Titel: Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone

Haddon, Mark

Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone

Christopher Boone leidet an einer leichten Form des Autismus und geht zur Sonderschule. Von den komplizierten menschlichen Gefühlen versteht er wenig, aber in Mathe und Physik ist er geradezu genial. Darum will er später auch Astronaut werden. Oder Wissenschaftler.
Er liebt Primzahlen, Puzzles und Polizisten. Aber er hasst Gelb und Braun. Damit er auch Fleisch und Gemüse, das diese Farbtöne hat, essen kann, hat er immer Lebensmittelfarbe dabei.
Seit seine Mutter vor zwei Jahren überraschend gestorben ist, vertraut er nur noch einem Menschen auf dieser Welt: seinem Vater, der ihn allein erzieht. Die beiden verstehen sich auch gut – bis Christopher eines Nachts den Wellington, den Pudel der Nachbarin, tot im Garten findet. Der Junge mag Hunde sehr. Bei ihnen weiß er, woran er ist. Er muss unbedingt den Täter finden und nimmt die Ermittlungen auf. Streng logisch, mit Deduktionen, wie einst Sherlock Holmes. Er kann nicht ahnen, wie sehr Wellingtons Tod mit seiner eigenen Geschichte zusammenhängt.

Autor: Haddon, Mark
Titel: Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone
Jahr: 2003-09
Seiten: 288 |
Verlag: Blessing
ISBN: 978-3-89667-228-5
Preis: 18.00 EUR

Status: Vergriffen

Preis: 18.00 EUR

Unsere Meinung:

Diese Rezension wurde zur Taschenbchausgabe veröffentlicht.

"My name is Christopher John Francis Boone. I know all the countries in the world and their capital cities and every prime number up to 7057."

So stellt sich der Held und Ich-Erzähler von Mark Haddons Roman "the curious incident of the dog in the night-time" vor. Die Geschichte, die der Held Christopher in der Folge erlebt und rückblickend erzählt, deutet allerdings nicht unbedingt auf "Supergute Tage" hin, wie die deutsche Übersetzung des englischen Originaltitels suggerieren will. Unser Held Christopher stellt zwar gleich anfangs fest: "This is a murder mystery." - Doch Vorsicht: Trotz dieser Ankündigung wird man im Verlaufe des Romans weniger mit einem Krimi als mit einem genauso subtilen wie tragi-komischen Familiendrama konfrontiert:

Der fünfzehnjährige Christopher leidet unter eine speziellen Form des Autismus, dem Asperger-Syndrom. Diese Persönlichkeits- und Verhaltensstörung hindert Christopher aber nicht daran, mit seiner Umwelt zu kommunizieren und ein "relativ normales Leben" zu führen. Er geht auf eine Behindertenschule und hat großes mathematisches Talent (was er uns als Ich-Erzähler auch gleich auftischt). Dennoch lebt Christopher in seiner eigenen engen Welt und in einer strengen Logik, die es z.B. seinen Eltern sehr schwer machen, mit ihm umzugehen.
Da findet Christophers eines Nachts (nächtliche Spaziergänge sind nur eine von seinen Marotten) den Nachbarshund Wellington im Garten der Nachbarin Mrs. Shears. Wellington wurde mit einer Mistgabel erstochen. Doch als die eilig herbeigerufene Polizei in diesem Fall nicht ernsthaft ermitteln will, ist Christopher gleich wild entschlossen, der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Als Fan von Sherlock Holmes und den Kriminalgeschichten von Arthur Conan Doyle, beginnt er mit seinen "Ermittlungen" und fragt die Leute in seiner Straße nach den möglichen Hintergründen des Mordfalls aus.
Mit seiner Hartnäckigkeit wirbelt Christopher in der Folge nicht nur viel Staub auf, sondern gerät auch in für ihn ungeahnte Abenteuer. Bei seiner Suche stößt er nämlich auf eine ganz andere Frage: Vor einiger Zeit ist, wie wir fast beiläufig erfahren, seine Mutter nach einer längeren Herzkrankheit gestorben. Nun lebt er mit seinem Vater allein in der vertrauten Wohnsiedlung im südenglischen Swyndon und das Leben nimmt - wäre da nicht der Tod des Hundes Wellington - seinen gewohnten Gang. Immerhin hielt Christopher nach seinen Krankenhausbesuchen bei der Mutter und der letzten Auskunft des Vaters seine Mutter natürlich für tot ...

Ob man Mark Haddons Roman nun als Jugend- oder Erwachsenenroman bezeichnen soll, das sei dahingestellt. Dies ist allein schon wegen seiner Erzählweise unerheblich. Aus der Sicht eines fünfzehnjährigen Autisten erzählt, werden wir auf genauso schräge Weise wie geradlinig und zielsicher mit einer eigenartigen Lebenswelt konfrontiert. Das wirkt in Christophers Sätzen und Beobachtungen sehr einfach bis einfältig, verbirgt aber überraschende Einsichten in die eigentümlichen Möglichkeiten, unsere Umwelt zu betrachten und zu verstehen.
Durch diese ganz besondere Erzählweise lässt Haddon die Leser in seine fremdartige und abgeschlossene Welt eintauchen und baut damit auf seltsamen Wegen und mit ungewöhnlichen Mitteln eine geradezu dramatische Spannung auf.
Es fällt mir schließlich schwer zu beurteilen, bei Christophers Abenteuer handele es sich deshalb definitiv um keinen Kriminalroman. Neuerliche Warnung: Erwarten Sie in dieser Hinsicht auf keinen Fall zuviel! (Es kommt hierbei vielleicht und ironischerweise ganz und gar auf die Sichtweise an.) - Immerhin handelt der Roman, beginnend mit einem wirklichen Verbrechen, von den Folgen von Lüge und Verrat. Und dann ist da nicht zuletzt der detektivische Ehrgeiz eines autistischen Jungen, der uns fast schelmenhaft das prekäre Verhältnis zwischen Lüge und Wahrheit, Vorstellung und Wirklichkeit und den Gefahren von Lebenslügen aufzeigt.
[ hs/20.01.2006 ]
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