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Winslow, Don Kings of CoolOriginaltitel: The Kings Of Cool
Unsere Meinung:Mit "Kings Of Cool" ist zum ersten Mal ein Roman von Don Winslow in Deutschland als Hardcover erschienen. "Tage der Toten" (Deutscher Krimipreis 2011) hätte das natürlich ebenfalls schon verdient gehabt, aber unternehmerisch ist es wohl klug vom SuhrkampVerlag, diesen Schritt erst jetzt zu tun. Don Winslow ist inzwischen als Autor in Deutschland weitgehend durchgesetzt, sein vielfältiges Werk begeistert Menschen mit ganz unterschiedlichem Lesegeschmack. Mitte Oktober kommt zudem die Oliver Stone-Verfilmung von "Savages" in die Kinos.
"Kings Of Cool" erzählt die Vorgeschichte von "Savages" (deutscher Titel: "Zeit des Zorns", 2. Platz Deutscher Krimipreis 2012), ist also ein sogenanntes Prequel. Wenn die Plastikfolie vom Buch abgerissen ist, wird einem die Besonderheit dieses Romans sofort bewusst. Das reduzierte Schwarz/Weiß des Covers mit Schriftprägedruck ist einfach nur cool, und berührt man die Oberfläche, so hat der Einband einen Touch von Gummi, ohne aber unangenehm zu wirken. Der Buchschnitt ist schwarz gefärbt, auch dadurch wird das circa 589 Gramm schwere Buch zu einem kleinen Gesamtkunstwerk. Endlich ist die Gestaltung eines Buches nicht mehr nur bloßer Blickfang, sondern kongenial - sozusagen "Quintessenz" des Inhaltes. Doch nun zum einzigen, was hier wirklich zählt, zum Kriminalroman und Meisterwerk, zum Inhalt von "Kings Of Cool". Mit "Kings Of Cool" erzählt Don Winslow die Geschichte von Ben, Chon und O, O wie Ophelia. Aber eben (anders als in "Zeit des Zorns") auch die Story ihrer Eltern und deren Generation, also die der vermeintlich legendären Hippies der Sechziger. Eine oft verklärte Zeit, in der aber Flower Power und sanfte Drogen in Kalifornien nahtlos von Gewalt und straff organisierter Kriminalität abgelöst worden sind. Dazu passt ja, dass man sich als Leser sofort auf die Seite von Ben und Chon schlägt, und immerhin sind sie Drogenanbauer der obersten Liga. Zu Beginn des Buches müssen sie sich wieder mit einem feindlichen Übernahmeversuch ihres Drogengeschäftes herumschlagen, dann aber geht der Plot in die Vergangenheit der sechziger Jahre. Beide Storys werden relativ gleichmäßig abwechselnd erzählt. Gewohnt rasant erzählt Winslow, bildhaft und mit einer Präzision, die fast einzigartig ist. Wo andere Autoren eine halbe Seite brauchen, um eine Szene darzustellen, da reichen Don Winslow oft drei knappe Sätze. Und oft erzählt er in dieser Kürze sogar viel mehr. Als Leser wird man quasi zu einem Teil des Buches, so nah ist man den Romanfiguren durch diese unverwechselbare Erzähltechnik. Man liest tatsächlich in ihren Gedanken, denn diese stehen gleichberechtigt in und neben dem eigentlichen Romantext. "Kings Of Cool" entfaltet einen ganz eigenen Sound, egal ob als Hörbuch oder in Textform. Gerade bei der Buchform kommen die "Ein-bis-sechs-Wörter-Sätze" voll zur Geltung und machen den Text quasi hörbar. Auf 349 Seiten sind 305 knackige Kapitel untergebracht. Vergleiche mit DADA-Werken von Kurt Schwitters mögen erlaubt sein. So ganz nebenbei und als kostenlose Zugabe streift man mit Winslow mal eben die letzten vierzig Jahre US-Politik samt aller Kriege, ob gegen Drogen oder gegen Menschen. Sowohl bei "Zeit des Zorns" als auch hier in "Kings of Cool" hat Don Winslow die zum Plot passende Erzählsprache angewandt. Genau das macht auch die Besonderheit von Winslows Gesamtwerk aus. Wie kein anderer zeitgenössischer Genre-Autor verfügt er über ganz verschiedene Sprachstile für ganz unterschiedliche Geschichten. Neun seiner Bücher sind jetzt im Deutschen lieferbar, die Romane um Neal Carey werden ab 2013 dazukommen. Sind "Pacific Paradise", "Pacific Private" und "Sprache des Feuers" relativ klassische Detektivromane, so sind "Frankie Machine" und "Bobby Z" eher Gangstergeschichten. "Tage der Toten" ist eigenständig, nichts kommt an dieses Epos heran. "Satori", wieder ganz anders, war eine Auftragsarbeit aus dem Kreis der Trevanian-Erbengemeinschaft. "Zeit des Zorns" und "Kings Of Cool" schließlich verbindet nicht nur die Protagonisten, sondern auch die sprachliche Form, der kunstvolle Stil. Egal, ob man "Zeit des Zorns" und dessen Ende bereits kennt, "Kings of Cool" ist auch oder gerade eigenständig zu lesen. So kraftvoll ist dieser Roman, so poetisch und so gut. Schlicht und einfach cool, aber eben auch ganz schlicht und einfach der Kriminalroman des Jahres 2012. Von der Gestaltung über den Satz bis hin zur Übersetzung von Conny Lösch, die sich in den Werken von Don Winslow ja mindestens pudelwohl zu fühlen scheint. Cooles Buch! [ ck/30.09.2012 ]
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Krimi-Specials
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