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Quartey, KweiTrokosiOriginaltitel: Wife Of The Gods
Unsere Meinung:Nahe bei Bedome, einem Dorf in der Voltaregion Ghanas, wird Gladys Mensah ermordet aufgefunden. Die junge Frau arbeitete als Volontärin beim AIDS-Programm des "Ghana Health Service". Aus der Hauptstadt Accra entsendet man daraufhin Inspector Darko Dawson, um das Verbrechen aufzuklären.
Ausgerechnet Efia, eine der Frauen des ortsansässigen Obersten Priesters Togbe Adzima hat die Leiche der außerordentlich beliebten Gladys Mensah entdeckt. Und genau damit fangen die Schwierigkeiten für Inspector Dawson bereits an. Denn Efia ist eine Trokosi*, eine "Götterfrau". Als Trokosi ist sie nur ihrem Herrn, dem Priester, unterstellt und darf ohne seine vorherige Erlaubnis auch keine Aussagen machen. Schon als Kinder werden diese "Menschenopfer" den Priestern übergeben, um Unglück und Verwünschungen von der eigenen Familie abzuwenden. Doch das Schicksal solcher Kinder ist weit härter, als es auf den ersten Blick erscheint. Im günstigsten Fall werden die jungfräulichen Trokosi von den Priestern als Ehefrau genommen, genauso gut aber auch als billige Arbeitssklavinnen benutzt oder sexuell missbraucht. Dieser Ritus ist ein Tabuthema, das symptomatisch für den ganzen Roman steht. Denn vom Gesetz her ist der rituelle Brauch der Trokosi seit Jahren verboten. Ausgeübt wird er aber dennoch, und das trotz offiziell drastischer Strafen. Nur werden solche Sanktionen üblicherweise nie verhängt, und genau dieses seltsame Rechtsverständnis begegnet den Lesern in Kwei Quarteys Roman ständig. Der Graben zwischen dem „modernen und westlich orientierten“ Ghana und dem Land, das in alten Bräuchen, Riten und Traditionen unserem Denken und Leben weit entfernter liegt, als es etwa die Entfernung in Kilometern zwischen unseren Ländern es zum Ausdruck bringt. Ob in der persönlichen Vergangenheit von Inspector Dawson, der Krankheit seines kleinen Sohnes, oder aber im eigentlichen Kriminalfall, immer wieder prallen Vergangenheit und Gegenwart, Europa und Afrika, Tradition und Moderne, aufeinander. Und was überdies bei Kwei Quarteys Erstlingswerk im Besonderen herauszulesen ist: Hier hat nicht schon zum wiederholten Male ein Westeuropäer einen Roman mit "exotischem" Handlungsschauplatz ersonnen, sondern stattdessen ein Mensch, der sein Land kennt und erzählerisch lebendig werden lassen kann. Kwei Quartey erklärte übrigens auf E-Mail-Kontakt hin sowie auf seiner Website, dass nur in fernerer Zukunft mit weiteren Romanen um Darko Dawson zu rechnen ist. Seine Arbeit als Arzt in den USA (wo er heute lebt) ist ihm wichtiger als literarischer Erfolg. So gern ich auch Weiteres von ihm lesen würde, diese gesunde Einstellung gefällt weit mehr! Qualitativ nutzlose Serienfortsetzungswürmer gibt es zuhauf, dann lieber doch weniger als mehr und dafür dabei dann deutlich mehr an Qualität! Ein ungewöhnlich gutes und gelungenes Cover (Geschmackssache, ich weiß) sowie eine außerordentlich sorgfältige und liebevolle Übersetzung machen Kwei Quarteys "Trokosi" zusammen mit dem Plot für mich zum Kriminalroman des Jahres 2009. Also: Lesen, Informationen aufsaugen und sich unterhalten lassen. - Kriminalliteratur kann so unglaublich grandios sein ... * P.S.: Dass Trokosi sich von den Ewe-Wörtern tro = Gottheit oder Fetisch und kosi = Sklavin ableitet, das wird im Roman natürlich ganz früh erklärt. [ ck/11.01.2010 ]
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Krimi-Specials
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