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Ritzel, Ulrich ForellenquintettKriminalkommissarin Tamar Wegenast, Nachfolgerin des pensionierten Kommissar Berndorf, ermittelt in ihrem bislang schwierigsten Fall. Und muss gleichzeitig um ihr eigenes Leben fürchten: Seit Wochen wird sie mit Drohbriefen überschüttet, als deren Verfasser ein Kai Habrecht firmiert. Doch der ist tot, und zwar seit Jahren – Wegenast selbst hat ihn erschossen ...
Unsere Meinung:Es ist schade, das so deutlich sagen zu müssen: Aber der Glanz von Ulrich Ritzels früheren Berndorf-Romanen ist verloren. Bezeichnenderweise ist ihm sein Ulmer Ex-Kommissar Berndorf, der in "Uferwald" in den Ruhestand ins ferne Berlin gegangen ist, in "Forellenquintett" auch keinerlei Erinnerung oder Erwähnung mehr wert. Gründlicher (und unglaubwürdiger) kann man einen Serienhelden nicht sterben lassen.
An die Stelle der tiefgründigen und psychologisch ausgefeilten Berndorf-Geschichten hetzt Ulrich Ritzel nun seine "neue" Hauptfigur, die Ulmer Kommissarin Tamar Wegenast, als Nachfolgerin aus der ursprünglichen Berndorf-Serienkonstellation durch eine genauso wirre wie fahrig erzählte Geschichte. Diese beginnt als Psychothriller um die Machenschaften einer internationalen Drogen- und Mädchenhändlerbande und endet als tragisches Familien- und Kleinstadtdrama am Bodensee. Bindeglied zu den beiden Teilen ist ein junger Offenbacher Jazz-Pianist, der im polnischen Krakau in eine üble Drogengeschichte und zugleich eine mörderische Intrige geraten ist, dann auf seiner Flucht in Berlin fast zu Tode geprügelt wird, in der Berliner Charité mit der Diagnose auf Amnesie erwacht und in der Folge nach Presse- und Fernsehberichten von einer Familie am Bodensee als der Sohn reklamiert wird, der vor 17 Jahren als Kind spurlos verschwunden ist ... Nun trägt dieses Bindeglied leider nicht über den ganzen Roman. Zu undeutlich ist bereits die Figurenzeichnung des Pianisten mit seinen verschiedenen Identitäten. Was ist bei ihm, der sich zunächst als unbekannter Flüchtender, dann als Andreas, dann als Bastian und schließlich als Ansgar entpuppt, Drogenrausch, Amnesie und was Versteckspiel? Zu verwirrend ist zudem die gesamte Erzählkonstellation, zu unscharf im Einzelnen die Figurenzeichnung, zu nachlässig die gesamte Handlungsführung. Überdies agiert Ritzels Heldin Tamar Wegenast, die privat in jene Vorfälle in Krakau verwickelt ist, so hektisch und unkoordiniert, daß er seine Hauptfigur damit beinahe um ihre Glaubwürdigkeit bringt. "An Problemen hatte sie genug andere. Eines davon war, dass Schatte [ihr krimineller Gegenspieler; d. Red.] Recht hatte. Sie war ausgerastet. Kein gutes Zeichen. Noch einmal lief die Szene vor ihr ab, soweit das Gedächtnis eine solche Szene in der Rückblende abspielen kann. Der junge Mann stand vor ihr, wie lange? Schon das konnte sie nicht mehr rekonstruieren. [...]" (Ulrich Ritzel, Forellenquintett, S. 258) Tamar Wegenast wirkt buchstäblich wie eine Schauspielerin, die - vom Regisseur fehlgeleitet - ihren großen Auftritt verpatzt. Und fast ebenso aufgeregt wie seine Protagonistin agiert auch der Autor. Ritzel erzählt ungewohnt umständlich und fahrig, seine Dialoge bleiben seltsam farblos, sein sonst feinsinniger Humor und Wortwitz wirken hier plötzlich schal und bis in die Sprache hinein wird deutlich, daß Ritzel hier - aus welchen Gründen auch immer genau - offensichtlich an den Schwierigkeiten seiner Erzählkonstruktion gescheitert ist. Fehlt Ritzel hier womöglich bereits sein alter ego Berndorf? - Schwer zu sagen. Doch daß er seinen früheren Helden hier buchstäblich als Persona non grata behandelt hat, ist schon bezeichnend. (Zumal jener Berndorf doch früher eine so wichtige Bezugsperson für Tamar Wegenast war!?) Zu vermuten bleibt schließlich, daß er mit diesem Roman wohl einige seiner Leser gewaltig enttäuschen wird. Gleichzeitig taugt "Forellenquintett" ohnehin nicht zu einem Neuanfang mit der neuen Heldin. Wegenast begeht buchstäblich zu viele Fehler und handelt zu oft unlogisch und unbedacht, als daß man dies dem Autor allein als Versuch der "gebrochenen Figurenzeichnung" anrechnen könnte. - Schließlich darf man angesichts der Schluss- und Bahnhofsszene in "Forellenquintett" als Serienleser allemal gespannt sein, wo dieser abfahrende Zug mit Tamara Wegenast demnächst ankommen wird. [ hs/19.09.2007 ]
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Krimi-Specials
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