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Ani, Friedrich Süden und die SchlüsselkinderKurz vor Weihnachten verschwindet der 10-jährige Adrian aus dem Kinderschutzhaus, in das man ihn gebracht hat. Tabor Süden soll ihn suchen. Die SMS, die Adrian seiner Freundin Fanny schickt, geben Süden Hinweise auf Leute und Orte, die der Junge aufsuchen möchte.
Unsere Meinung:Tatsächlich eine Art Weihnachtsgeschichte. Wie der frühere Kripokommissar Tabor Süden, nach sieben Jahren Kellnerjob in Köln, wieder im heimatlichen München seiner eigentlichen Berufung nachgeht, nunmehr als Angestellter einer Detektei, nämlich dem Aufspüren vermisster Menschen - wie Süden also voller Selbstzweifel und immer noch voller Trauer über den Selbstmord seines besten Freundes und langjährigen Kollegen Martin Heuer durchs vorweihnachtliche München stiefelt, um ein ausgerissenes Heimkind aufzuspüren, und dabei den traurigen Geheimnissen und Lebenslügen aller Beteiligten nachspürt - das ist von Friedrich Ani schon ähnlich bewusst klar und schlicht, poetisch und herzergreifend erzählt wie eben das Weihnachtsmärchen von Charles Dickens.
Denn natürlich geht es auch hier nicht allzu übel aus. Tabor Süden wird nur eine ganze Weile an der Nase herumgeführt. Letztlich bewahrt er aber einen kühlen Kopf, als die Dinge durch sein Zutun eskalieren. Er bleibt beharrlich, und er beweist, dass er immer noch den richtigen Riecher hat. Schön, wie Ani seine fortlaufende Geschichte um Handy-Gespräche und SMS mit dem entlaufenen Jungen herum baut. Wenn’s nicht gar zu blödsinnig klänge, könnte man den Roman glatt einen „Handy-Krimi“ nennen. Sehr schön, wie Ani die Detektivgeschichte nach einem Moment des Innehaltens (S.104-107, zum Reinlesen empfohlen!) dramatisch beschleunigt, dann plausibel alle Spannungsknoten wieder löst und am Ende die Geschichte(n) ganz entspannt ausklingen und nachhallen lässt. Ein bisschen Sentimentalität darf da sein, ausgeglichen durch Anis immer wieder aufblitzende Verschmitztheit, und gut aufgehoben in seiner kunstvoll knappen Erzählsprache. So kann ein Kriminalroman weniger als 200 Seiten haben, und es fehlt nichts, gar nichts. Glauser hätte seine Freude dran gehabt. [ rs/25.11.2011 ]
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Krimi-Specials
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