Titel: Belleville-Barcelona

Pécherot, Patrick Belleville-Barcelona

Originaltitel: Belleville Barcelone
Aus dem Französischen von Cornelia Wend

Paris, 1938. In Belleville langweilt sich ein Detektiv. Er weiß noch nicht, dass die Welt um ihn herum ins Taumeln geraten ist: Bei den Nachforschungen nach einer verschwundenen Fabrikantentochter kommt Nestor einem großangelegten Waffenschmuggel in das vom Bürgerkrieg zerrissene Spanien auf die Spur und gerät zwischen die politischen Fronten.

Autor: Pécherot, Patrick
Titel: Belleville-Barcelona
Jahr: 2011-03
Seiten: 222 | Taschenbuch
Verlag: Edition Nautilus
ISBN: 978-3-89401-735-4
Preis: 14.90 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

"In der Rue des Couronnes war meine Pfeife erloschen. Ich steckte sie in die Tasche und ging in die Passage Plantin. Die Gaslaternen waren runter gedreht, die Nacht war hier so schwarz, dass man die Hand nicht vor Augen sah. Ideal zum Tresore knacken, dachte ich, da ich gerade mit den Gedanken bei Leboeuf war.
Der knackte jetzt vermutlich gerade etwas ganz anderes, nämlich Francos Panzer. Während die braven Bürger in ihren warmen Federbetten lagen, nahm er in Spanien die Panzer unter Beschuss. Ohne großes Tamtam darum zu machen. Weil manche Sachen es wert sind, dass man für sie seine Haut riskiert."

Genau ein langes Jahr hat es gedauert, aber jetzt ist endlich der zweite Teil der Trilogie um den Anarcho-Detektiv "Pipette" erschienen. Zeitlich bedingt, da 1938 spielend, klar politischer als der Vorgängerroman "Nebel am Montmartre". Und das tut dem Roman "Belleville-Barcelona" außerordentlich gut!
Er liefert ein rundherum stimmiges Abbild Frankreichs zum Ende der dreißiger Jahre ab. War der erste Roman eher eine amüsante Hommage an die Werke Leo Maléts um Nestor Burma, so zeigt Patrick Pécherot dieses Mal seine dokumentarischen Fähigkeiten politischer Natur. Gekonnt spannt er den Bogen von Paris mit den Anschlägen der rechtsextremen "La Cagoule" hin zu den Ereignissen in Spanien, wo Franco mithilfe italienischer Faschisten und deutscher Nationalsozialisten gerade den Bürgerkrieg gewinnt. Natürlich wirkt auch hier wieder "Pipette" als eine Art Detektiv im Zentrum, aber das Weltgeschehen ist diesmal einfach wuchtiger als der Fall der vermissten Fabrikantentochter.
Quirlig erneut auch wieder das Personal des Romans: Ein Zauberer, der nachts Blumen stiehlt und tagsüber als Leichenbestatter wirkt, eine kopflose Leiche, die mit Trotzki zu tun hat, und natürlich wieder André Breton. Dessen Auftritte reichen wiederuman die Grenze des Genialen, - sie einfach nur surreal zu nennen, wäre fast schon untertrieben.

Patrick Pécherot hat großes Lesekino geschaffen, vergleichbar vielleicht am ehesten mit Jean-Francois Vilars "Die Verschwundenen". Und hoffentlich bewahrheiten sich die Gerüchte, wonach der dritte Teil der Trilogie "Boulevard der Irren" bereits im kommenden August 2011 erscheinen soll.

[ ck/16.03.2011 ]
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