![]() |
Robotham, Michael AdrenalinOriginaltitel: The Suspect Aus dem Englischen von Kristian Lutze Eine junge Krankenschwester wird grausam ermordet aufgefunden. Als die Polizei den renommierten Psychotherapeuten Joe O Laughlin um Hilfe bei den Ermittlungen bittet, beschleicht diesen schon bald ein böser Verdacht: Die Verletzungen des Mordopfers stimmen in erschreckender Weise mit den Gewaltphantasien seines Patienten Moran überein. Joe ahnt nicht, dass er Gefahr läuft, in eine heimtückische Falle zu geraten - und dass nicht nur sein eigenes Leben an einem seidenen Faden hängt ...
Status: Vergriffen Preis: 6.00 EUR Unsere Meinung:"Sie halten mich wohl für einen Idioten?" Bobby verliert beinahe die Fassung, fängt sich jedoch rasch wieder. Er zeigt beinahe null physiologische Reaktion auf Lügen. Die Weite seiner Pupillen, die Größe der Poren, die Durchblutung der Haut und die Atmung bleiben unverändert. Er ist wie ein Poker-Spieler ohne verräterische Ticks. "Alles, was ich in meinem Leben getan habe und jeder, mit dem ich in Kontakt gekommen bin, ist wichtig - die Guten, die Schlechten und die Hässlichen", erklärt er mit triumphierendem Unterton. "Wir sind alle die Summe unserer Teile oder Teil unserer Summen. Sie sagen, dass dies kein Spiel wäre, aber Sie irren sich. Es ist das Spiel Gut gegen Schlecht. Weiß gegen Schwarz. Manche Menschen sind Bauern und andere Könige." "Und was bist du?", frage ich. Er denkt darüber nach. "Früher einmal war ich ein Bauer, aber ich habe das Ende des Bretts erreicht. Jetzt kann ich alles sein." (Michael Robotham, Adrenalin, S. 252) Bobby Morhan ist ein Psychopath erster Güte - und gefährlich. Doch das und welch böses Spiel über diesen Patienten mit ihm als behandelndem Psychotherapeuten getrieben wird, bemerkt Joe O’Laughlin erst, als es fast zu spät ist. Dabei hat es der 40jährige Psychiater bis dahin weit gebracht. Mit seiner gut laufenden Londoner Praxis, seiner attraktiven Frau und seiner kleinen Tochter erfüllt Joe alle Attribute eines renommierten Bürgers der oberen Mittelschicht. Bis ihn dann eben kurz hintereinander mehrere Schicksalsschläge auf einmal treffen: Ein befreundeter Arzt eröffnet ihm bei einer Routineuntersuchung, dass er an der Parkinson’schen Krankheit leidet. Beinahe zeitgleich wird Joe von der Londoner Polizei zur Aufklärung an einem Mordfall an einer jungen Krankenschwester herangezogen, die einmal in seiner Behandlung stand und mit der er zudem enger verbunden war. Und je mehr ihn dieser Fall beschäftigt, umso mehr fällt ihm auf, dass einer seiner neuen Patienten, eben jener junge, schwer psychisch gestörte Bobby Morhan, etwas mit diesem Mord zu tun haben könnte. Unterdessen bemerkt Joe nicht, wie er Opfer einer sehr fein gesponnenen Intrige wird. Als ihm langsam blüht, in welch böse Falle er getappt ist, steht er bereits selbst immer mehr unter Mordverdacht. Was folgt, ist im Leben normaler Menschen nicht vorstellbar und allenfalls ein Albtraum . . . Das Besondere an "Adrenalin" ist die Gebrochenheit seines Helden, also die bittere Erkenntnis Joes, gerade auf dem ersten Höhepunkt seines sich noch jung anfühlenden Lebens an der unausweichlich fortschreitenden Parkinson-Krankheit, ihren deprimierenden Symptomen der Schüttellähmung erkrankt und damit im Grunde auch totgeweiht zu sein. - Sicher, wir haben in manch anderen Kriminalromanen schon viel erlebt: zum Beispiel einen einarmigen Detektiv mit altersschwachem Hund (die Figur des Cheng bei Heinrich Steinfest), einen genauso rheumatischen wie unfreiwilligen Privat-Ermittler (der Historiker Stachelmann bei Christian von Ditfurth) oder auch den Asthmatiker Bartzsch, dem der deutsche Autor Gunter Gerlach eine ganze "Allergie-Trilogie" gewidmet hat. Psychologisch geschickt angelegt ist nun aber die Figur Joes allein schon dadurch, dass dieser mit seiner medizinischen Ausbildung genau weiß, welche Symptome und Abläufe ihm Parkinson bescheren kann. Geschickt schafft sich Robotham damit auch eine weitere, "spannende" Erzählebene, weil die wenigsten wissen, wie es sich genau um die Parkinson-Krankheit verhält; gleichzeitig interessiert das Thema viele tatsächlich. Nun widerstrebt es aber englischen und amerikanischen Autoren in der Regel eher, ihre Helden mit einem so offenkundigen Handicap zu versehen. Umso tiefgreifender und spannender wirkt Robothams Motiv also in einem Psychothriller, einen an Parkinson erkrankten Psychiater als Helden zu etablieren. Das schon allein, wenn man das Motiv als Serienmotiv in einer Krimi-Serie weiterdenkt. Die Gefahren und tödlichen Bedrohungen des Helden sind nicht nur durch seine gefährlichen Abenteuer während seiner Ermittlungen vorgezeichnet, sondern bereits a priori in die Figur eingeschrieben. Wie wird er den Kampf mit der schweren Krankheit bestehen? Ist die Krankheit aufzuhalten, oder wie lange hat der Held aufgrund seines Leidens überhaupt noch zu leben? . . .? Diese psychologische Konstruktion macht Robothams Psychothriller, der sonst nicht mehr wäre als eine geschickt konstruierte Stalker-Story, wirklich lesenswert. Robotham erzählt seine Geschichte um den Psychotherapeuten Joe zunächst behutsam und beinahe schwerfällig. Zum einen setzt der Autor hier das Fundament für folgende Romane und entfaltet in diesem Sinne seine Figuren und ihre Beziehungsstrukturen sehr sorgfältig; andererseits baut er hier mit einigen Details auch schon die unterschwellige Bedrohung und Erinnerungsmomente ein, die die Spannung subtiler Psychothriller auszeichnet. Diese bedachte Erzählweise gewinnt erst mit fortschreitender Handlung an Plausibilität, weil man nur langsam und unwillkürlich spürt, wie das Unheil im Stillen bereits seinen Lauf genommen hat und dennoch nicht weiß, wer die wahren Hintermänner der Bedrohung sind, die für Joe buchstäblich zu einer Verschwörung heranwächst. "Adrenalin" ist auf diesen Erzählpfaden zweifellos gut und vor allem geschickt erzählt. Daß Joe nun gerade als der Ehemann einer sehr attraktiven Frau und einer hübschen kleinen Tochter beschrieben sein muß, kann man wohl nachsichtig als melodramatisches Kitschelement verbuchen. Doch von solchen Momenten abgesehen, erscheint Michael Robotham mir als ziemlich talentierter Thrillerautor, der, wenn er sich nicht zu sehr mit den schnöden Manierismen des gängigen Psychothrillers anfreundet, durchaus zu weiterer guter bis hochklassiger und ausgefeilter Spannungsliteratur fähig sein wird. Sollte er seine Romane also weiterhin so einfalls- und variantenreich erzählen, dann darf man von diesem Autoren zurecht noch einiges erwarten. Redaktioneller Hinweis: Die Rezension bezieht sich ursprünglich auf eine frühere Ausgabe des Romans. [ hs/14.06.2007 ]
|
Krimi-Specials
Warenkorb:
-
Lieferzeiten
-
Wochentags:
Bis 18:00 Uhr bestellte Bücher sind am folgenden Morgen versandfertig und verlassen dann die Buchhandlung.
Wochenende:
Bücher die zwischen Freitag (nach 18:00 Uhr) und Sonntag bestellt werden, sind erst Dienstagmorgen versandfertig und verlassen die Buchhandlung. Ausnahme: Die Bücher sind im Hammett vorhanden.
-
Wochentags:
-
Angekündigte Bücher
- Diese Titel können Sie jetzt schon normal über unsere Warenkorbfunktion bestellen. Sobald das Buch erhältlich ist, erhalten Sie von uns nochmal eine E-Mail, daß Ihre Ware versandfertig ist.
-
Versandkosten
-

Der Versand von neuen Büchern innerhalb Deutschlands ist für Sie bei uns versandkostenfrei.
-


