Titel: Die Therapie

Fitzek, Sebastian Die Therapie

Keine Zeugen, keine Spuren, keine Leiche. Josy, die 12-jährige Tochter des bekannten Psychiaters Viktor Larenz, verschwindet unter mysteriösen Umständen. Ihr Schicksal bleibt ungeklärt. Vier Jahre später: Der trauernde Viktor hat sich in ein abgelegenes Ferienhaus zurückgezogen. Doch eine schöne Unbekannte spürt ihn dort auf. Sie wird von Wahnvorstellungen gequält. Darin erscheint ihr immer wieder ein kleines Mädchen, das ebenso spurlos verschwindet wie einst Josy. Viktor beginnt mit der Therapie, die mehr und mehr zum dramatischen Verhör wird.

Bild am Sonntag Mega-Thriller.

Autor: Fitzek, Sebastian
Titel: Die Therapie
Jahr: 2012-05
Seiten: 219 | Taschenbuch
Verlag: Axel Springer
ISBN: 978-3-942656-16-0
Preis: 6.66 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

"Die unheimlichste aller Erfindungen ist der Spiegel. Woher nehmen die Menschen nur den Mut, da hineinzuschauen?" (Brendan Behan) Der Berliner Journalist Sebastian Fitzek führt seine Leser mit diesem gelungenen Romandebüt "Die Therapie" durch ein labyrinthisches Spiegelkabinett zwischen Wahn, Vorstellung und fragwürdiger Realität. Dabei beherrscht der Debütautor das Spannungshandwerk bereits souverän, selbst wenn sein cleverer Psychothriller bis zu seinem ziemlich überraschenden Ende dann doch ein wenig überkonstruiert wirkt. Daß "Die Therapie" über seine eigentlichen literarischen Qualitäten offenbar auch einen sehr geschickten und lancierten Marketing-Erfolg darstellt, darüber wollen wir hier lieber schweigen, auch weil wir es seit Juni letzten Jahres nur vermutend beobachten können. Daß dieses leichte "Gschmäckle", wie es die Schwaben nennen, nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass man es offenbar mit einen ernstzunehmenden Thrillerautoren zu tun hat, das soll deshalb gleich postwendend hinterhergeschickt werden. Auf jeden Fall zeigt sich Fitzek als sehr genrekundig und zudem als gewitzter Erzähler. Denn letztlich beschreibt er die tragische Geschichte seines Helden, des Psychiaters Viktor Larenz, der seine kleine Tochter verloren hat, mit bemerkenswertem Ideenreichtum und mit allen Mitteln der Thrillerkunst (Familientrauma aus der Vergangenheit, mysteriöse Umstände des Verschwindens der Tochter, anonyme Hinweise von geheimnisvollen Fremden, fieberhafte Traumsequenzen, verunsicherter und ambivalenter Ich-Erzähler, einsame Insel mit offenbar gefährlichem Psychopathen). Mögliche und denkbare Vorbilder für den Roman - ob tatsächlich vorhanden oder nicht - sind dann zumindest elegant "vertuscht". Psychologen und Psychologie als Gegenstand von Psychothrillern stellen nun mal ein sehr beliebtes Motiv dar. (Ich selbst habe in ähnlichem Zusammenhang zuletzt von John Katzenbach "Die Anstalt" gelesen - vgl. die Rezension vom 07.06.2006.) So mag "Die Therapie" den einen oder anderen Leser an Hitchcocks Klassiker "Spellbound" oder von der Erzählsituation her auch an den vor nicht allzu langer Zeit erschienenen Roman "Shutter Island" von Dennis Lehane erinnern. Über "Die Therapie" wurde im "Hammett" zum Teil recht hitzig diskutiert. Doch trotz aller möglichen Kritik kann man Fitzek eines nicht vorwerfen, nämlich daß er nicht weiß, worauf es bei einem Psychothriller ankommt und wie er die bekannten Versatzstücke neu zusammenzusetzen hat, - ohne dabei in allzu grobe Schemata des Genres zu verfallen oder z. B. etwa einfach der völlig überdrehten Cliffhanger-Kultur amerikanischer Provenienz zu frönen. Fortgesetzte und spannungsfördernde Höhepunkte gibt es zwar sicher auch bei Fitzek, doch wenn etwas an dem Buch problematisch wirkt und die Geister trennt, dann ist das eher sein Spiel mit der übergreifenden Erzählperspektive, die den Leser letztlich hinters Licht führt. Dazu kommt das heikle Motiv des verschwundenen kleinen Mädchens, das fortwährend einen Sexualmord oder pädophile Zusammenhänge suggeriert und dann trotz der Überraschung am Ende doch ziemlich schwach aufgelöst erscheinen mag. Fazit: Die Einschätzung des Romans steht und fällt mit der Bewertung von Fitzeks Erzählweise. Insgesamt erscheint "Die Therapie" als gelungen und durchaus lohnenswert. Der Roman ist temporeich und atmosphärisch dicht geschrieben und liest sich darüber hinaus einfach gut weg. - Man darf gespannt sein auf den zweiten Fitzek, der inzwischen bereits unter dem beinahe typischen Psycho-Titel "Amokspiel" auf den Markt kam. (Fleißig, fleißig, Herr Fitzek!) - Erst dann wird sich zeigen, was der Autor tatsächlich auf dem Kasten hat . . . [ hs/26.04.2007 ] 6 von 10 Kugeln
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