Lügenland - Lerchbaum, Gudrun - Pendragon

Lerchbaum, Gudrun Lügenland

Es ist der Tag vor Matteas Hochzeit. Die ehemalige Polizistin erschießt im Rausch ihre Freundin und muss fliehen. Verdammt schwer in einem hochtechnologisierten Überwachungsstaat, zu dem Österreich geworden ist. Durch den Zustrom der Flüchtlinge erlebte die Alpenrepublik einen extremen Rechtsruck.
Nach einer Phase der Gewalt konnte sich 20 Jahre zuvor eine Diktatur etablieren, die sich alle technischen Errungenschaften zur Überwachung ihrer Bürger zunutze macht. Das stellt Mattea, die in diesem System aufgewachsen ist und zu den Regimetreuen gehört, vor unlösbare Schwierigkeiten.

Der Zufall kommt ihr zu Hilfe: Sie wird mit einer untergetauchten Revolutionärin verwechselt und die Widerstandsbewegung versucht sie zu beschützen. Matteas Weltbild gerät ins Wanken. Einerseits will sie jeden Revolutionär hinter Gittern sehen, andererseits sind es genau die Leute, die sie beschützen und ihr die Augen öffnen.

Autor: Lerchbaum, Gudrun
Titel: Lügenland
Jahr: 2016-08
Seiten: 408 | Taschenbuch
Verlag: Pendragon
ISBN: 978-3-86532-550-1
Preis: 17.00 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

Streng genommen ist es eigentlich Science Fiction. Allerdings nicht im selben Sinn wie Jo Waltons Carmichael-Trilogie, ein erstaunlicher Genre-Mischling aus klassischem Scotland-Yard-Inspector-Krimi, Politthriller und Alternativwelt-Geschichte in der Tradition von Robert Harris’ „Vaterland“. Diese Art von politischer „Was wäre gewesen, wenn …“- Fiktion erfreut sich ja im angelsächsischen Sprachraum viel höherer Beliebtheit als bei uns, wo mir auf Anhieb nur Christian von Ditfurths frühe Romane als Beispiele einfallen.

Nein, Gudrun Lerchbaums „Lügenland“ will zwar letztlich ebenfalls als politische Mahnung verstanden werden, irgendwie in der Tradition großer SF-Klassiker wie Orwells „1984“, Huxleys „Schöne neue Welt“ oder Bradburys „Fahrenheit 451“. Doch eigentlich dreht die Autorin nur einige Schräubchen unseres Hier und Heute ein winziges bisschen weiter, wirft uns vielleicht zehn, zwanzig Jahre in die Zukunft (schätzungsweise – oder legt sie sich da im Roman irgendwo fest?), in ein zerfallenes Europa der Fremdenfeindlichkeit, und darin wiederum in ein faschistoid gewordenes Österreich, das einerseits die freundliche Überwachung jedes Einzelnen technisch perfektioniert hat, andererseits in Sachen Sexismus und Rassismus eine Rolle rückwärts vollzogen hat.

Near-Future-SF könnte man’s also nennen. Die unschöne Zukunftswelt wird meist nur mit Details angedeutet und nicht groß auserzählt, da wird nicht groß erklärt oder rekapituliert. Der Leser wird gleich in die Handlung reingeschmissen und davon mitgerissen bis zum Finale.
Und diese Handlung spielt zu großen Teilen in der Natur, im Wald, in den Bergen, wohin unsere einsame unfreiwillige Heldin, die niemandem trauen kann, flüchtet. Manchmal erinnert das dann tatsächlich an Haushofers „Die Wand“ (danke, Nastasja, für diese kluge Bemerkung!).

Vor allem ist „Lügenland“ von vorne bis hinten extrem spannend. Das liegt an Gudrun Lerchbaums zupackender Schreibweise. Und das liegt an der Unvorhersehbarkeit der Geschichte. Wie die Heldin selber, also wie im richtigen Leben und in der echten politischen Geschichte, weiß man nie, was als Nächstes passieren und wie es weitergehen wird. Dauernd passiert wieder irgendwas Überraschendes, und blitzschnell muss reagiert und gehandelt werden auf dem weiteren Weg ins Ungewisse. So eiert oder zickzackt die Geschichte quasi durch die Landschaft, salopp gesagt, und man bangt in jedem Augenblick mit der Heldin, spürt ihre Angst und Unsicherheit in jeder Situation.

Ein merkwürdiger Actionthriller und ein echter Pageturner, in dem viel drinsteckt – kuriose Details, viele Ideen und Geschichtchen, und viel Stoff zum Nachdenken!


(RS/22.11.2016)
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