Titel: Die Sprache des Feuers

Winslow, Don Die Sprache des Feuers

Originaltitel: California Fire And Life
Aus dem Amerikanischen von Chris Hirte

Jack Wade war der Star der Abteilung für Brandstiftung des Orange County Sheriff Departments (Kalifornien), bis ihn eine angebliche Falschaussage die Karriere kostete. Dass sein Kollege Bentley die Finger im Spiel hatte, ist eine andere Geschichte. Für seinen neuen Arbeitgeber, die California Fire & Life , ermittelt er in einem Versicherungsfall: Das Anwesen des Immobilienmoguls Nicky Vale ist bis auf die Grundmauern abgebrannt mitsamt seiner jungen Frau Pamela. Auch Bentley war schon am Brandort. Er tippt auf zu viel Wodka und eine brennende Zigarette. Aber Jack Wade kennt die Sprache des Feuers. Und macht sich auf Spurensuche. Bis er herausfindet, dass Nicky Vale mitnichten der unbescholtene amerikanische Bürger ist, als der er sich ausgibt, wird die Sache so heiß, daß Jack Gefahr läuft, sich die Finger zu verbrennen.

Russische Erpresser und abtrünnige KBG-Agenten, Antiquitätenhändler und Versicherungsbetrüger, vietnamesische Gangs und abgelegte Liebschaften Jack Wade verstrickt sich in einem Dickicht aus Verschwörung, Korruption und Betrug, so sehr, dass er am Ende beschließt, Feuer mit Feuer zu bekämpfen.

Sehen Sie dazu auch unsere ausführliche TV-Kritik vom 09.05.2012 unter: Don Winslow - Die Sprache des Feuers

Autor: Winslow, Don
Titel: Die Sprache des Feuers
Jahr: 2012-03
Seiten: 419 | Taschenbuch
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-46350-5
Preis: 14.99 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

Die Winslow-Fans wollen natürlich erst mal wissen: Kann man den neuen (im Original aber alten) Krimi "Die Sprache des Feuers" mit Winslows anderen Krimis vergleichen?

Ja, man kann. Am ehesten und arg verkürzt könnte man sagen, "California Fire & Life" (1999) liegt irgendwo zwischen "The Dawn Patrol" (2008) und "The Power of the Dog" (2005).

Das heißt, es hat nicht den Witz und die Leichtigkeit von Don Winslows wunderbarem Debüt "A Cool Breeze on the Underground" (1991) und den weiteren Detektivkrimi-Abenteuerromanen um Neal Carey, und es hat auch nicht den frechen Schwung und den schwarzen Humor der beiden Gangster-Krimis "The Death and Life of Bobby Z" (1997) und "The Winter of Frankie Machine" (2006). - Anscheinend braucht Don Winslow den Wechsel zwischen humorvollen und eher straighten, ernsten Thrillern.

Abgesehen vom Frühwerk um Neal Carey, das überall auf der Welt spielte, wird bei Winslow immer gesurft. Immer geht es um Kalifornien, um die (immer auch kriminelle) Geschichte des Sonnenstaates, um Wandel und Verschandelung und ewige Schönheit des Küstenlandstrichs, um Kalifornien überhaupt als Sehnsuchtsort, als Paradies, als geographischen Inbegriff des American Dream. So wie Joe R. Lansdale uns Texas erzählt oder Jerome Charyn uns ein magisches New York, so entführt uns Don Winslow immer an seine geliebte kalifornische Küste.

