Titel: Der Brenner und der liebe Gott

Haas, Wolf

Der Brenner und der liebe Gott

Ob du es glaubst oder nicht. Der Brenner ist wieder da. Ein Comeback, wie es noch keines gab.

Der Brenner, Expolizist und Exdetektiv, hat endlich einen guten Job gefunden. Noch nie im Leben hat er sich so wohlgefühlt. Aber es wäre nicht der Brenner, wenn es lange dauern würde, bis wieder was passiert. So sorgt eine Tafel Schokolade für eine Kettenreaktion, an deren Ende sieben Begräbnisse stehen.

Privatdetektiv Simon Brenner Bd.7.

Autor: Haas, Wolf
Titel: Der Brenner und der liebe Gott
Jahr: 2009-08
Seiten: 222 | Hardcover
Verlag: Hoffmann und Campe
ISBN: 978-3-455-40189-9
Preis: 18.99 EUR

Status: Lieferbar

Preis: 18.99 EUR

Bestellen

Unsere Meinung:

Der Wolf Haas ist ein genauso lustiger wie lustvoller Erzähler. Deshalb sind wir ihm, dem Haas, auch schon seit mehr als zehn Jahren treu, lesen und empfehlen ihn gerne weiter und verzeihen ihm so manchen "Boxenstopp" (so mit seinem seltsamen Erzähl-Laborat "Ausgebremst"). Jetzt ist der Haas fast zeitgleich mit Michael Schumacher in der Formel 1 im Sommer letzten Jahres wieder ins Krimigeschäft zurückgekehrt. Comeback sozusagen. Und das ist gut so, "weißt du", dass der Haas wieder sein "Ding" macht. (Es ist schon viel zu lange `nichts wieder passiert´.)
Und über den Inhalt von "Brenner und der liebe Gott" musst du nun schließlich im Sinne des Spannungserhalts nicht mehr sagen, als dass der Haas wie gewohnt und gekonnt seine spannenden kriminalexistenziellen Runden dreht: Der Brenner verdingt sich hier als Chauffeur eines zwielichtigen Bauunternehmers. Doch so wie ihm während einer Kaffeepause an einer Tankstelle dessen kleines Töchterchen Helena abhanden kommt, so geht ihm auch bald sein neuer Job verlustig. Nun hatte es den Brenner ja früher schon beinahe in alle seine Einzelteile zerlegt, doch hier steckt der unglückliche Detektiv bald buchstäblich so tief in der Scheiße wie noch nie ...

Der aktuelle wie auch alle vorherigen Romane vom Haas sind so – um im Bild zu bleiben – durch und durch Geschmackssache. Die genauso menschelnde wie stilistische Eigenwilligkeit, in der der Haas tatsächlich oft von unserer irren Welt erzählt, ist natürlich nicht für jeden Leser nachvollziehbar. Ist halt nicht jedermanns "Ding". Dennoch bleibt der Haas, ein Österreicher halt, auch nach dem siebten Brenner-Roman noch relativ bei Trost und macht aus seiner Serie immer noch kein Unding – also keine blöde Masche, möchte man meinen. Denn man könnte ja durchaus auch anders meinen, dass sein ominöser Erzähler sich meist am Rande des puren Geschwätzes und der blödsinnigen Kolportage bewegt.
Da macht der Haas aber halt kaltschnäuzig aus der Beschreibung oberflächlich beobachteten Dumpfsinns doch immer wieder erstaunlichen Tiefsinn. Und damit knüpft er relativ nahtlos und locker an seine waghalsige Brenner-Serie an, die er vor mehr als sechs Jahren mit "Das ewige Leben" (2003) so abrupt unterbrochen hat.

