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Gilpin,Tracy Stunde der BußeOriginaltitel: "Double Cross"
Unsere Meinung:Ganz passables, aber letztlich doch recht durchwachsenes Krimidebüt der südafrikanischen Journalistin Tracy Gilpin. - Ähnlich wie bei ihrer schreibenden Kollegin Margie Orford ("Blutsbräute"; vgl. Rezension vom 21.02.2008) wird man bei dem Roman "Stunde der Buße" den Verdacht nicht los, dass sich hier Autoren im Fahrwasser des Welterfolgs der Südafrika-Thriller Deon Meyers bewegen, die allein und für sich genommen nur Randphänomene der südafrikanischen Literaturszene geblieben wären. Denn weder die Qualitäten Orfords noch jene Gilpins reichen an die Standards des gehobenen internationalen Krimi-Mainstreams heran, genauso wenig möchte man sie als Nachfolgelektüre zu Meyers großen Romanen wie "Das Herz des Jägers" anempfehlen.
Große Kulisse für "Stunde der Buße" ist die "Welthauptstadt des Verbrechens" Kapstadt. Entsprechend ausführlich und emsig wird die Stadt von Gilpin auch beschrieben. Die Handlung des Romans ist dagegen weit uneindeutiger: Die junge Angestellte Dunai Marks findet eines Morgens ihre Chefin Siobhan tot in den Büroräumen von STOP vor, einer NGO, die sich für Geburtenkontrolle einsetzt. Die Organisation ist heftig umstritten und Siobhan hat sich mit ihren eigenwilligen Methoden offenbar viele Feinde gemacht. Doch es bleibt für Dunai nicht bei diesem einen Schock. Sie wird bald selbst Opfer von zwei Angriffen, wobei lange Zeit im Dunkeln bleibt, welche Absichten damit jeweils verfolgt werden. So beginnt Dunai auf eigene Faust zu ermitteln, denn sie hat sich vor allem eines geschworen: den Mord an der von ihr so bewunderten und geliebten Chefin zu rächen. "Stunde der Buße" ist keineswegs die neue Krimientdeckung Südafrikas. Dazu wirkt der Roman zum einen viel zu konstruiert, zum anderen ist ihm zu deutlich der Charakter eines Debüts anzumerken. So mutet es u.a. schon ein wenig seltsam an, dass man erst beiläufig auf S. 54 erfährt, dass die Heldin Dunai alleinerziehende Mutter eines zweijährigen Sohnes ist, obwohl der Roman ganz und gar aus der subjektiven Perspektive der jungen Frau geschrieben ist. Ganz zu schweigen davon, wie die Heldin später die ungeheuerliche Tatsache der wahren Identität ihrer Chefin Siobhan aufnimmt (S. 414). Darüber hinaus zeigt sich die Autorin sehr darum bemüht, ihren Roman mit möglichst viel Lokalkolorit (Kapstadt) und kritischen Erzählstoff (Familien- und Abtreibungspolitik) anzureichern, was in dieser Form aber jeweils noch sehr aufgelegt wirkt. Am meisten stört aber die recht naive und leutselige Konstruktion der (mithin auch etwas kindlich wirkenden) Amateur-Ermittlerin Dunai, die aus etwas unglaubwürdigen Rachemotiven zur Detektivin mutiert. Insgesamt hat "Stunde der Buße" nur mindere Unterhaltung zu bieten. Da gibt es weit Besseres zu lesen. Und das vor allem auch deshalb, weil das Buch in seinem erzählerischen Anliegen noch sehr unreif und mithin sogar ein wenig schal wirkt. Man wird nämlich schlicht den Eindruck nicht los, dass hier erneut eine minderbegabte Trittbrettfahrerin der erfolgreichen Romane von Deon Meyer unterwegs ist. Tracy Gilpin fehlt es bei allem unterstellten Kalkül meiner Ansicht aber vor allem noch an einem: dem wahrhaften Antrieb zum Erzählen. [ hs/12.02.2009 ]
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Krimi-Specials
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