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Howald, Stefan Eric AmblerBiographie zu Eric Ambler mit zahlreichen Fotos, Faksimiles, Lebenschronik, Bibliographie, ausführlicher Filmographie, Anmerkungen, Namen- und Werkregister.
Unsere Meinung:"Was für einen winzig kleinen Teil machen im Leben eines Menschen seine Taten und Worte aus! Sein wahres Leben spielt sich im Kopf ab und ist niemandem bekannt außer ihm selbst. Die Mühle des Gehirns mahlt den ganzen Tag, und seine Gedanken, nicht das andere, sind seine Geschichte. Sie bilden sein Leben, und man kann sie nicht aufschreiben. Jeder Tag würde ein ganzes Buch mit 80 000 Wörtern füllen – 365 Bände im Jahr. Biographien sind nichts als die Kleider und Knöpfe eines Menschen – seine vollständige Biographie kann gar nicht geschrieben werden."
(Mark Twain) Eric Ambler weilte 32623 Tage auf unserem kleinen Planeten Erde. Nach Mark Twains Theorie würde sein Leben deshalb eine ziemlich große Bibliothek füllen. Sie hätte einen Bestand von etwa 12 Millionen Bänden. (Uff!) Stefan Howald hat sich in den 90er Jahren bis zur Veröffentlichung seiner Ambler-Biographie 2002 in mühseliger Kleinarbeit darangemacht, das Leben und Werk des britischen Schriftstellers akribisch aufzuarbeiten. Es gelang ihm sogar noch, Ambler vor seinem Tod 1998 noch persönlich kennen zu lernen. Doch die gegebene Zeitspanne war bedauerliche Weise zu kurz, um - sozusagen aus erster Hand - mehr über das (Privat)Leben des britischen Autoren zu erfahren. Howald hat damit dennoch ein wichtiges und unverzichtbares Kompendium geschaffen, auf das niemand verzichten kann, der sich näher mit Eric Ambler beschäftigen möchte. Doch dies liegt leider weniger in seiner biographischen Erzählung selbst begründet als vor allem in dem fast 100seitigem Anhang mit Zeittafel, detaillierten Anmerkungen, ausführlicher Bibliographie sowie dem sehr nützlichen Personen- und Werkregister. Zwar startet Howald mit der erzählten Biographie lange Zeit erstaunlich ambitioniert und befördert vor allem aus den Jugendjahren Amblers einige aufschlussreiche Details zur Vater-Sohn-Beziehung oder zu den hindernisreichen Wegen bis zur Schriftstellerei aus dem Leben des Schriftstellers hervor. Doch im Laufe seiner biographischen Abwägungen lässt Howald meinem Eindruck nach immer mehr die Zügel schleifen, was wohl daran liegt, dass sein interpretatorisches Gerüst trotz seiner vielen Nacherzählungen von Ambler-(Dreh)Büchern und Einstreuung von Zeitkolorit den "Gegenstand" in seinen Feinheiten nie richtig zu "fassen" bekommt. Das recht übersichtliche Werk (insgesamt über 20 Romane, 9 Erzählungen und ein paar Dutzend Drehbücher) sind im Grunde ein recht abgegrenztes und dankbares Feld für einen Literaturwissenschaftler. Nicht gerade wenig, aber doch gut durchzuarbeiten und bei den schriftstellerischen Qualitäten Amblers sehr gut auszugestalten. Diese Fleißarbeit hat Stefan Howald dann auch recht sauber vollbracht und damit einen vorzüglichen "Steinbruch" (Thomas Wörtche) für Ambler-Forscher und andere Interessierte geschaffen, an dem man sich erst mal abarbeiten kann. Trotz dieser ganzen Qualitäten von Howalds Ambler-Biographie fehlt es dem Buch allerdings an einer gewissen Tiefenschärfe. Dazu drei Beispiele: Die Bedeutung der 5 Romane, die Ambler zwischen 1950 und 1958 unter dem Sammelpseudonym "Eliot Reed" zusammen mit (seinem Bekannten? Freund? Weggefährten?) Charles Rodda, einem australischen Journalisten und Schriftsteller von Abenteuer- und Kriminalromanen, verfasst hat, bleibt bezeichnenderweise unterbelichtet und tendenziell unterbewertet, womit immerhin acht