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Walker, Martin Bruno - Chef de policeOriginaltitel: "Bruno, Chief of Police" (Quercus: London 2008)
Unsere Meinung:"An einem strahlenden Maimorgen, so früh, dass über der großen Flussbiegung noch Nebelreste hingen, hielt ein weißer Kleintransporter mit dunkelblauen Seitenstreifen auf der Anhöhe über dem französischen Städtchen Saint-Denis. Ein Mann stieg aus. Er ging an den Straßenrand, reckte sich und ließ die vertraute Aussicht auf sich wirken. Er war noch jung, und seine geschmeidigen, energischen Bewegungen zeugten von guter Kondition. Aber als er die Arme sinken ließ, fingerte er doch besorgt an seiner Taille herum, wo er immer zuerst Fett ansetzte - vor allem im Frühling, wenn die Rugbysaison schon zu Ende war und die Jagdzeit eben erst begann. Von seiner Uniform trug er nur das hellblaue Hemd mit Schulterklappen, gebügelt, aber ohne Krawatte, dazu schwarze Stiefel und die marineblaue Hose. Sein dichtes dunkles Haar war kurz geschnitten, die braunen Augen blickten verschmitzt, und die vollen Lippen unter dem sorgfältig gestutzten kleinen Schnauzbart lachten sichtlich gern. Auf dem Dienstabzeichen an seinem Hemd seitlich am Kleintransporter standen die Worte `police municipale´. Eine ziemlich staubige Schirmmütze lag nachlässig hingeworfen auf dem Beifahrersitz."
(Martin Walker, Bruno - Chef de police, S. 7) Das ist der Auftritt eines neuen Krimihelden, von dem wir uns in Zukunft vielleicht noch mehr erwarten dürfen. Dies wiederum hängt ganz von der Phantasie und Erzähllust des schottischen Autoren Martin Walker ab, der sein über sechzigjähriges Leben bisher überwiegend als politischer Journalist und Korrespondent verbracht hat. Walker lebt in Washington D.C. und im Périgord, woraus sich beruhigender Weise schließen lässt, dass ihn zu diesem Kriminalroman, der ja im Périgord spielt, vielleicht mehr antrieb als nur der Wunsch, endlich mal einen Krimi zu schreiben. (Nicht zum ersten Mal ist uns übrigens aufgefallen und haben wir uns überlegt, wie seltsamerweise gerade viele Journalisten bei ihrem schriftstellerischen Debüt zur erzählerischen Form des Kriminalromans neigen.) Nun ist Martin Walkers Kriminalroman "Bruno" ein wahrhaft wunderbares Buch für den Frühling. Denn der britische Autor entführt uns mit seiner prallen Erzähllust in das sonnendurchflutete Périgord, eine der schönsten Ecken, die Frankreich zu bieten hat. Walker verfrachtet seine Leser mitten in die südwestfranzösische Provinz, wo der Hase dem Igel gute Nacht sagt. Dort erwartet man nun üblicherweise keine schlimme oder ausschweifenden Verbrechen. (Man befindet sich ja schließlich nicht in so mörderischen südschwedischen Städten wie Ystad, die irgendwann drohen, durch Kriminalromane imaginär entvölkert zu werden.) Deshalb schiebt der einzige Polizist des Provinzstädtchens Saint-Denis, Bruno Courrèges, dort auch eine ruhige Kugel. Er ist neben dem Dienst ein kundiger Gourmet und isst zum Teil so genussvoll, dass er die überflüssigen Pfunde gleich wieder beim Rugbyspiel loswerden muss. Dieser Sport ist Brunos zweite Leidenschaft und seine Rugbymannschaft, die er trainiert, ist eine verschworene Gemeinschaft, die nicht nur mit dem Ball durch dick und dünn geht. Nur mit den Frauen mag es bei dem durchaus attraktiven Junggesellen Bruno nicht so recht klappen. Er wird zwar von ansässigen Landpomeranzen genauso umschwärmt wie von (britischen) Touristinnen, doch da Bruno viel, viel Zeit hat und