging mit ihm und verabschiedete sich doch recht plötzlich von seinem ungeheuer schaffensreichen Leben, das mit seinen Figuren, Geschichten und Romanen bereits in die Mythologie der Kriminalliteratur eingegangen ist.

Doch dies hier soll kein Nachruf werden, höchstens frischgepflanzte Blumen aufs Grab. Denn seit dem Erscheinen seines Parker-Romans „Fragen Sie den Papagei“ im Juli 2008, der jüngst zurecht mit dem Deutschen Krimipreis (International) ausgezeichnet wurde, und der Wiederveröffentlichung von „Mafiatod“ (OT: „364“), blüht die Aufmerksamkeit und Wertschätzung für den hierzulande fast vergessenen Autoren wieder auf. Keines seiner früheren Bücher ist derzeit mehr lieferbar, gleichzeitig nimmt die Nachfrage nach seinen älteren Titeln fortschreitend zu, wie wir aus unserer Ladenerfahrung im „Hammett“ sozusagen aus erster Hand berichten können. „Really good stuff“, meinte neulich ein deutscher Kunde in englischem Jargon. – und wir pflichteten ihm ohne Weiteres bei.
Nun wird das derzeit sehr ungünstige Verhältnis von Angebot und Nachfrage nach Stark-Westlake-Romanen durch die Neuveröffentlichung „Keiner rennt für immer“, die jetzt Anfang Februar erschienen ist, gemildert:

„Keiner rennt für immer“ ist ein typischer Parker-Roman. Knapp, hart, präzise, trocken, aber nicht ohne hintergründigen Humor. „Cool“ eben, wie manch andere Kritiker und Fans sagen würden. Und „Keiner rennt für immer“ zeigt auf recht trockene und witzige Weise, was bei der Planung eines Verbrechens alles schief laufen kann. Nein, nicht nur „shit happens“, sondern die geradezu existenzielle und lebensbedrohliche Verfangenheit von Beziehungen, seien sie nun krimineller, sexueller oder geldgieriger Art.

Leicht irritierend mag für die Leser allerdings wirken, dass man am Ende von „Keiner rennt für immer“ (2004) plötzlich am Anfang von „Fragen Sie den Papagei“ (2006) steht. Der Zsolnay Verlag hat seinen gewagten Versuch, die Romane Richard Starks wieder ins deutsche Krimibewusstsein zu rücken, wahrscheinlich wohlüberlegt mit dem „Papagei“ gestartet. Der Grund liegt wohl darin: „Keiner rennt für immer“ ist zwar kein schwaches Buch, aber doch eindeutig der schwächere von beiden Romanen.
So wie der geplante Coup hier letztlich wegen zu vielen Mitwissern und anderen buchstäblich unberechenbaren und widerstreitenden Faktoren danebengeht (so viel dürfen wir verraten!), so fehlt dem Roman auch insgesamt ein wenig die Linie. Sehr schön sind dabei aber immer wieder die beinahe szenischen und lakonischen Kapitelabschlüsse, mit denen einem von Mal zu Mal deutlicher wird, dass hier etwas gründlich schief geht:

McWhitney seufzte und ließ die Automatic unter seinem Jackett verschwinden. „Ich sage dir, was passiert ist“, sagte er. „Ich bin auf einen uralten Trick hereingefallen.“
„Ja?“
„Dieser Keenan, der kommt zu mir und erzählt, du hättest ihm gesagt, er soll mich fragen, wo er Harbin finden kann.“
Dalesia lachte. „Warum sollte ich so was tun?“
„Das war genau meine Frage. Was du vorhast. Dabei hast nicht du was vorgehabt, sondern Keenan. Das ist der alte Trick, er erzählt mir, du hättest ihm dies oder jenes erzählt, dann soll ich denken, es ist okay, wenn ich ihm noch mehr erzähle.“
„Er hatte keine Ahnung, was los war.“
„Keine“, pflichtete McWhitney bei.
„Dann hat er also einen großen Fehler gemacht.“
„Ja, das hat er.“
Dalesia grinste. „Ich wette, er hat etwas draus gelernt.“
„Ja.“ McWhitney nickte. „Das Harfespielen.“
(Richard Stark, Keiner rennt für immer, S. 154)

Man mag also mit Parker getrost aufseufzen und sich die Haare raufen über die vielen Hänger und Pannen, die dem geplanten Geldraub vorangehen ...

Fazit: Stark? – Lesen!

[ hs/04.02.2009 ]
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