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Davies, Adam Dein oder meinOriginaltitel: "Mine All Mine" (Riverhead Books/Penguin Group: New York 2009)
Unsere Meinung:Das Seltsame an diesem romantischen Thriller, der daherkommt wie ein "Caper-Movie" und dementsprechend ironisch kokettiert mit Filmen wie "Oceans’ Eleven" oder "Rififi", das ist die Diskrepanz zwischen Erzählperspektive, Sprachstil, Handlung und Figurenzeichnung. Was ich damit meine?
Davies erzählt seinen Roman aus der Perspektive des hochspezialisierten Sicherheitsspezialisten Otto Starks. Der ist seit Jahren ein absoluter Top-Mann auf seinem Gebiet, sozusagen ein Super-Held der Sicherheitsbranche. Doch Starks ohnehin schon irres Leben scheint aus den Fugen zu geraten, als ihm bei der Bewachung von millionenteuren Kunstgegenständen die "Ware" gleich mehrmals hintereinander unter der Nase weggeschnappt wird. Wer hinter den Diebstählen steckt, scheint allen relativ klar: Es ist die "Ratte", ein Meisterdieb und Gentlemen-Gauner mit Prinzipien, denn er wendet zum einen keine tödliche Gewalt an und stiehlt zum anderen nur Kunstwerke, die zuvor bereits selbst schon entwendet wurden, und bringt sie ihren rechtmäßigen Besitzern zurück. Zu all dem ist Otto frisch verliebt in die Kunstexpertin Charlie Izzo, der er allerdings seine wahre Identität verheimlicht, was ihn ein heikles Doppelleben führen lässt. Doch auch seine neue Lebensgefährtin hat ihre Geheimnisse ... - womit im Grunde eine turbulente Krimikomödie beginnen könnte ... ... es aber leider nicht so richtig tut. Denn dazu steht sich der Autor mit einigen Momenten selbst im Weg. Sein ziemlicher überheblicher Ich-Erzähler Otto quält seine Leser/innen mit seinen Lebens- und Weltansichten und fügt dazu der laufenden Handlung noch erklärende Fußnoten hinzu. Die insgesamt 69 (!) Anmerkungen außerhalb des Textes gerieren sich noch einmal als besonders witzig, sind es aber nicht wirklich und wirken daher ziemlich überflüssig und störend. So mag sich auch kein rechter Lesefluss einstellen, weil ob im Haupttext oder in den Fußnoten mithin alles zwei- und dreimal erklärt, gesagt und wiederholt wird: Der Stolz Ottos als "Guardian" und seine düster-tragische Vergangenheit, die ihn in die Sicherheitsbranche und speziell in die Bewachung von Kunstgegenständen führte. Dann die Verschlagenheit der "Ratte", wobei man mehrmals zu hören bekommt, wie genial der Meisterdieb mit moralischer Legitimation doch ist. Und schließlich reicht diese nebulöse Zeilenschinderei bis in die amour fou Ottos mit seiner so umwerfenden Geliebten Charlie, deren erotische Ausstrahlung sehr wort- und bildreich, aber auf Dauer des Romans eben auch etwas ermüdend ausgemalt wird. Dabei gewinnt man den Eindruck, dass Adam Davies diesen ganzen Budenzauber nur veranstaltet, um mit seinen bemüht witzigen Sprach- und Verwechslungsspielen für Spannung und Verwirrung zu sorgen. Das ist ihm auf fragwürdige Weise sicher auch ein wenig gelungen. Aber überzeugend, geschweige denn mitreißend wirkt das alles nicht. Der Ton, den Davies anschlägt, kommt ziemlich derb und schnoddrig daher. Aber auch gewollt. Der Wortwitz beschränkt sich zumeist auf schräge Metaphern und Vergleiche, was beim Kriminalroman seit jeher und Raymond Chandler schon ein Lackmus-Test für die sprachliche und stilistische Qualität eines Autors ist. Das hört sich dann übrigens hier in loser und auf Dauer ermüdender