![]() |
Walker, Martin Grand CruOriginaltitel: The Dark Vineyard
Unsere Meinung:Bruno brachte die Waldschnepfen in die Küche, löste zwei Löffel Entenschmalz in der Bratpfanne auf, gab Knoblauch und Kartoffeln hinzu, die er vorgegart und in dünne Scheiben geschnitten hatte, und streute feingehackte Petersilie darüber. Er richtete gerade das mit Wein beträufelte Wildbret an, als Pamella mit zwei gefüllten Gläsern kam und ihm eines anbot.
„Ein phantastisches Dinner, Bruno. Genau das, was wir alle brauchten. Sie sind sehr freundlich.“ (Martin Walker: Grand Cru, S. 225 f.) Nach seinem beachtlichem Krimidebüt "Bruno - Chef de police" taucht Martin Walker in seinem zweiten Roman und seiner damit anlaufenden Serie in seiner Erzählung noch mehr in das Leben des kleinen Städtchens Saint-Denis ein. Dieser Flecken provinziellen Menschenlebens liegt in dem wunderschönen Périgord im südwestlichen Frankreich. Hier scheinen allzumal – selbst im Bösen – nur gute Menschen, Gourmets, Weinkenner und hemmungslose Schlemmer zu leben. Das zumindest legt uns auf den ersten Blick Walkers neuer Roman nahe. So wird in diesem Buch so genussvoll gegessen und getrunken, wie ich es kaum je einmal in einem anderen Kriminalroman erlebt habe. Ein Leben wie "Gott in Frankreich"? – Nicht ganz ... In jenem beschaulichen Saint-Denis sorgt der Provinzgendarm Bruno zwar auf seine eigene souveräne Art und Weise für Recht und Ordnung. Die besten Voraussetzungen für ein ruhiges Leben, wenn sich in dieser abgelegenen Provinz nicht gerade wieder das Verbrechen einschleichen würde. Die zweite Geschichte um Bruno "le Chef de police" beginnt mit einem verheerenden Brandanschlag auf ein gentechnisches Versuchsfeld. Der Schaden ist in mehrerlei Hinsicht groß, und die Verdächtigungen in der kleinen Stadt Saint-Denis gehen wild durcheinander. – Stammen die Brandstifter etwa aus der nahegelegenen Öko-Hippie-Kommune, an die man sich eigentlich nach vielen Jahren der Animositäten inzwischen gewöhnt hatte? Sind es grüne militante Aktivisten, die "écolos", die sich zuletzt vehement gegen gentechnische Anlagen gewehrt haben? Oder war das gentechnische Versuchsfeld etwa einigen ortsansässigen ökologischen Weinbauern ein Dorn im Auge? Und nicht zuletzt stellt sich die Frage: War der gentechnische Anbau auf jenem Feld überhaupt genehmigt und legal? Gerade letztere Verdachtsmomente führen auf eine interessante Spur, da sich in der Region schon seit einiger Zeit der amerikanische Weingroßunternehmer Bondino einige genauso unterbewertete wie wertvolle Weinanbauflächen für seinen industriell gefertigten Qualitätswein sichern will. Das würde für die Region gleichzeitig viele und wichtige Arbeitsplätze schaffen. - Doch dann gibt es in der Folge zwei Tote, die noch ganz andere Fragen aufwerfen ... Wie bereits erwähnt: Es wird viel gegessen und getrunken in diesem "Kriminalroman". Das wirkt alles sehr lebenslustig, prall und lässig, aber für meinen Geschmack kommt dabei und über alle menschlichen Konflikte hinweg nicht nur die Spannung zu kurz, sondern letztlich auch der ganze Plot bis hin zur Auflösung, die übrigens so einiges offen lässt. (Nicht zuletzt stellt sich die prekäre Frage, ob die beiden Toten über dem schnell hingeworfenen Geständnis nicht vielleicht doch einem Mord zum Opfer gefallen sein könnten.) So wie er sich in seinem zweiten Bruno-Roman präsentiert, wird Martin Walker sicher bald als Alternative oder Nachfolger zu Autoren/innen wie Donna Leon, Magdalen Nabb oder Petros Markaris gehandelt. Doch nicht nur um sich in diese Richtung entwickeln zu können (ein doch relativ schnöder Weg der schriftstellerischen Entwicklung: pro Jahr ein Krimi und für die Altersrente ist bald gesorgt), sollte Mr. Walker fortan allerdings deutlicher auf seine diversen Spannungsniveaus achten, um sich dem ständig drohenden und gefährlichen Biedersinn seiner doch etwas leutseligen Provinzanekdoten zu entziehen und um seinen verschiedenen Erzählmomenten immer wieder neue Bedeutungskraft einzuhauchen ... Fazit: Für den Rezensenten wirkt "Grand Cru" nicht voll und ganz überzeugend, aber für Leser/innen "ruhigerer" und nachdenklicher Krimis scheint mir der Roman durchaus recht empfehlenswert und eine geeignete Sommerlektüre. [ hs/30.04.2010 ]
|
Krimi-Specials
Warenkorb:
-
Lieferzeiten
-
Wochentags:
Bis 18:00 Uhr bestellte Bücher sind am folgenden Morgen versandfertig und verlassen dann die Buchhandlung.
Wochenende:
Bücher die zwischen Freitag (nach 18:00 Uhr) und Sonntag bestellt werden, sind erst Dienstagmorgen versandfertig und verlassen die Buchhandlung. Ausnahme: Die Bücher sind im Hammett vorhanden.
-
Wochentags:
-
Angekündigte Bücher
- Diese Titel können Sie jetzt schon normal über unsere Warenkorbfunktion bestellen. Sobald das Buch erhältlich ist, erhalten Sie von uns nochmal eine E-Mail, daß Ihre Ware versandfertig ist.
-
Versandkosten
-

Der Versand von neuen Büchern innerhalb Deutschlands ist für Sie bei uns versandkostenfrei.
-


