![]() |
Stark, Richard Fragen Sie den PapageiOriginaltitel: Ask the Parrot
Unsere Meinung:"Dann habe ich . . . die ganze Série noire gelesen, vor allem die Klassiker: Chandler, Hammett, Charles Williams, John D. MacDonald, Jim Thompson, alle eben. Der einzige Große, der mir später, um 1969 herum, noch fehlte, war Richard Stark / Donald Westlake, den ich erst danach entdeckt habe . . . "
(Jean-Patrick Manchette aus seinem erlesenen Leben (1943-1995). In: Ders., Chroniques. Essays zum Roman noir. Distel LiteraturVerlag: Heilbronn 2005, S. 8.) Donald E. Westlake alias Richard Stark ist eine lebende Legende des amerikanischen Kriminalromans. Trotz seines herausragenden Rufs und trotz kultträchtiger Verfilmungen seiner Romane wie John Boormans "Point Blank" mit Lee Marvin (USA 1967) wurde in Deutschland allerdings seit mehr als einem Vierteljahrhundert nichts mehr von dieser "Ikone des Noir-Romans" (Zsolnay-Verlagswerbung) veröffentlicht. In Deutschland erschien Donald E. Westlake, der Autor mit den vielen Pseudonymen (Richard Stark, Tucker Coe, Curt Clark, Timothy J. Culver), früher vor allem in Ullsteins gelber Krimireihe. Die Hochzeit des Autors lag hierzulande aber zweifellos in den bewegten 60er Jahren. Unterdessen war und ist Donald E. Westlake, Jahrgang 1933, längst noch keine schriftstellerische Leiche. Trotz seines Alters zeigt er sich unermüdlich produktiv und veröffentlichte in den USA mit kurzen Unterbrechungen bis heute jährlich ein bis zwei Romane - selbst wenn deutsche Krimileser davon kaum etwas mitbekommen haben dürften. Nun hält Stark/Westlake mit zwei Romanen wieder Einkehr in die deutsche Krimiszenerie. Unter seinem Klarnamen Westlake ist jetzt im Herbst 2008 bei Rotbuch Hard Case Crime der Roman "Mafiatod" in neuer Übersetzung erschienen (Originaltitel "361" von 1962; auf Deutsch erstmals 1963 u.d.T. "Höllenfahrt" bei den Mitternachtsbüchern herausgekommen). Kurioserweise hat fast zeitgleich und nur wenige Wochen zuvor der Zsolnay Verlag mit dem Stark-Roman "Fragen Sie den Papagei" ein erstes Zeichen für den hierzulande fast vergessenen Autoren gesetzt, - was mit einigen anderen Anzeichen mitunter darauf hindeuten könnte, das dem Noir-Roman in Deutschland ein neuer Boden bereitet wird. `Gerade Zsolnay´ mag der Krimikenner fragen, dem der Wiener Verlag eher durch seine Henning Mankell-Romane und gediegene Mainstream-Krimis bekannt ist. Ein kleines Indiz dafür, wie den Wiener Verlagsleuten ihr eigener Mut wohl selbst nicht ganz geheuer war, mag man darin erkennen, dass sie Stark statt wie sonst bei anderen Krimis üblich nicht im Hardcover, sondern in der allseits um sich greifenden Klappenbroschur veröffentlicht haben. - Doch wollen wir nicht frotzeln (auch nicht über den exorbitanten und für Leser eher abschreckend kalkulierten Preis von 16 Euros und neunzig Cent), denn es ist allemal zu begrüßen, dass sich gerade ein renommiertes Verlagshaus wie Zsolnay einem hochkarätigen Autoren wie Richard Stark / Donald E. Westlake annimmt. (Für den normalen Krimileser darf das nebenbei durchaus als Zeichen der Qualität - nein, besser: als Anerkennung von Qualität - gelten.) Genug der Hintergründe, selbst wenn man noch gerne fragen möchte, weshalb Donald E. Westlake und mit ihm der Noir-Roman als komplettes Krimi-Subgenre gerade jetzt eine Art Renaissance erleben ... "Fragen Sie den Papagei" ist ein harter, schnörkelloser und dennoch fast liebevoll in genauso lakonischen wie sarkastischen Tönen gezeichneter Noir-Roman. Der Held des Romans ist Parker, ein kühl berechnender professioneller Verbrecher mit strengen Prinzipien. Parker war schon immer " . . . ein Profi, Spezialist für bewaffnete Raubüberfälle auf Banken, Juweliergeschäfte oder Geldtransporte. Er arbeitete nur im Team, niemals allein, und war jetzt neunzehn Jahre in diesem Beruf. Meistens hatte er in dieser Zeit unter falschen Namen gelebt und sich eine Tarnexistenz aufgebaut, in der er von den Erträgen seiner Arbeit lebte; ein- oder zweimal im Jahr kam er hervor, um sein Kapital wieder aufzufüllen." (Richard Stark, Parker und der Amateur (1966). Zitiert nach: Jochen Schmidt: Gangster, Opfer, Detektive. Eine Typengeschichte des Kriminalromans. Ullstein: Frankfurt/Berlin 1989, S. 252) Auch in "Fragen Sie den Papagei" ist Parker an einem Bankraub beteiligt. Doch die Sache geht schief. Er und seine Komplizen müssen sich auf der Flucht trennen. Parker verschlägt es mitten in die Pampa nach Massachusetts, wo er nahe einem tristen kleinen Ort namens Pooley auf den arbeitslosen Verlierer Tom Lindahl trifft. Lindahl bewahrt Parker vor dem Zugriff der Polizei, deren Fahndung auf Hochtouren läuft. Es dauert nicht lange, bis Parker erfährt, dass seine Komplizen gefasst wurden. Ihm ist klar, dass damit