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Altermatt, Sabina AlpenrauschenAls die Politikerin Franziska Padrun in Zürich bei einem Verkehrsunfall tödlich verletzt wird, steht für die Journalistin Flurina Filli fest, wer hinter dem gewaltsamen Todesfall steckt: die AlpinaInvest, die ein Kongresszentrum finanziert, gegen dessen Bau Franziska Padrun seit Jahren protestiert hat. Flurina recherchiert im Engadin, wo sie selbst ihre ersten Lebensjahre verbracht hat. Ihr Verdacht scheint sich zu bewahrheiten: Die AlpinaInvest will offenbar um jeden Preis alles, was den Bau des Zentrums behindern könnte, aus dem Weg räumen. Doch dann wird Flurina von der eigenen Vergangenheit eingeholt ...
Unsere Meinung:"Sie fuhren mit dem Auto ins Tal, über den Fluss und die andere Talseite hoch Richtung Spera. Vorbei an Hotels, die wie Märchenschlösser aussahen, vorbei an giftgrünen Golfplätzen. Überall waren Schilder aufgestellt, die vor Golfbällen warnten.
Im Engadin war es wahrscheinlicher, von einem Golfball erschlagen als von einem Bären gefressen zu werden, dachte Flurina." (Sabina Altermatt: Alpenrauschen, S. 63) Der Münchner Piper Verlag hat in den letzten Jahren eine recht erfolgreiche Reihe von Regionalkrimis veröffentlicht, die sich oft aus der Masse der überaus breiten Publikationsfront positiv herausheben. Sabina Altermatts "Alpenrauschen" ist auf den ersten Blick einer dieser Regionalkrimis, der vor allem durch – wie sagt man so schön – "Lokalkolorit" bestechen will. Und auf wohltuend knappen 200 Seiten erzählt die Schweizer Autorin dabei eine durchaus atmosphärisch dichte Geschichte zwischen Bestechungsskandal und Liebesdrama: Die Bewohner eines Tals im Engadin sollen von der mächtigen Investmentfirma AlpinaInvest wegen eines bedeutenden Bauprojekts im großen Maßstab bestochen worden sein. Als nun die Regionalpolitikerin Franziska Padrun, die sich gegen die alpinen Bebauungspläne im Engadin einsetzt, in Zürich von einem Auto angefahren wird und dabei ums Leben kommt, spricht auf den ersten Blick alles für eine Fahrerflucht. Nur die Journalistin Flurina Filli glaubt nicht an solch einfache Erklärungen und macht sich daran, Licht ins Dunkel dieses tödlichen Vorfalls und die mutmaßlichen Machenschaften von skrupellosen Finanzinteressen zu bringen. Dieser inzwischen dritte Kriminalroman um die Züricher Journalistin Flurina Filli kann sich trotz ihres etwas exotischeren Lokalkolorits, im bündnerromanischen Engiadina angesiedelt zu sein, dennoch nicht aus der Masse der sattsam bekannten Regionalkrimis hervorheben. Es wirkt zwar zunächst angenehm, wie geradlinig, kurz und bündig der Roman da anfangs heruntererzählt wird, doch je mehr Sabina Altermatt ihr knappe und präzise Erzähllinie mit falschen Fährten und tiefsinnigerer Bedeutung anreichern will, umso störender und unglaubwürdiger wirken einige Handlungsmomente. So schleppt ihre Heldin Flurina nicht nur eine heikle Liebesgeschichte mit dem Architekten Gian durch die Handlung, sondern auch ein unverarbeitetes, schweres Kindheitstrauma. Gerade Letzteres wirkt zwar psychologisch-romantisch, aber es wird in der Folge ziemlich deutlich, wie wenig überzeugend der 200-Seiten-Roman das gezwungenermaßen knapp gefasste Handlungsmotiv transportieren kann und wie sehr daran noch hintergründig – und wie in einer Bleistiftskizze - das Handlungsgerüst aus der Autorinnenwerkstatt erkennbar wird. Das Trauma der Heldin wiegt schlicht zu schwer für den Handlungsaufbau. Fazit: Nach einem dritten Roman sollte man nicht mehr danach fragen, ob ein/e Autor/in talentiert ist oder nicht, sondern danach, zu welchem Niveau zu schreiben er oder sie fähig ist. Sabina Altermatts Krimihandwerk erscheint in dieser Hinsicht durchaus solide, aber bisher leider auch kaum mehr. Ihre subjektive Erzählweise bleibt trotz der verschiedenen Aspekte Ihrer Romanhandlung leider zu eindimensional. Und die Vorstellung der von ihr beschriebenen Bergtäler ragt noch allemal höher als ihre höchsten Spannungshöhepunkte. Um es einmal im schiefen Begriffsmilieu der Regionalkrimis zu formulieren: Altermatt hat bisher sozusagen nur das erste Bergdorf und beileibe noch keinen Gipfel erreicht. [ hs/22.09.2009 ]
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Krimi-Specials
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