Auf der Jagd - Bouman, Tom - ars vivendi

Bouman, Tom Auf der Jagd

Originaltitel: Dry Bones in the Valley
Aus dem Englischen von Gottfried Röckelein

"In der Nacht, bevor wir die Leiche fanden, konnte ich nicht schlafen." So beginnt die Geschichte des US-Dorfpolizisten Henry Farrell, Ex-Somalia-Kämpfer und Witwer, der sich auf einen gemütlichen Job in den gottverlassenen Wäldern im Nordwesten von Pennsylvania eingerichtet hat - und dort eine ganze Weile nicht zum Schlafen kommen wird. Die Einheimischen, dickschädelige, traditionsbewusste Nachkommen irischer Einwanderer, ernähren sich mehr schlecht als recht von dem, was das Land hergibt, ignorieren die Staatsmacht und pflegen ihre Waffen.
Doch die Gemeinschaft wird nicht nur von mexikanischen Drogenkartellen und verborgenen Crystal-Meth-Küchen bedroht: Ein Fracking-Unternehmen setzt alles daran, die örtlichen Schiefergasvorkommen auszubeuten und lockt mit viel Geld für Grundstücke. Als einer der Einsiedler eine Leiche auf seinem Land findet, beginnt für Henry Farrell die Jagd nach dem Killer.

Alles verdammt lang her, aber jetzt muss die Wahrheit auf den Tisch: Ausgrenzung, Hass, Korruption, Liebe in Zeiten bitterster Not. Und es gibt noch zwei weitere Cold Cases aus jener Zeit.

Autor: Bouman, Tom
Titel: Auf der Jagd
Jahr: 2017-01
Seiten: 380 | Hardcover
Verlag: ars vivendi
ISBN: 978-3-86913-722-3
Preis: 20.00 EUR

Status: Lieferbar

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Unsere Meinung:

Tom Boumans „Auf der Jagd“ führt uns ins US-amerikanische Hinterland, ins Binnenland hinter der großstädtisch geprägten Ostküste, in die hügeligen bis mittelgebirgigen Appalachen Pennsylvanias mit ihren ewigen Waldgebieten.
Ein relativ ruhiger Kriminalroman, zu dem man (im Internet, in Bibliografien, Bibliotheken und Buchläden) eigentlich hingeführt werden sollte, wenn man nach den Schlagwörtern „Wald“ oder „Jagd“ sucht – inhaltlich hier ähnlich wichtig wie beispielsweise in den Romanen „Winter in Maine“ von Gerard Donovan, „Bull Mountain“ von Brian Panovich oder „Ein einziger Schuss“ von Matthew F. Jones. Ja, auf diesem hohen Niveau befinden wir uns: „Auf der Jagd“ gewann den EDGAR als bestes Debüt und den LA Times Book Prize in der Kategorie Mystery/Thriller.

Ein weiteres Schlagwort wäre „Fracking“. Ähnlich wie in der tollen zweiten Staffel von „Justified“ die Verwüstungen der Landschaft Kentuckys durch den Kohleabbau thematisiert wird, erzählt Boumans Roman scheinbar nebenbei von der ökologisch fragwürdigen Erdgasförderung durch Fracking. Ein Mordsgeschäft. Da lässt sich eine Menge Geld machen, in immer schon armen und immer hoffnungsloser verarmenden Gegenden.
Wo schnelles Geld durch Grundstücksverkäufe oder -verpachtungen lockt, beginnen bald die mehr oder weniger kriminellen Machenschaften um Grund und Boden.
Und, ach ja, um Drogenhandel und -herstellung geht’s auch noch (siehe wiederum „Justified“). Von irgendwas müssen die Arbeitslosen ja leben, wenn sie nichts haben außer Berge und Täler mit riesigen Wäldern.
So ist „Auf der Jagd“ auch einer jener bitter realistischen Kriminalromane, die uns, scheinbar nebenbei, vor Augen führen, warum Leute überall im US-amerikanischen Hinterland auf die Idee kommen konnten, einen Trump zu wählen.

„Auf der Jagd“ ist kein flotter Krimi, schon gar nicht der launige Auftakt einer netten Krimiserie. Auch ganz anders als die Krimis von Joe R. Lansdale, welcher auf dem Umschlag mit kollegialem Lob zitiert wird. Und auch stilistisch nicht so meisterhaft flüssig und prägnant wie Daniel Woodrells „Winters Knochen“ oder Castle Freemans „Männer mit Erfahrung“. (So, jetzt hab ich bis auf James Lee Burkes „Schmierige Geschäfte“ alle vergleichbaren und nicht vergleichbaren Country Noirs aufgezählt, die mir beim Lesen mal einfielen.)
Sondern ein manchmal zäher, manchmal unkrimimäßig umständlicher, manchmal erstlingstypisch ungelenker, in seiner unbeirrbaren Ruhe aber Kraft und Spannung entwickelnder Roman. Eigenständig, eigensinnig und beeindruckend.
Und wie so oft bei wirklich sinnvollen, wirklich guten Kriminalromanen, ist es ein Buch, bei dem man das Gefühl hat, dass es geschrieben werden musste, dass diese Geschichten erzählt werden mussten.

(RS/08.05.2017)
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