wohl auch die gesamte Beute flöten gegangen ist. Nicht zuletzt bleibt seine eigene Lage kritisch, aber nicht aussichtslos, solange Lindahl ihm Unterschlupf gewährt. Allerdings scheint das Landei Lindahl seine eigenen Vorstellungen davon zu haben, wie Parker seine Bringschuld schon bald zurückzahlen soll. - - - Richtig in Bedrängnis gerät Parker allerdings erst, als er sich unter falscher Identität mit seinem vorgeblichen Freund Lindahl an die Öffentlichkeit wagen muss. Aber Angriff ist oft die beste Verteidigung, und gerade das Offensichtliche findet am wenigsten Beachtung. So lässt sich Parker unerkannt und auf ziemlich absurde Weise als Mitglied eines freiwilligen Suchtrupps rekrutieren, der gerade ihn, den flüchtigen Verbrecher, aufspüren soll. Mit diesem kleinen Geniestreich rettet er zwar erst mal seine Haut, andererseits gerät er damit nur noch tiefer ins Schlamassel. Viel zu viel Unvorhergesehenes geschieht für den kühl berechnenden Profi. Und damit gerät alsbald ein weiteres Schicksal, die des kleinstädtischen Angebers Fred, mit den Plänen Parkers in Konflikt. Als dann neben Fred noch einige andere misstrauische Zeitgenossen in Pooley Verdacht schöpfen, schwant Parker langsam, dass er von diesem verfluchten Fleckchen Erde nicht mehr ganz so schnell und einfach wegkommen wird: "Ich sag Ihnen was - das könnte ihm [Fred] helfen, die Klappe zu halten", sagte Lindahl; "und es ist was, über das er nie redet. Sein ältester Sohn [George] sitzt im Knast." "Wie ist denn das passiert?" "Er war in der Armee, und die haben ihn in den Nahen Osten geschickt, damit er denen alles über Demokratie beibringt. Dort hat er ein paar Einheimische kennengelernt, die wiederum ihm einiges beigebracht haben. Diese Burschen sind in irgendwelche Häuser gegangen und mit Sachen rausspaziert, die sie vorher noch nicht hatten." "Aha." "Nicht wie Sie. Eher Kleinkram. George war trotzdem schwer beeindruckt. Als er zurückkam, hat er allen davon erzählt. Die hatten sogar ein spezielles Wort dafür: Hawasim - das heißt Plünderer." Lindahl zuckte die Schultern. "Ist wahrscheinlich nicht ganz einfach, in einem Kriegsgebiet Plünderer zu sein." "Wahrscheinlich." "George dachte, er wäre auch ein Hawasim, und jetzt sitzt er drei bis fünf Jahre in Attica ab. Das letzte, was Fred will, ist, in der Nachbarzelle zu sitzen." "Gut." (Richard Stark: Fragen Sie den Papagei, S. 65) Genau über solche und andere notdürftigen Erwägungen gerät Parker immer tiefer in den tückischen Morast einer desillusionierten, bigotten und letztlich hemmungslos habgierigen Gesellschaft von Provinzlern, die offenbar zu allem bereit sind. Von "heiler Welt" kann in Pooley ganz und gar nicht die Rede sein . . . Nun kommen Starks Randnotizen aus der kriminellen Provinz keineswegs als offene Gesellschaftskritik daher. Dennoch erstaunt schon an den früheren Parker-Romanen, wie Richard Stark gleichzeitig pointiert wie en passant nicht nur den allgemeinen moralischen Zustand seines jeweiligen Romanpersonals aufzeichnet, sondern darüber hinaus und oft auf bestechend einfache Weise mit kurzen, sarkastischen Seitenhieben und leisen lakonischen Untertönen buchstäblich ein Stillleben schreiender gesellschaftlicher Realitäten ausmalt. Fazit: Die Rückkehr Donald E. Westlakes bzw. Richard Starks auf der deutschsprachigen Krimi-Szene ist zweifellos ein Gewinn. Und wer bisher schon späte "Klassiker" wie Jean-Patrick Manchette oder auch so verschiedene Autoren wie Garry Disher und Harry Nykänen gelesen und geschätzt hat, der vermag hier zu erahnen, bei welchem Meister solche vielfältigen Autoren vielleicht "in die Schule" gegangen sind. Richard Stark nun wirkt wie seine Figur Parker zeitlos und scheint einfach nicht älter werden zu wollen. Hoffen wir, dass dem "Grand Master" der amerikanischen Kriminalliteratur noch einige Jahre gegönnt sein werden, um uns mit Parker von den kriminellen Kehrseiten unserer ehrenwerten modernen Gesellschaften zu erzählen. [ hs/02.10.2008 ] Diese Rezension bezieht sich auf die Zsolnay-Ausgabe vom August 2008
|
Krimi-Specials
Warenkorb:
-
Lieferzeiten
-
Wochentags:
Bis 18:00 Uhr bestellte Bücher sind am folgenden Morgen versandfertig und verlassen dann die Buchhandlung.
Wochenende:
Bücher die zwischen Freitag (nach 18:00 Uhr) und Sonntag bestellt werden, sind erst Dienstagmorgen versandfertig und verlassen die Buchhandlung. Ausnahme: Die Bücher sind im Hammett vorhanden.
-
Wochentags:
-
Angekündigte Bücher
- Diese Titel können Sie jetzt schon normal über unsere Warenkorbfunktion bestellen. Sobald das Buch erhältlich ist, erhalten Sie von uns nochmal eine E-Mail, daß Ihre Ware versandfertig ist.
-
Versandkosten
-

Der Versand von neuen Büchern innerhalb Deutschlands ist für Sie bei uns versandkostenfrei.
-


