Titel: Der Hypnotiseur

Kepler, Lars Der Hypnotiseur

Originaltitel: Hypnotisören Aus dem Schwedischen von Paul Berf Vor den Toren Stockholms wird an einem Sportplatz die Leiche eines brutal ermordeten Mannes entdeckt. Kurz darauf werden Frau und Tochter ebenso bestialisch getötet aufgefunden. Offenbar wollte der Täter die ganze Familie auslöschen. Doch der Sohn überlebt schwer verletzt. Als Kriminalkommissar Joona Linna erfährt, dass es ein weiteres Familienmitglied gibt, eine Schwester, wird ihm klar, dass er sie vor dem Mörder finden muss. Er setzt sich mit dem Arzt und Hypnotiseur Erik Maria Bark in Verbindung. Er will, dass Bark den kaum ansprechbaren Jungen unter Hypnose verhört. Bark hatte sich jedoch wegen eines traumatischen Erlebnisses geschworen, niemals mehr zu hypnotisieren. Aber es geht hier um ein Menschenleben. Es gelingt ihm schließlich, den Jungen zum Sprechen zu bringen. Was er dabei erfährt, lässt ihm das Herz gefrieren. "Hammett"-Krimi des Monats Dezember 2010

Autor: Kepler, Lars
Titel: Der Hypnotiseur
Jahr: 2010-12
Seiten: 638 | Hardcover
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-7857-2426-2
Preis: 19.99 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

Zunächst fällt bei Lars Keplers Thriller "Der Hypnotiseur" auf, wie schnell und gleichzeitig sich hier zwei Handlungsstränge entfalten: Zu Beginn des Romans steht der Mord an drei Mitgliedern der Stockholmer Familie Ek. Einzig Josef, der fünfzehnjährige Sohn der Familie, scheint den Mordangriff überlebt zu haben, er ist aber schwer traumatisiert und nicht ansprechbar. Schnell wird klar, dass auch noch eine erwachsene Tochter im Haus der Familie war. Die ist jedoch spurlos verschwunden. Die Polizei schließt aus der Brutalität des Verbrechens, dass der oder die Täter die ganze Familie auslöschen wollte. Sollte die Tochter also noch leben, so befindet sie sich damit nach wie vor in Lebensgefahr. Da die ermittelnden Beamten über die Hintergründe des brutalen Verbrechens völlig im Dunkeln tappen, setzen sie sich mit dem Arzt und Hypnose-Spezialisten Erik Maria Bark in Verbindung. Er soll den Jungen mithilfe klinischer Hypnose vernehmen, um Einzelheiten zum Tathergang zu erfahren. Obwohl Bark sich vor Jahren geschworen hatte, nie wieder mit Hypnosetechniken zu arbeiten, lässt er sich von der Polizei zur Mitarbeit überreden. Kommissar Joona Linna sieht in ihm den einzig möglichen Zugang zu dem Jungen und somit zum Hergang des Verbrechens. Zudem ist der Josef der einzige, der Informationen zum Aufenthaltsort seiner Schwester Evelyn haben könnte. Was Josef dann aber unter der Hypnose erzählt, erscheint unglaublich ... Gleichzeitig erfährt man dann nach und nach, welche Erlebnisse Bark vor zehn Jahren in einer von ihm geleiteten Hypnose-Gruppe dazu bewegt haben, Abstand von der Kunst der Hypnose zu nehmen. Zudem haben die Vorfälle von damals auch etwas mit den Morden an der Familie Ek zu tun. Womit keinesfalls zuviel verraten ist, denn wir befinden uns immer noch auf den ersten hundert Seiten des 640seitigen Psychodramas. Der Roman kommt anfangs übrigens ziemlich hart und brutal daher und entfaltet erst mit fortlaufender Parallelität besagter beider Handlungsstränge seine eigentlichen Qualitäten und Besonderheiten. Dabei wirkt besonders die spannende Darstellung der Arbeit mit klinischer Hypnose überaus faszinierend und zieht die Leser unwillkürlich in ihren Bann. Es geht dem Autorenduo "Lars Kepler", hinter dem sich das Pseudonym des Autorenehepaars Alexandra Coelho Ahndoril und Alexander Ahndoril versteckt, nicht um kalkulierte Effekthascherei. Ihre Erzählweise baut ganz im Gegenteil mit sehr differenzierten Mitteln konzentrierte Spannung auf und ist weit entfernt von der Sensationsgeilheit von Hypnose-Shows, wie man sie aus eigener Anschauung vielleicht vom Privatfernsehen à la RTL und Sat1 kennen mag. Die Darstellung psychoanalytischer Methoden scheint Kepler daher auch ein aufrichtiges Anliegen zu sein. So erfahren wir neben der reinen Thrillerhandlung "quasi nebenbei" auf eindrucksvolle Weise, mit welchen Mitteln und Methoden verdrängte oder unterdrückte Erinnerungen wieder bewusst gemacht werden können. Ihr herausragendes handwerkliches Können stellt das Autorenduo auch darin unter Beweis, wie die Details aus der Vergangenheit der einzelnen Protagonisten in die Gesamthandlung eingeflochten werden. Diese gezielten Informationen für die Leser bewegen sich fernab von alltäglichen Belanglosigkeiten und Gefühlslagen, mit den viele Krimis ansonsten hausieren gehen. Es spielt hier keine besondere Rolle, wer wann welche Musik hört, was jemand isst oder kocht oder mit welchem jeweiligen Gefühl. Die Beschreibungen und Charakterisierungen der Protagonisten steigern bei Kepler eher noch die Spannung, weil man das Gefühl nicht los wird, es hier trotz Fiktion und mörderischem Ausnahmezustand mit wirklichen Menschen zu tun zu haben. Erzählt wird nur, was wichtig zum Verständnis der handelnden Personen ist, und das ist Kepler einfach gelungen, selbst wenn diese Erzählweise manchmal geradezu altbacken wirkt. Fazit: Ich habe seit langer Zeit keinen Kriminalroman gelesen, zu dem mir selbst derart viele und ansonsten so sattsam bekannte Schlagworte aus der Klappentextproduktion eingefallen wären. In diesem Fall scheue ich nicht, sie zu denken: "Fesselnd bis zur letzten Seite", "Psychothriller erster Güte", "Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen" bis hin zu "Spannender als ..." – hier bei diesem Roman trifft plötzlich alles zu. Und das ist eben ausnahmsweise nicht ironisch, sondern vollkommen ernst gemeint. "Der Hypnotiseur" erfindet das Genre ganz sicher nicht neu, und er hat auch keine politische Botschaft. Das braucht er auch nicht. Denn er lebt ganz und gar aus seiner spannenden Erzählung und seiner subtilen Figurenzeichnung heraus. Und damit ist er für mich einfach einer der unterhaltsamsten und beeindruckendsten Spannungsromane meines Lesejahres 2010. [ ck/12.12.2010 ] Vergleichen Sie dazu auch unsere TV-Kritik unter: Lars Kepler, Der Hypnotiseur (ck/02.02.2011)
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