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Petrella, AngeloNazi ParadiseOriginaltitel: Nazi Paradise
Unsere Meinung:Parodie des Hasses
Kurzum, jetzt bin ich im Stadion und sehe Teschio mit dieser Bestie an der Leine und frage: "Was ist das denn?" Er sagt: "Das ist Thor 2." "Thor 2", wiederhole ich. "Wie kannst du einem Hund einen Namen geben, der sich wie ein Filmtitel anhört?" "Wieso nicht? Mir gefällt der Name und dir kann’s egal sein", antwortet er, "außerdem ist dieser Pitbull phänomenal, er hat schon am ersten Tag zwei Katzen gerissen." (Angelo Petrella: Nazi Paradise, S. 39) Über dieses Buch muss man nicht viele Worte machen. Dieses schmale Buch muss man auf sich wirken lassen können. Erzählt wird in "Nazi Paradise" aus der Ich-Perspektive eines namenlosen Protagonisten. Dieser ist kein angenehmer Zeitgenosse, sondern ein rechtsradikaler Hooligan, für den die Welt einen einzigen Beschiss darstellt, aber von der er doch ein Stückchen Torte abhaben will. Unser Unbekannter treibt sich in einschlägigen Kreisen herum, in denen der Hass eine Lebenseinstellung, der Kampfhund ein Statussymbol und der nächste Straßenkampf oder die nächste "Saalschlacht" wie die Luft zum Atmen sind. Der "Held" des kurzen, aber prägnanten Romans zeigt sich dabei als ein ziemlich kleines Licht und überdies unter dem Internet-Tarnnamen "DUX" vielleicht noch als recht begabter Hacker. Aber vermutlich ist er – gemessen an der Ich-Perspektive - trotz allem nur ein hochtrabender Loser und lächerlicher Angeber, der über seine kriminellen Online-Machenschaften so auch relativ schnell ins Visier der Polizei kommt. Diese wiederum ist bis in die Knochen korrupt und zieht das kleine Licht in eine dunkle Geschichte hinein, wobei sich den Lesern bei aller hooligan’schen Brachial-Denke und herben E-Mail-Dialogen mit saftigen Erotikeinlagen nur noch die Frage stellt, ob dieser Typ mit heiler tätowierter Haut aus der Sache rauskommt ... Das verraten wir natürlich nicht, denn sonst müssten wir ja (siehe oben) schon zuviel der Worte machen. "Nazi Paradise" war für mich übrigens die ideale Begleitlektüre zu Niccolò Ammanitis fulminantem "Wie es Gott gefällt". Wollte man zur Bewertung noch einmal einen gastronomischen Vergleich heranziehen, so verhalten sich beide Bücher wie ein exotisches Dessert zur umwerfenden Hauptspeise. Allesamt heftig in den Geschmacksnoten und verdammt scharf gewürzt. Fazit: Das Buch ist sehr, sehr speziell, aber gerade wegen seiner Mainstream-Ferne und seiner brachialen Zielgenauigkeit bzw. Direktheit dennoch sehr lesenswert. Mithin eine Parodie des Hasses und der Menschenverachtung. [ hs/12.07.2010 ]
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Krimi-Specials
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