Heimstadt muss sterben - Heim, Uta-Maria - Klöpfer & Meyer

Heim, Uta-Maria Heimstadt muss sterben

Heimstadt am Neckar ist ein Hort von Waffenhändlern und Waffenschiebern. Da regiert eine Horde hedonistischer Honoratioren. Vom Weltverbesserer bis zum Erzkonservativen sind alle irgendwie miteinander verfilzt.

Ein Kriminalroman? Nicht nur! Auch ein Schelmenroman, schräg, witzig. Ein Plädoyer fürs geistreiche Widerwort. Ein ziemlich anderer Blick auf das, was da so "Heimat" heißt. Ein furchtloser Abgesang auf die Untiefen des gewöhnlichen "Regionalkrimis".

Autor: Heim, Uta-Maria
Titel: Heimstadt muss sterben
Jahr: 2016-02
Seiten: 360 | Hardcover
Verlag: Klöpfer & Meyer
ISBN: 978-3-86351-413-6
Preis: 22.00 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

Ich kotz gleich, dachte Graf. Ich halte diese Schreibe nicht mehr aus. Mal stimmt es, dann wieder nicht. Als sei die Realität ein Selbstbedienungsladen. Man muss verdammt Obacht geben. Als Graf sich am juckenden Hirn kratzte, wuchs ihm dort ein Ausschlag.
(S. 202)

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Den neuen Roman (Kriminalroman? Antiheimatroman? Metaantiheimatkrimi?) von Uta-Maria Heim lesen, das ist wie nach wochenlang Döner, Pizza und Currywurst wieder mal ein Viergängemenü im E.T.A. Hoffmann. Ein Erlebnis.

Eine Wucht und eine Wonne, was sie mit Sprache macht. Da gibt es Sätze und Wörter, die zwar immerhin mir als Badener leidlich vertraut vorkommen, die ich aber garantiert noch nie gelesen hab. Wörter, die es gar nicht gibt, oder vielleicht doch in irgendeinem Dialekt, oder die es eigentlich geben könnte. Und auch immer wieder Sätze in diesem dichten Dickicht, die ich schlicht nicht kapiere, weil ich wohl zu blöd bin. Aber schön ist das. Wunderbar. Und witzig.

Wie immer haut sie einem die unheimeligen Dinge unserer Heimat um die Ohren, diesmal vor allem unsere Waffenschmieden, in denen Deutschlands Exportschlager fabriziert werden, Mord und Tod für die Welt. Und sie zieht das wohlsituierte weltoffene gebildete und politisch aktive Spießbürgertum im Ländle liebevoll und gnadenlos durch den Kakao.

Ein ominöser, in Form eines Lokalkrimis womöglich peinliche Geheimnisse enthüllender USB-Stick wird dem örtlichen Kleinverleger Graf vererbt, aber gleich wieder geklaut und vertauscht. Am Ende werden es gar drei Sticks sein, die sich nach und nach als subversiv und explosiv erweisen, auch ohne dass der arme, allmählich durchdrehende Verleger je kapierte, was es damit auf sich hat, oder gar irgendwas davon veröffentlichte, denn sein Verlägle existiert ja sowieso nur zum Schein, alles Lug und Trug.

Es verschwinden Leute oder kommen um, oder auch nicht, das Internet ist plötzlich ein paar Tage lang weg, ansonsten wird viel auf der Alb gewandert, dumm und gescheit dahergeschwätzt, ordentlich geschlemmt und gesoffen - die Heimstädter Hautevolee ein quirliger Haufen selbstverliebter Gourmands und Gourmets. Grandios!

Für einen Kriminalroman, na ja, vielleicht alles einen Tick zu überdreht, zu arg absurdes Theater; vielleicht einige Sprachtricks einmal zu oft wiederholt; vielleicht alles eine Umdrehung zu „meta“, zu selbstreflexiv oder –referentiell oder postmodern oder was; vielleicht einfach überhaupt zu viel drin und durcheinander, heillos ineinander verwoben und verwurstelt und unentwirrbar wie die Wirklichkeit. Jedenfalls hält man keine fuffzig Seiten am Stück aus, schon schwirrt der Schädel und das Hirn gibt auf und macht sich selbstständig.
Aber, ach, allein ihre Fußnoten! Und dieser schöne falsche schwäbische Konjunktiv! Am Ende geb ich gerne zu: dafür, dass sie wieder mal keinen richtigen Krimi geschrieben hat, ist es vielleicht verdammt noch mal der beste und böseste und lustigste des Jahres!

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Graf schreckte zusammen, als das Telefon klingelte.
„Mir entgleiten die Zusammenhänge, und aus meinem Hirn dünstet Wirrnis.“ Hasler seufzte. „Je länger ich über die Todesfälle, die Todesermittlungen, Vermissungen, Beerdigungen und unsere Mutmaßungen nachdenke, die seienden, die geseiten, die gescheiten und die scheint’s scheinenden, je galoppierender und frappanter sich die Ereignisse indes von mir entfernen, desto wilder wird mein Denken und ich bring bald alles durcheinander.“
„Ob das mit dem Versagen des Zwischennetzes zu tun hat?“, überlegte Graf.
„Es hat mit dem Demenzwerk zu tun“, vermerkte Hasler, „das in uns hockt und klopft, und mit sonst gar nichts. Aber es ist wohl menschlich, dass man schon nichts begreift, wenn man es verlebt, und hinterher, wenn es rum ist, kapiert man es zweimal nicht, weil man von Anbeginn alles miteinander verrührt hat.“
(S. 242)


(RS/04.03.2016)
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