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Nesboe, Jo LeopardOriginaltitel: Panserhjerte
Unsere Meinung:Der achte Kriminalroman von Jo Nesboe beginnt in Hongkong. Ohne Pass, verschuldet bei den chinesischen Triaden und im Dämmerlicht des Opiumrausches vegetiert Harry Hole hier vor sich hin. Aus Oslo reist die Mordermittlerin Kaja Solness heran, um Harry Hole nach Norwegen zurückzuholen. Zwei Frauen sind dort kurz nacheinander bestialisch ermordet wurden. Die Polizeibehörden brauchen Holes Erfahrungen aus seinem letzten Fall, der Ergreifung von Norwegens bisher einzigem Serienmörder, dem "Schneemann". Aber weder die Bezahlung von Harry Holes Schulden, noch die Wiederbeschaffung seines Passes bewegen ihn zur Rückkehr. Erst als die junge Kriminalbeamtin erwähnt, dass Harrys Vater im Sterben liegt, entschliesst er sich zur Heimreise nach Oslo und zum Einstieg in den Fall.
Eine ehemalige Kollegin bringt Hole mithilfe von Internetrecherchen endlich auf eine erste Spur: Alle Opfer, inzwischen sind es schon vier geworden, haben vor wenigen Wochen, unabhängig voneinander, eine gemeinsame Nacht in einer Berghütte verbracht. Diese einsamen Hütten werden als Nachtlager auf tagelangen Skitouren benutzt. Man bezahlt, indem Bargeld oder eine Einzugsermächtigung in einem Briefumschlag hinterlassen wird. Als Harry Hole und Kaja Solness zur Hütte fahren, entdecken sie, dass jemand eine Seite aus dem Gästebuch herausgerissen hat: Die Seite des 7. November, dem Tag als alle bisherigen Mordopfer in der Hütte waren. Wer aber war in dieser Nacht noch als Gast in der Hütte...? Zwei Auffälligkeiten hat Jo Nesboe gleich zu Beginn vom "Leopard" eingebaut. Zum einen die in den Vorgängerromanen so nicht vorhandene und brutal daherkommende Detailbesessenheit bei der Schilderung der Morde. "Die Nadeln schossen aus den Spitzen der Noppen. Sie waren sieben Zentimeter lang. Vier bohrten sich auf beiden Seiten durch die Wangen, drei in die Nebenhöhlen, zwei in den Nasengang und zwei weitere durch das Kinn nach außen. Eine Nadel durchbohrte die Speiseröhre und eine weitere den rechten Augapfel. Zwei Nadeln stießen durch den hinteren Teil des Gaumens in das Gehirn. Aber das war nicht die Ursache ihres Todes." (Joe Nesboe, Leopard, S. 11) Zum anderen die konsequente Entwicklung der Figur von Harry Hole. Dieser ist gewohnt rauschmittelabhängig, diesmal kommt zum Alkohol auch noch erschwerend Opium dazu. Hole ist noch eigenbrötlerischer, rücksichtsloser und gnadenloser geworden. Was andere im Polizeiapparat von ihm und seinen Methoden halten, ist ihm vollkommen egal. Geradezu lustvoll setzt er sich über die Formen und Regeln der Zusammenarbeit hinweg. Diese beiden Auffälligkeiten garantieren meines Erachtens geradezu den Erfolg des Romans. Die klassischen Serienleser werden bestens bedient: Einerseits das Mitfiebern am eigentlichen Fall, andererseits ein neues Kapitel der "Yearly-Soap" um Harry Hole. Ein kaputter Typ, trotzdem reizvoll und verwegen. Zudem erschließen sich der Autor und seine vielen europäischen Verlage mit "Leopard" auch eine neue Zielgruppe, nämlich die der Fraktion "Blut- und Schlachteplatte". In keinem der Kriminalromane von Jo Nesboe wurden so viele grausame Szenen derart ausführlich und geradezu lustvoll im Detail beschrieben. In Einzelszenen wirkt der Roman wie ein Werk von Jean-Christophe Grangé gepaart mit "Level 26" von Anthony E. Zuiker. Das alles darf der Autor gerne tun, mir gefällt es einfach nicht. Zumal sich die Leser in den Buchsupermärkten bereits jetzt schon tischeweise an einschlägiger Literatur laben können, einen Autoren wie Jo Nesboe braucht es da eigentlich nicht noch zusätzlich. Mittelschwer verärgert hat mich der Autor zusätzlich mit den knapp zehn "überraschenden" Wendungen in puncto "Wer war's denn nun eigentlich?". Auch das untypisch für Nesboe, auch das m. E. viel zuviel des Guten. Fazit: Jo Nesboe hat allerlei Neues probiert, kaum etwas davon finde ich gelungen. Zu wenig Autorenbuch mit eigenen Ideen (das mochte ich bisher an seiner Serie), dafür ein zu sehr an den gefühlten Marktbedürfnissen orientiertes Machwerk. In der Endbewertung kommt der Roman trotz all dieser Schwächen mit einem mauen Mittelfeldplatz davon. Ganz stark sind nämlich das eigentliche Mordmotiv und dessen detaillierte Ausarbeitung. So habe ich den "Leopard" an einem einzigen Tag gelesen. Spannung steckt genug in dem Buch, doch leider vermögen sich Nesboes Erzähltalente aus dieser Soße von Blut und Unglaubwürdigkeit kaum freizuschwimmen. [ ck/01.02.2010 ]
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Krimi-Specials
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