Reihenfolge folgendermaßen an: "Denen von Ihnen, für die so etwas eine neue Erfahrung ist, versichere ich: Sich mit der geliebten Frau zu streiten, während man ihr herrisch mit Finger und Schwanz droht, ist keine friedensstiftende Maßnahme. Auf gar keinen Phall." (Adam Davies: Dein oder mein, S. 103) "Ich bin kurz davor, ihnen den Stinkefinger zu zeigen, doch dann denke ich an Herks taoistischen Pazifismus und lächle ihnen nur zu mit, wie ich hoffe, der Milde eines langmütigen Erwachsenen, der nachsichtig mit Mätzchen einer nervigen Bande am Kindertisch erträgt. Selbst als sie ihre analfixierten Pantomimen aufführen – Murgos hält die Hand an den Mund und produziert damit einen Furzton; DeLesseps gibt eindeutig propellerartige Rülpsgeräusche von sich; Iovine streckt die Zunge heraus und schlägt sie gegen die Lippen, was abgehackte Flatulenzlaute erzeugt, während er mir den vorderen Teil seines Gastrointestinaltrakts entgegenstreckt -, bewahre ich Haltung." (Otto Starks im Zusammensein mit seinen Kollegen aus der Sicherheitsbranche; Adam Davies: Dein oder mein, S. 109) "Bei dieser Beleuchtung hat Nunes’ Teint die Farbe von verbranntem Kartoffelbrei, und sie hat verkniffene, zu kleine Augen, so groß wie Schnürsenkellöcher, und sie werden noch kleiner, wenn sie mich ansieht." (Otto Starks im Angesicht der ermittelnden Polizistin Nunes; Adam Davies: Dein oder mein, S. 111 f.) "Damit muss ich Ihnen widersprechen, Starks. Für mich hört sich das an, als wäre ein Insider beteiligt." Nunes’ Augen werden ganz klein und böse, hell wie Vogelaugen. "Was sie automatisch zum Spitzenkandidaten macht." Damit hatte sie nicht unrecht. Etwas riecht nach einem Scheißhaufen im Staate Dänemark, und zwar ich, im übertragenen Sinne wie wörtlich, doch ich gebe mir die größte Mühe, stelle mich geflissentlich dumm. (Otto Starks im fortlaufenden Gespräch mit der ermittelnden Polizistin Nunes, die ihn verdächtigt, an den Kunstdiebstählen selbst beteiligt zu sein; Adam Davies: Dein oder mein, S. 115.) Mir ist in meiner langen Lesekarriere schon weit bestechenderer Wortwitz begegnet. Selbst die Dialoge reißen hier nichts raus, denn sie wirken streckenweise steif und genretechnisch verbiedert. Dass Davies in seinem Roman dabei noch mit der Sprache und dem Duktus der Comic-Welt und ihren Superhelden kokettiert, ist sicher noch erwähnenswert, macht die Lesart seiner Geschichte jedoch keinesfalls einfacher. Das Hauptproblem bei Davis durchaus eher unkonventionellen erzählerischen Bemühungen erscheint mir allerdings seine Figurenzeichnung. Sein sehr geschwätziger und nicht minder egozentrischer Erzähler versperrt da ganz gehörig den Weg, sich die doch atemberaubende Geschichte und seiner Protagonisten selbst und in der eigenen Phantasie auszumalen. Der ziemlich durchgeknallte Otto Starks, der übrigens im Grunde permanent auf Drogen und Pharmaka ist (und sich damit vorgeblich vor "Giftangriffen" der bösartigen Verbrecherschaft schützt), wirkt als Erzählperson sehr ambivalent und nicht gerade sympathisch. Wenn es einem allerdings gelingt, Otto in seiner Erzählung zu folgen und das Ganze als interessant und als witzig zu empfinden, dann ..., na dann, dann mag dieser bemüht originelle "Thriller" für den einen oder anderen durchaus eine Empfehlung sein. [ hs/29.03.2010 ]
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Krimi-Specials
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