sich durchaus als recht wählerisch erweist, hat sich die Frau seines Lebens noch nicht in seiner bescheidenen Hütte eingefunden. Idyllisch, nicht wahr? Doch dann geschieht ein brutaler Mord. Momu, einem altem Mann, der vor einigen Jahren als Immigrant und Kriegsveteran aus dem Algerienkrieg in die Gegend gekommen ist, um in der Nähe seines Sohnes und seiner Enkel zu leben, wurde buchstäblich der Bauch aufgeschlitzt. Einiges am Tatort deutet dabei auf rassistische Hintergründe hin. Und damit hat es in der kleinen Stadt Saint-Denis mit dem Laisser-faire erst mal ein Ende. Die Sache kocht schnell hoch und weckt natürlich das Interesse der sensationsgierigen Medienmeute, weshalb sich auch schnell die obersten Polizeibehörden aus Paris einschalten, um den Ermittlungen die politische Brisanz zu nehmen. Bruno scheint dabei mit seinen eigenen Ermittlungen schnell ins Abseits zu geraten, doch stellt sich bald heraus, dass er mit seinen Ortskenntnissen und Beziehungen für die hochnäsigen Ermittler aus der Großstadt unentbehrlich wird. Und auch Bruno lernt die Vorzüge seiner Kollegen kennen, während er die gestrenge Ermittlerin Isabelle näher kennen lernt und ihr bald schon näher kommt, als es die Polizeietikette und die Situation zunächst erwarten ließe. Das recht süffisante und gelungene Krimidebüt des schottischen Autoren Martin Walker erinnert, wenn man denn überhaupt Vergleiche heranziehen will, auf den ersten Blick an Alfred Komareks Polt-Romane, nur dass diese weit "provinzieller" und in den Schatten der österreichischen Weinkeller weit düsterer wirken als die Geschichte um Walkers französischen Landgendarm Bruno. Dort die mörderischen Menscheleien aus düsterer und eher ärmlicher Provinz, hier die Menscheleien eines lebenslustigen, impulsiven Landvölkchens, das sich der bezaubernden Schönheiten ihrer Heimat und ihrer reichen Kultur durchaus bewusst ist. Martin Walker pflegt darüber hinaus einen lockeren und flüssigen Schreibstil, der, ja, wenn man denn nun überhaupt Vergleiche heranziehen will, wiederum ein wenig an die hintergründigen Romane von Dick Francis erinnert. Zwar mag mancher Krimileser diesen Kriminalroman bei oberflächlicher Betrachtung zunächst als einen von vielen unsäglichen kulinarischen und Regionalkrimis abtun, doch wie bei Dick Francis das Faible für Pferde(sport), was dieser auch fleißig in seine Bücher einfließen ließ, so ist auch bei Walker die Genussseite mit Trüffeln, Pâté, Käse, gutem französischen Wein und reizvoller Landschaft bisher die wohlüberlegte Grundierung zu einem sehr menschlichen Sittengemälde und zur Ergründung des Bösen in einer scheinbar so schönen und im Kleinen doch so geordneten Welt. Sollte sich die geplante Serie zu dem Landgendarmen Bruno allerdings irgendwann auf das reduzieren, was so gemeinhin als kulinarischer Krimi oder "kulinarischer Reiseführer" angepriesen wird, dann sollte man Walkers Krimis getrost vergessen. Auch die Donna-Leonisierung seiner Romanwelt ist bei derart regional verankerten Kriminalromanen eine ständige Gefahr. Schon ganz andere haben sich an solch oberflächlichen Motiven tot geschrieben. Doch bisher bietet der Autor dem geneigten Leser beste humorvolle und keineswegs anspruchslose Unterhaltung fernab von durchgeknallten Serienkillern, blutrünstigen Ritualmorden und Cliffhanger-Orgien amerikanischer Couleur. [ hs/17.04.2009 ]
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Krimi-Specials
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