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Schorlau, Wolfgang Die letzte FluchtDer sechste Fall führt Georg Dengler nach Berlin. Professor Dr. Bernhard Voss, Arzt an der Charité, wird eines schrecklichen Verbrechens verdächtigt. Sein Verteidiger bittet Dengler um Unterstützung. Dieser steht plötzlich vor einem Abgrund an Manipulationen. Fast beiläufig erzählt Schorlau zugleich eine Geschichte über den Widerstand gegen Stuttgart 21, in dem Denglers Sohn Jakob aktiv ist.
Unsere Meinung:„Die letzte Flucht“ ist bereits der sechste Kriminalroman um Georg Dengler, ehemals Zielfahnder beim Bundeskriminalamt, der jetzt als privater Ermittler tätig ist. Sein aktueller Auftrag führt ihn nach Berlin, er soll Beweise für die Unschuld des Charité-Arztes Professor Dr. Voss finden, der des Mordes an einem jungen Mädchen verdächtigt wird.
In einem anderen Handlungsstrang wird Dirk Assmuss, der Europachef des Pharmaunternehmens Peterson & Peterson in Berlin entführt. Allerdings werden keine Forderungen gestellt, Assmuss wird lediglich einem Verhör unterzogen. Dabei wird er nach Praktiken der Pharmakonzerne gegenüber Ärzteschaft, Wissenschaft und Politik befragt. Dieses Verhör dauert mehrere Tage an. Zornig muss Wolfgang Schorlau beim Schreiben des Romans gewesen sein. Das merkt man dem Buch durchgängig an, und das tut „Letzte Flucht“ auch sehr gut. Immer nah am Plot nennt der Autor Zahlen, Zusammenhänge, Vorgehensweisen und Preisstrategien der „Gesundheitskonzerne“. Kernaussage des Buches ist: Wo viel Geld zu machen ist, da ist jemand mit krimineller Energie nicht weit. Warum sollte das in dieser Branche anders sein? Im Jahr 2009 wurden in Deutschland über 270 Milliarden Euro im Gesundheitswesen ausgegeben. Ein Nährboden für Haifische jeglicher Färbung… In einer weitern Nebenhandlung geht Wolfgang Schorlau auf die Gewalteskalation bei einer Demonstration im September 2010 in Stuttgart ein. Dieser Realismus mag manchem Leser zuviel sein, ich finde ihn genau ausgewogen und das Buch deshalb umso lesenswerter. Georg Dengler spielt diesmal nicht ganz wie gewohnt die alleinige Hauptrolle, ihm zur Seite bzw. gegenüber steht die Berliner Polizei. Das ist gelungen und interessanter als die in den bisherigen Romanen doch sehr starke Fokussierung auf ihn und sein Privatleben. Die Aussagekraft und Wucht von „Letzte Flucht“ braucht kein ausuferndes Privatumfeld, genauso wenig wie Serienmörder, Psychopathen oder Madengetier. Einen kleinen Abzug in der B-Note gibt es für die Darstellung der SEK-Polizisten. Die Arbeitsweise dieser Truppe dürfte in Wahrheit anders und vor allen Dingen professioneller aussehen Wolfgang Schorlau ist einer der wenigen deutschsprachigen Autoren, die den Mut besitzen sich in ihren Romanen mit aktuellen Geschehnissen und Themen auseinanderzusetzen. Das hat er mit „Letzte Flucht“ erneut bewiesen. Nach der Lektüre von „Letzte Flucht“ bleibt ein herber Nachgeschmack im Mund der an sehr bittere Medizin erinnert. [ ck/21.09.2011 ]
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Krimi-Specials
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