Titel: Brecht - Verbrechen

Ostermaier, Albert (Hrsg.) Brecht - Verbrechen

Texte ausgewählt von Thea Dorn. Band 4 der Suhrkamp-Reihe "Für alle Fälle: Brecht"
Für alle Fälle Brecht: Sechs Bände im Hosentaschenformat mit dem Besten von BB zu Themen, die wirklich interessieren: Verführung, Rausch, Musik, Verbrechen, Verrat und Kapital – ausgewählt von prominenten Fans und Kennern seines Werkes. Widersprüchlich und weitsichtig, präzise und philosophisch, witzig und brutal.
Der Band Verbrechen verfolgt die Spur des Bösen, von Recht und Gerechtigkeit und offenbart Brechts Liebe zum Kriminalroman. Die Auswahl übernahm eine Kennerin dieses Faches: Thea Dorn, Autorin und Fernsehmoderatorin.

Autor: Ostermaier, Albert (Hrsg.)
Titel: Brecht - Verbrechen
Jahr: 2009-03
Seiten: 109 |
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-46069-6
Preis: 6.00 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

"Man hat seine eigene Wäsche,/ man wäscht sie mitunter./ Man hat seine eigenen Wörter,/ man wäscht sie nie."
(Bertolt Brecht)
Der Suhrkamp Verlag, vormals angesiedelt in Frankfurt a.M. und bald wohl zuhause in den Großstadtschluchten Berlins, hat eine lange und ruhmreiche Geschichte und eine illustre Anzahl von berühmten und sehr lesenswerten Autoren im Programm. Zu dieser grandiosen "Backlist" gehört u.a. auch der große Dramatiker, Lyriker und Essayist Bertolt Brecht.
Nun ist Suhrkamp nach mehr als einem halben Jahrhundert ernsthafter Editionsarbeit offenbar dabei, Brechts großes Werk Stück für Stück auszuschlachten und bis auf den letzten Zitatfetzen zu verwerten. Wie anders soll man die kleine Reihe von Brecht-Brevieren unter dem unsäglichen Motto "Für alle Fälle: Brecht" verstehen? Selten fand ich den Theoriebegriff "Trivialisierung" so passend wie bei diesen (ja, was eigentlich?) schwer verdaulichen "Geschenkbändchen" in Appetithäppchen-Form. Die Reihe von bisher sechs sehr schmalen Brecht-Büchern zu jeweils sechs Euro steht unter verschiedenen Mottos: Verführung, Kapital, Musik, Rausch, Verrat und eben Verbrechen.
Von letzterem fühlten wir uns als Freunde der Kriminalliteratur natürlich angesprochen. Doch was wir vorfanden, das war ein überaus dünner Aufguss von unterschiedlichsten Brecht-Zitaten, die auch nur in irgendeiner Form mit dem Motiv "Verbrechen" (an der Gesellschaft, am Menschen, als kapitalistisches Grundprinzip) zu tun haben. Die kurze und gleichzeitig entweder lustlose oder aus den Fingern gesogene Einführung von Thea Dorn sorgt dabei kaum für Aufklärung und erleuchtet nicht unbedingt Sinn und Zweck des Büchleins.
Klar doch, sicher hatte der Gesellschaftskritiker Bertolt Brecht einiges zum Thema zu sagen. Denn was kann man einer Gesellschaft schlimmeres vorwerfen, als "verbrecherisch" zu sein? Ihr zu unterstellen, ihrer "Sittlichkeit", Moral und den eigenen Gesetzen nicht zu folgen?
Nun sind die hier angeführten Brecht’schen Zitate und lyrischen Versatzstücke als solche für sich genommen ja durchaus bemerkenswert, - gleichwohl in den meisten Fällen auch schon hinlänglich bekannt. Also stellt sich die Frage: Welche Zweit-, Dritt oder Viertverwertungsteufel haben hier den Suhrkamp-Verlag geritten, Brecht’sche Gedanken so gnadenlos zu verhackstücken und diese kruden Textsammlungen dann auch noch unter diesem garstigen roten Deckmäntelchen und den relativ unmotivierten Geleitworten bekannter Publizisten zu verbrämen? Ein marketingbesoffener Verlagsamokläufer? Ein Anti-Kommunist? - Das alles riecht nach editorischer Abdeckerei!
Seine sechs Euro ist dieses kleine Büchlein, das wie eine Mao-Bibel daherkommt, zweifellos nicht und auf keinen Fall wert. Ich rate jedem Brecht-Anfänger, statt "Für alle Fälle: Brecht" (6 Bände zu insgesamt 36 Euro) sein Geld in diesen krisenschönen Zeiten vernünftiger anzulegen und einen herrlichen, in Leinen gebundenen Gedichtband zu 19,80 Euro (Bertolt Brecht: Die Gedichte. Die Sammlungen. Die Einzelgedichte. Hrsg. V. Jan Knopf. Neuausgabe 2007. 1646 Seiten! ISBN: 978-3-518-41940-3) zu investieren. Dann sei geraten, sich am besten noch zusätzlich den inzwischen vergriffenen Editionsklassiker "Die Stücke von Bertolt Brecht in einem Band" (verschiedene Auflagen) zu etwa 10 Euro in einem Antiquariat zu besorgen. Aber sich doch bitte nicht so einen Mumpitz von schmalbrüstigen Brecht-Brevieren zuzulegen! Mein Vorschlag gestaltet sich denn auch zusammengenommen allemal billiger und mit knapp 2600 Seiten zudem um ein Vielfaches profunder, zusammenhängender und verständlicher.
So entblödete sich die Suhrkamp-Redaktion letztlich auch nicht, den zentralen Essay Brechts zum Thema, denn der Schriftsteller war ja bekannterweise ein Liebhaber der Kriminalliteratur, gnadenlos zu stutzen und so sehr mit Auslassungen zu versehen, dass auch dieses Ding namens Text gerade noch so in die knapp 100seitige Backkuchenform "Für alle Fälle: Brecht - Verbrechen" passt. Brechts Betrachtungen zur Kriminalliteratur in "Über die Popularität des Kriminalromans" sind hier auf das Übelste zusammengekürzt, so dass ich nicht zuletzt deswegen das rote Büchlein nun wohl in letzter Konsequenz als "bad book" schlicht auf der Giftmülldeponie entsorgen muss.
Fazit: Haarsträubend, editorisch eine Katastrophe und am Ende schlicht: Überflüssig.
[ hs/25.04.2009 ]
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