Sein Held Jack Wade ist diesmal ein verbissener, von der Arbeit und von Wahrheits- und Gerechtigkeitsstreben besessener Brandermittler. Früher bei der Polizei, arbeitet er nach seinem spektakulären Rauswurf jetzt als Angestellter einer großen Lebens- und Feuerversicherung. Also gar nicht der lockere, coole Surfer-Typ, der auch mal relaxt und alle Fünfe grade sein lässt, der sich’s gut gehen lässt und sich wie fast alle Anderen auch mal schmieren lässt. Genau diese Ernsthaftigkeit, diese Akribie, diese Unkollegialität auch (Harry Bosch lässt grüßen) hat ihn letztlich seinen Job bei der Polizei gekostet, hat ihn die Liebe seines Lebens gekostet (der er sich nun erneut annähern darf), und genau das wird ihm auch in der aktuellen Brandermittlung gegen einen Mann, der vielleicht sein Traumhaus samt Traumfrau und exquisiter Möbelsammlung abgefackelt hat, zum Verhängnis. Jack verbeißt sich wieder einmal in den Fall und merkt nicht, was wirklich um ihn herum und mit ihm geschieht, wie er wieder einmal in eine ausgeklügelte Falle tappt.

Bei durchgehend hohem Tempo und hoher Spannung lässt Don Winslow sich auch Zeit für Kleinigkeiten, Nebenhandlungen, Rückblenden und Exkurse. Beispielsweise für den Werdegang eines russischen KGBlers und Mafioso – ja, hier geht’s gegen eine russische und ganz nebenbei auch noch gegen eine vietnamesische Mafia von mörderischen Versicherungsbetrügern. So etwas reichert den Thriller mit Mehrwert an, macht ihn epischer, liest sich im Nachhinein wie stilistische Vorstudien zu Winslows wuchtigem Meisterwerk "The Power of the Dog".

Extrem interessant und spannend schildert Winslow die Details der Brandermittlung. "California Fire & Life" ist ja als Buchtitel kaum zu toppen, Don Winslow spielt im Text auch mit diesem Versicherungsnamen. Doch Suhrkamps "Die Sprache des Feuers" ist genauso ein Volltreffer, denn darum geht es tatsächlich: "Feuer spricht seine eigene Sprache. Kein Wunder, denkt Jack, dass man Flammen mit Zungen vergleicht. Sie können wirklich sprechen. Sie sprechen schon, während sie brennen – die Farbe der Flammen, die Farbe des Rauchs, die Art der Ausbreitung, ihr Geräusch -, und sie hinterlassen eine präzise Beschreibung ihres Werks. Das Feuer schreibt seine Chronik selbst." (Auftakt zum 41. von insgesamt 138 Kapiteln: Jack nimmt den Brandort genauestens unter die Lupe.)

Guter Thriller also, bewährt gut übersetzt von Chris Hirte. Punktabzüge gibt’s für Genre-Kitschigkeiten (die wichtigen weiblichen Nebenfiguren sind alle überirdisch schön; Jack Wade ist natürlich der weltbeste Feuerschadensermittler) und für Unglaubwürdigkeiten (das Brandopfer ist zufällig die Halbschwester von Jacks großer Liebe; besagte große Liebe ist zufällig eine tolle toughe Polizistin, die dann aber zwecks Dramaturgie einen saudummen Alleingang machen muss; Jack kommt mit seiner Brandsache einer großen FBI-Ermittlung in die Quere, aber niemand sagt ihm das, geschweige denn, dass man ihn einweihen und von seinen Ermittlungen profitieren würde).

Trotzdem schön, dass das Thema Brandstiftung nicht Krimi-Romanzen mit sexy Feuerwehrleuten überlassen bleibt, und dass es endlich mal wieder was mit einem Versicherungsdetektiv gibt!

P.S.: Zwei weitere Versicherungsthriller von ähnlichem Kaliber waren "Death Benefits" / "Sicher ist nur der Tod" von Thomas Perry (den ich auf dem deutschen Buchmarkt schmerzlich vermisse – Suhrkamp, übernehmen Sie!), und "Darwin’s Blade" / "Das Schlangenhaupt" von Dan Simmons. Ganz anders hingegen Joseph Hansens kalifornische Krimisaga um den schwulen Versicherungsdetektiv David Brandstetter: eher Chandler-Melancholie als Thriller-Hochspannung.

[ rs / 15.03.2012 ]
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