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Mankell, Henning Der Feind im SchattenOriginaltitel: Den Orolige Mannen (Leopard förlag: Stockholm 2009)
Unsere Meinung:Henning Mankell zieht den Vorhang auf und lässt noch einmal alle Personen auf die Bühne, die wir in den vergangenen Jahrzehnten in seinen bisher zehn Wallander-Romanen kennen gelernt haben: Da ist Mona, die Ex-Frau des Polizeibeamten, die inzwischen dem Alkohol verfallen ist, da ist Baiba, seine große Liebe, die ihn überraschend auf seinem Altersitz besucht. Und da sind viele Randfiguren, die in zurückliegenden Krimis eine Rolle gespielt haben und die sich Kurt Wallander ins Gedächtnis zurückruft.
Wallander ist inzwischen 60 und zieht Bilanz. Und er tut das, wie wir ihn kennen: nachdenklich, melancholisch, zur Depression neigend. Sensible Leser müssen aufpassen, dass er sie nicht mit hinunterreißt, dass sich vor ihnen nicht ein schwarzes Loch auftut, wenn womöglich auch sie sich selbst fragen, welchen Sinn die vergangenen Jahre in ihrem Leben gehabt haben. Fast zwanzig Jahre kennen wir nun Kurt Wallander. So lange ist es her, dass er den „Mörder ohne Gesicht“ enttarnt hat. Wer seine Schwermut bisher kaum aushielt, dem sei abgeraten von „Der Feind im Schatten“. Abstand zu Kurt Wallanders Seelenleben zu wahren, das ist nicht möglich. Wer das will, der scheitert. 600 Seiten lang. Diese „Seelenwanderung“ ist gleichwohl die gewohnte Stärke von Henning Mankell. Wieder einmal. Mankell hat Anfang der 90er Jahre eine gebrochene Figur geschaffen, die uns gerade wegen ihrer Fehler nahe ist. Ihr Jammern, ihr Zweifeln haben wir Krimi für Krimi ertragen, auch weil wir uns mit einigen Charakterzügen identifizieren konnten. Wir konnten auch verstehen, dass Wallander in der überschaubaren schwedischen Provinz kaum noch nachvollziehen konnte, welche Folgen eine globalisierte Welt hat mit ihren Brutalitäten, mit den Verbrechen, die aus anderen Ländern in seine Kleinstadt schwappten. Nun aber strapaziert Mankell mit seinem Wallander unsere Nerven erneut, etwa so sehr wie etwa ein Freund, der sich jahrelang bei uns ausheulte, aber zu lethargisch ist, seine Probleme endlich zu lösen. Irgendwann, spätestens ab Seite 300, will man dem Mann samt seinem Helden, die uns im Laufe der Jahre so ans Herz gewachsen sind, einfach mal sagen: „Mensch, reiß Dich endlich zusammen! Du stiehlst mir meine Zeit.“ Denn in Mankells Roman bleibt kaum noch Raum für den Fall, den sein Held lösen soll: Zwei Menschen sind verschwunden. Sie sind verwickelt in eine politische Affäre, die sich zur Zeit des Kalten Krieges ereignet hat. Dabei ist der Fall aber nicht annähernd so raffiniert konstruiert wie wir es von Mankell kennen. Er erscheint als eine politische Abrechnung des Autors mit den selbstgefälligen Siegern des Kalten Krieges. Zufälle häufen sich, die dem Polizeibeamten helfen, den Geheimnissen eines ehemaligen U-Boot-Kommandanten und hochrangigen Offiziers der schwedischen Kriegsmarine auf die Spur zu kommen. Beispiel: Dass in Wallanders Nähe ein ehemaliger Mitarbeiter der Stasi wohnt, wissen wir aus einem früheren Roman. Dass es sich bei dem Ex-Spion jetzt auch noch um einen Spezialisten für Giftmorde handelt, der wichtige Hinweise zur Aufklärung gibt, freut einerseits Wallander, strapaziert aber andererseits auch ein wenig seine Glaubwürdigkeit beim Leser. Trotzdem: Wer Wallander mag, sollte ihn auch jetzt wieder begleiten. Denn bei dem, was nun noch auf ihn zukommt, werden wir als Leser nicht mehr dabei sein können. Wallanders Welt wird uns fremd werden. Sie wird sich für uns endgültig verschließen. Das macht uns Mankell am Ende des insgesamt empfehlenswerten Buches unmissverständlich deutlich. Und deshalb könnte man seinen Roman dann auch mit Fug und Recht als „Wallanders letzter Fall“ untertiteln ... [ Von unserem Gastrezensenten Pollock/05.05.2010]
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Krimi-Specials
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