Fügen wir den Schlusssatz des bis dahin letzten und den Anfang des nachfolgenden Buches zusammen, dann liest sich das nach dem völlig irren Ende von "Das ewige Leben" und in einem Ungetüm von Satz so:

"… und ich denke mir noch, wenn man einen Menschen mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit in die Hand schießt, kann man ihn töten, und ich denke mir noch, der Brenner wird mir doch nicht, zuerst nur ein kleines Loch, aber ob du es glaubst oder nicht, noch bevor ich überhaupt einen Schuss höre, wird das Loch immer größer, zuerst nur ein kleines Loch, aber jetzt, und ich denke mir noch, wie kann ein Loch in der Hand größer als die Hand selber sein, und ich denke mir noch, ich habe noch nie ein Loch gesehen, das so schnell näher kommt, und ich dingse mir noch, wie kann ein dings in der Hand so groß sein wie das Arnold-Dingsenegger-Stadion, und das schießt so schnell aus der hochgerissenen Hand vom Ding, vom vom vom wie heißt er schnell, vom ding, vom vom vom, dass ich, und ich höre noch ein ding wie wie wie ding und ding und riesenrotes Loch und ganz gewaltig ding und ich ding und ich ding ding und ich ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding … [darauf folgender 375facher ding; d. Red.]"
(Wolf Haas: Das ewige Leben, S. 219 ff.)

Ha, da verrät sich der legendäre anonyme Erzähler vom Haas ja übrigens fast. Doch wie man’s dreht und wendet, im nächsten Roman ist der leidende Erzähler wieder topfit (möchte man meinen), wenn er im ernsten Unterton gleich wieder loslegt, als hätte es das ganze Dings vorher gar nicht gegeben:

"Meine Großmutter hat immer zu mir gesagt, wenn du einmal stirbst, muss man das Maul extra erschlagen. Und da sieht man, wie ein Mensch sich verändern kann. Weil heute bin ich die Ruhe in Person. Und müsste schon etwas Besonderes passieren, dass ich mich noch einmal aufrege. Die Zeiten sind vorbei, wo mich alles gleich aus der Fassung gebracht hat ..."
(Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott, S. 7)

Dem Brenner und seinem Erzähler hat man das Maul offenbar nicht extra erschlagen. Und mit den anknüpfenden apodiktischen Sätzen und Feststellungen in seiner "brennenden Fortsetzung" können Autor wie Erzähler nach wie vor beeindrucken: Und ja, du glaubst es vielleicht nicht, da ist er wieder, dieser Haas-Touch, der mit dem viel berühmteren Lubitsch-Touch so viel zu tun hat wie Dittsche und sein wirklich wahres Leben mit Loriots Ödipussi.

Zwar beunruhigt am vorliegenden Buch dann im Folgenden etwas der eine oder andere logische Hänger (schau dir nur genau die Tankstellenszene an!), doch in der verrückten Erzählwelt vom Haas ist offenbar nur noch ein weiteres Versatzstück des allgemeinen weltlichen Deliriums, dem der Brenner halt immer wieder als besonders dankbares Opfer anheim fällt ...

Fazit: "Groß" ist dieser Roman vom Haas irgendwie ganz bestimmt nicht – selbst wenn der liebe Gott im Titel auftaucht –, doch "dingst" er hier wieder so herrlich abgründig, aberwitzig und nach wie vor so überaus lustvoll, dass einem wahre Freudentränen kommen. "Klein" ist sein Roman dann doch auch wiederum ganz sicher nicht. Denn zwischen den beiden Buchdeckeln von „Der Brenner und der liebe Gott“ bewegt sich der Brenner diesmal, nun einmal ganz bildlich gesprochen, zwischen der Schokoladenseite und der Jauchegrube des Lebens. Input und Output würde da der Fachmann sagen. Aber welcher Fachmann steckt schon einmal richtig in der Scheiße?

Die Kunst, diese waghalsige und schmutzig-süße Gratwanderung als Lesegenuss empfinden zu lassen ... hmmmh ... das honoriert das Hammett-Team dem Herrn Haas doch eben mal gut und gerne mit 8 von 10 Kugeln.

[ hs/20.03.2010 ]
-

Krimi-Specials

Ansehen

Warenkorb:

-
Der Versand von neuen Büchern innerhalb Deutschlands ist für Sie bei uns versandkostenfrei.