schaffensreiche Jahre der Zusammenarbeit trotz des Schwerpunkts auf die Werksicht mehr oder weniger ausgeblendet werden. Auch aus den gewissen Parallelitäten zu dem Lebensverlauf des etwas älteren britischen Filmregisseurs Alfred Hitchcock (1899-1980) schöpft Howald wenig mehr als die Kolportage, dass Amblers zweite Frau, die britische Drehbuchautorin und Filmproduzentin Joan Harrison, eine enge und jahrelange Mitarbeiterin des Filmregisseurs Alfred Hitchcock war und dass es dabei zu recht seltsamen Animositäten zwischen den Amblers und dem Maniac "Hitch" kam. Howald vermeidet ganz offensichtlich, gleichwohl dezent das allzu Private, womit er als Biograph sicher keinen komplett falschen Weg einschlägt, dennoch hätte man sich doch ein wenig mehr Einblicke bzw. auch interpretatorischen Möglichkeiten in die inneren Antriebe Eric Amblers gewünscht, der sein Lebensmotto übrigens selbst einmal so beschrieb: "Ich versuche den Leuten zu erklären, wie es zugeht in der Welt." Dieses starke Motiv handelt Howald nun zwar implizit recht gut ab, doch explizit gewinnt die so stark von Moral und Sendungsbewusstsein geprägte Haltung Amblers bei Howald in der Darstellung kaum charakterliche Ausstrahlung. Dagegen gewinnt man bei seinem Ambler-Bild stellenweise eher den Eindruck, Ambler sei ein kleiner bürgerlicher Snob gewesen, der sehr viel wert auf seinen gesellschaftlichen Status und seinen Lebensstandard legte. Wiederum explizit wird in der Biographie eben nicht einmal diese – wohl gemerkt – gewagte These richtig ausgeführt. Sicher, es ist nicht einfach, das Leben des Meisters der erzählerischen Täuschungsmanöver, zu verstehen und biographisch in Griff zu bekommen – zumal vor Howald sich kaum jemand ernsthaft an einer großen Ambler-Biographie versucht hat. Außerdem hat Ambler selbst 1985 und 1993 autobiographische Schriften herausgegeben, die den interpretatorischen Spielraum eines jeden Biographen natürlich – und beinahe vorbeugend – eingeengt haben. Der Schelm Ambler hat seine große Autobiographie "Ambler by Ambler" von 1985 im englischen Original übrigens mit dem doppeldeutigen Titel "Here lies Ambler" versehen (schwarzhumorig wahlweise mit der Grabinschrift "Hier liegt Ambler" oder mit dem Lebensbekenntnis "Hier lügt Ambler" zu übersetzen). – Sie sehen: Stefan Howald stand da ganz sicher vor keiner leichten Aufgabe! Fazit: Solide Großbiographie, die allerdings an die große Kunst der Biographie, wie man sie aus anderen Zusammenhängen vor allem von englischsprachigen, eher literarischen Biographen kennt (vgl. nur z.B. Alan Bullocks Hitler-Stalin-Biographie oder Elisabeth Young-Bruehls tiefschürfendes Werk zu Hannah Arendt), leider nicht einmal andeutungsweise heranreicht. Eric Ambler (1909-1998) steht mithin für die Kritik an den gesellschaftspolitischen Ausprägungen eines ganzen Jahrhunderts, was sein Biograph Howald zum Beispiel noch weit deutlicher hätte herausstellen können. Stefan Howald, der übrigens noch eine Biographie zu George Orwell veröffentlichte (rororo Monographien, Reinbek b. Hamburg 1997), zeigt sich hier nur an wenigen Stellen als mitreißender Erzähler, meist allerdings "nur" als ein fleißiger und solider Chronist und Nacherzähler von Amblers Kriminalromanen. Das dies unterm Strich dennoch recht lesenswert und stellenweise durchaus sehr aufschlussreich ist, erscheint uns als Glücksfall. Für Ambler-Fans ist dieses Buch schließlich vor allem wegen seiner Materialfülle nach wie vor ... unverzichtbar. [ hs/28.08.2010 ]
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Krimi-Specials
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